Stadt meldet erstmals seit 1996 eine leichte Zunahme der Bevölkerung
Wunsiedel wächst wieder

Professor Lothar Koppers: "Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht."
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Bayern
17.11.2014
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Es ist ein Hoffnungsschimmer für ganz Nordostbayern: Die Stadt Wunsiedel verzeichnet erstmals seit fast 20 Jahren einen - wenn auch geringen - Bevölkerungszuwachs. Mit 9333 Einwohnern zählt die Festspielstadt zum 31.12.2013 genau 13 mehr als noch ein halbes Jahr zuvor. Damit trägt eine Initiative von Prof. Dr. Lothar Koppers, Direktor des Instituts für angewandte Geoinformatik und Raumanalysen Waldsassen-Dessau (Agira), erste Früchte.

Genügend Arbeitsplätze

Vor rund drei Jahren wurde Koppers in Wunsiedel aktiv. Mit seinem Institut ging er der Frage nach den Ursachen für den Bevölkerungsverlust wissenschaftlich nach. Mehr als 1000 Personen wurden befragt. Das Problem ist demnach nicht der Mangel an Arbeitsplätzen. In Wunsiedel steigen seit dem Jahr 2006 die Jobangebote. Hauptursache für den Bevölkerungsschwund ist das mangelhafte Immobilienangebot, vor allem in der Innenstadt.

Hier setzt die Stadt den Hebel an. Im Jahr 2013 wurde das "Wun-Immobilien Kommunal Unternehmen" gegründet. Mit einem Informationssystem geht es auf die Suche nach Grundstücken und Leerständen, wird der bauliche Zustand überprüft. Eigentümer und Interessenten kommen in Kontakt. "Wenn ein Haus drei bis fünf Jahre leer steht, wird es nicht besser", macht Koppers deutlich.

Positives Beispiel: In einem einst baufälligen Haus befinden sich jetzt Friseur, Zahnarzt und zwei Mietwohnungen. 25 Bewerber gab es hierfür. "Der Bedarf ist also da", stellt Koppers fest. Und die Menschen seien "durchaus bereit, etwas für ihre Wohnung zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt". Mit einem Durchschnittspreis von 3,50 Euro pro Quadratmeter ist Wunsiedel ohnehin sehr günstig. Wichtig für ein zukunftsfähiges Lebensumfeld seien außerdem ein Ausbau des betreuten Wohnens und der Krippenplätze. Die Maßgabe müsse laut Koppers immer lauten: Wie kann ich das Leben vor Ort besser organisieren?

Gründliche Analyse

Koppers ist seit Juli diesen Jahres Mitglied der Enquête-Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern" des Landtags. Das Modell Wunsiedel sei nicht unbedingt übertragbar auf den Rest der Problemregionen in Nordostbayern. Eine gründliche Analyse müsse immer als erstes erarbeitet werden. "Man muss hinschauen: Wo kann ich eingreifen?" In Wunsiedel sei jedenfalls eine Aufbruchstimmung entwickelt worden, freut sich der Demografie-Experte: "Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht."

Wie sich die Bevölkerung in der Oberpfalz voraussichtlich entwickeln wird, erfahren Sie in diesem Artikel.
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