"Spielsucht kein Grund"

Die Branche der privaten Spielhallenbetreiber befürchtet mit Ablauf der Übergangsregelungen 2017 enorme Einbußen. Bild: dpa
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Bayern
29.10.2014
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Die Spielhallenbetreiber befürchten einen "Kahlschlag". Zwischen 50 bis 70 Prozent der 10 000 Arbeitsplätze könnten wegfallen. Doch ob diese spezielle Branche auf das Aufweichen der gesetzlichen Rahmenbedingungen hoffen darf, wird die Zukunft zeigen.

Die Betreiber privater Spielhallen in Bayern verlangen von der Politik gelockerte Regelungen für das von ihnen angebotene Glücksspiel an Automaten. Nach Einschätzung von Andy Meindl, Vorsitzender des bayerischen Automatenverbandes, wird allein das Verbot der Mehrfachkonzession eine Vielzahl an Spielhallenbetreibern "in den Ruin treiben".

Übergangsfrist zu kurz

Gemäß dem seit zwei Jahren gültigen Glücksspielstaatsvertrag darf pro Spielhalle nur noch eine Konzession für zwölf Automaten vergeben werden. Für bestehende Betriebe mit mehreren Konzessionen für ein Haus gilt eine Übergangsfrist bis 2017. In dieser kurzen Zeit ließen sich aber die oft hohen, auf 10 bis 15 Jahre ausgelegten Investitionen in Spielhallen nicht refinanzieren, so der Verbandsvorsitzende.

Er gehe davon aus, dass ohne eine Verlängerung der Übergangsfrist etwa die Hälfte der derzeit rund 21 000 Geldspielgeräte abgebaut werden müsse. Zahlreiche Standorte seien dann nicht mehr rentabel und müssten geschlossen werden. Als nicht nachvollziehbar bezeichnete Meindl die Begründung der Restriktionen mit dem Kampf gegen die Spielsucht. Mit dem Aus für viele Spielhallen drohe die Abwanderung der Kundschaft in die Anonymität des Internets. "Dort gibt es überhaupt keinen Spielerschutz und keine gesellschaftliche Kontrolle". Dabei habe die Automatenbranche zuletzt "ganz große Anstrengungen" zur Bekämpfung der Spielsucht unternommen.

So gebe es nun ein Sozialkonzept, das gezielte Kundenansprache, Jugendschutzkontrolle und Mitarbeiterschulung vorsehe. Außerdem stehe man kurz vor einer Zertifizierung der Betriebe durch den TÜV, die unter anderem eine Mindestanzahl an unangemeldeten und verdeckten Kontrollen vorsehe. "Wir würden uns wünschen, dass auch die Ordnungsämter stärker kontrollieren", so Meindl. Damit ließe sich besser gegen schwarze Schafe sowie gegen unkonzessionierte Hinterzimmer- und Café-Casinos vorgehen.

Als ärgerlich bezeichnete Meindl die vom Gesetzgeber gewährten Privilegien für die staatlichen Spielbanken. Diese seien bei Werbung und Marketing sowie bei Gewinnchancen und Einsatzlimits deutlich besser gestellt. Hintergrund sei wohl die Hoffnung, dass Kunden von den gewerblichen Spielhallen in die staatlichen Casinos abwanderten, um die dort auflaufenden Defizite abzubauen.

Dies sei aber ein Trugschluss, so Meindl. "Die Spielhallen sind nicht schuld am Gewinnrückgang der Casinos." Beide litten vielmehr unter der unreglementierten Konkurrenz im Internet. (Angemerkt)
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