"Tatort" mit neuem Akzent

Die Schauspieler Stefan Merki, Matthias Egersdörfer, Fabian Hinrichs, Eli Wasserscheid und Andreas Leopold Schadt am Sonntag auf dem roten Teppich bei der Premiere des Franken-"Tatorts" in Nürnberg. Bild: dpa
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Bayern
13.04.2015
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Es war neues Terrain für den "Tatort": Am Sonntagabend lief der erste Franken- "Tatort" des Bayerischen Rundfunks: "Der Himmel ist ein Platz auf Erden". War der neue Film "himmlisch" oder einfach nur "irdisch"?

Als echter Krimi-Fan muss man geduldig sein. "Ich habe schon vor zehn Jahren einen Tatort für Franken gefordert. Jetzt ist er endlich da", schmunzelt Markus Söder am Sonntagabend in die Kameras. Klar, dass sich der Heimatminister die Preview, die in zwei Kinosälen im Nürnberger Cinecitta über die Leinwand flimmert, nicht entgehen lässt. Für ihn müsste man den Titel des Tatorts umbenennen in: "Franken ist ein himmlischer Platz zum Sterben." Denn selten sehnte sich eine Stadt so sehr nach einem Mord, meint ein Kinobesucher. Er hat sich zwei der 100 Tickets ergattert, die vom Bayerischen Rundfunk im Vorfeld verteilt wurden. "Ich habe sogar einen Babysitter organisiert, damit meine Frau und ich heute hier sein können", betont der Mann.

Mord nach zwei Minuten

Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Wie gesagt, Krimi-Fans brauchen Geduld. Viele Gäste verbringen erst einmal über eine Stunde in ihren Kinosesseln, bis es losgeht. Grußworte vom BR-Podium aus dem Nebenraum werden eingeblendet. Immer wieder versagt das Mikrofon, die Kamera sucht verzweifelt nach den Sprechern. Zum Glück hält sich Autor und Regisseur Max Färberböck kurz: "Hoffentlich gefällt Ihnen der Film und der rote Teppich ist nach der Aufführung noch da." Der Start ist ein Wechselbad der Gefühle: Nach zwei Minuten der erste Mord; dann eine Polizistin, die bemüht nach ihrem fränkischen Akzent sucht. Und Matthias Egersdörfer, der als Spurensicherer Michael Schatz aus der peinlichen Situation rettet. Er steht vor dem Opfer und erkennt sofort: "Des iss a echdes Waldsterben!"

Gelassen und humorvoll

Und so ist es nun einmal in einem Wald: Meist herrscht Ruhe. Den Zeugen fehlen bei Befragungen oft die Worte. Die Kamerafahrten führen durch unendlich lange Tunnel. Atmosphärisch dicht sind die Nachtaufnahmen von der Burg und der Stadt, die durchaus von Wim Wenders stammen könnten. Wie bringt es Polizeipräsident Dr. Kaiser (toll gespielt von Stefan Merki) auf den Punkt: "Was wir in dieser Stadt nicht schätzen, ist Aufregung - wir wollen Ruhe!" Bedächtig, mit fränkischer Gelassenheit und feinem Humor wird dieser Fall von einem durchaus sympathischen Ermittler-Duo gelöst. Warum der Tatort-Fan, der den Baby-Sitter aufgetrieben hatte, am Ende etwas hektisch geht, um diesen zu Hause abzulösen, ist dann auch klar. Nicht immer sind es Gärtner, die zu Mördern werden könnten ...
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