Schweigen zur Schießerei

Der Angeklagte hatte sich im mit 300 Fahrgästen besetzten Zug der Verhaftung widersetzt. Bild: dpa
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Bayern
27.02.2015
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Für die 300 Fahrgäste des Allgäu Express müssen es Minuten des Schreckens gewesen sein. Eine Polizeikontrolle in dem Zug eskaliert, Dutzende Schüsse fallen. Nun steht der Angeklagte vor Gericht - und sagt nichts.

Ein wegen dreifachen versuchten Polizistenmordes angeklagter 45-Jähriger hat zu Beginn des Prozesses zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Mann steht seit Donnerstag wegen einer wilden Schießerei im Regionalexpress München-Oberstdorf vor dem Landgericht Kempten. Als der Zug am 21. März 2014 durch das Allgäu fuhr, eskalierte eine Routinekontrolle einer Streife der Bundespolizei.

Während die Beamten den 45-Jährigen und dessen zur Fahndung ausgeschriebenen Begleiter (20) aus dem Kreis Fürstenfeldbruck kontrollierten, gingen die beiden laut Anklage auf die Polizisten los und nahmen einem die Pistole ab. Damit soll der 45-Jährige auf die drei Polizisten - ein Beamter des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) war zufällig anwesend - gefeuert haben. Diese schossen mindestens 13 Mal zurück.

In der Bahn kam es zwischen den Polizisten und den beiden Verdächtigen zu regelrechten Verfolgungsjagden. Schließlich sprang der 20-Jährige bei voller Fahrt aus dem Zug, geriet unter die Räder und wurde tödlich verletzt. Der 45-Jährige sprang ebenfalls und überlebte mit schwersten Verletzungen. Auch die beiden Bundespolizisten wurden verletzt, einer wurde von mehreren Kugeln getroffen. Seine kugelsichere Weste rettete ihm möglicherweise das Leben, an den Folgen eines Beinschusses leidet der Beamte bis heute. Die Beamten bemühten sich, die Passagiere so gut es geht zu schützen. Dennoch brach Panik aus, ein Fahrgast zog die Notbremse, einige Mitreisende rannten in den nahen Wald. "Das ging wahnsinnig schnell", schilderte der LKA-Beamte (37) das Geschehen.

Angeklagter wortkarg

Neben dreifachen versuchten Mordes wird dem 45-Jährigen auch eine ganze Reihe weiterer Delikte vorgeworfen. Der Verteidiger des Mannes sagte zu Beginn des Verfahrens, dass sein Mandant wie im Ermittlungsverfahren zu den Vorfällen nichts sagen werde. Der Mann machte nur wortkarg Angaben zu seiner Familiensituation und seinem regelmäßigen Drogenkonsum. Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt.
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