"Schuss versehentlich gefallen"

Für ein Wildschwein hatte ein Jäger aus Oberfranken einen 26 Jahre alten Mann gehalten und ihn erschossen. Nun muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Bild: dpa
Archiv
Bayern
21.01.2015
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Ein unter Drogen stehender Mann läuft früh am Morgen an einem Maisfeld entlang. Ein Jäger hält ihn für ein Wildschwein. Dann fällt ein tödlicher Schuss. Nun wird der Fall vor einem Gericht verhandelt.

Ein Jäger, der einen Mann mit einem Wildschwein verwechselt haben will, muss sich seit Dienstag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht Wunsiedel verantworten. Der tödliche Schuss habe sich versehentlich gelöst, beteuerte der 54-Jährige zum Prozessauftakt. Er habe am 8. September 2012 kurz vor 5 Uhr vom Hochsitz aus Bewegungen in einem Maisfeld wahrgenommen und dort ein Wildschwein vermutet. Weil er sich aber dann doch nicht sicher war, habe er das Gewehr nach unten gerichtet. Dabei sei unbeabsichtigt der Schuss gefallen. Ein 26-jähriger Mann wurde tödlich getroffen. Die Obduktion ergab, dass das Opfer unter Drogen stand. Die Verlobte des 26-Jährigen bestätigte vor Gericht, dass der Mann häufig unter Drogeneinfluss lange Strecken gelaufen sei und sich dabei auch immer wieder in Waldgebieten aufgehalten habe. Dort habe er auf Hochsitzen auch immer wieder Crystal Meth konsumiert.

Kein Vorsatz zu erkennen

Die Staatsanwaltschaft forderte, das Verfahren an das Landgericht Hof abzugeben. Der Jäger müsste sich dort wegen Totschlags verantworten. Der Richter wies das ab: Er könne keinen Vorsatz bei dem Angeklagten erkennen, man gehe weiter von Fahrlässigkeit aus.

Das öffentliche Interesse an dem Prozess war groß, längst nicht alle Zuhörer fanden im Sitzungssaal des Amtsgerichts einen Platz. Der Angeklagte entschuldigte sich unter Tränen bei den Angehörigen des toten Mannes. Ein Urteil soll am 29. Januar fallen.
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