Tod durch Tropfen

Der Angeklagte soll die K.o.-Tropfen mit zur Party gebracht haben. Ein Konsument starb später. Die Anklage lautet auf Mord. Bild: dpa
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Bayern
04.12.2015
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Der Angeklagte gibt sich reumütig, aber relativiert viele Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Er soll schuld sein, dass ein 27-Jähriger an einer Überdosis K.-o.-Tropfen starb. Ein anderer Konsument überlebte.

Ist jemand ein Mörder, der Drogen mit zu einer Party bringt - und keine Hilfe holt, wenn zwei Konsumenten bewusstlos werden? Die Staatsanwaltschaft sieht das so. Ein 24-Jähriger muss sich daher seit Donnerstag wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Bamberger Landgericht verantworten.

Es ist kurz vor Weihnachten 2014: Ein paar junge Leute feiern in einer Wohnung. Sie haben alle Alkohol intus. Der Angeklagte, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, bringt in einer Plastikflasche die Flüssigkeit Gammabutyrolacton (GBL) mit, auch bekannt als "Liquid Ecstasy" oder K.-o.-Tropfen. Er soll sie auf den Wohnzimmertisch gestellt, aber nicht auf die Gefahren hingewiesen haben. Zwei Männer (24 und 27) trinken aus der Flasche. Sie legen sich aufs Bett, werden bewusstlos.

Angst vor der Polizei

Der Angeklagte soll das bemerkt, aber keine Hilfe geholt haben. "Er nahm ihren Tod billigend in Kauf", heißt es in der Anklage. Er soll Angst vor Problemen mit der Polizei gehabt haben. Erst in den Morgenstunden wird der Notdienst verständigt.

Der Angeklagte entschuldigt sich zunächst bei den Eltern des Opfers, die als Nebenkläger mit im Gerichtssaal sitzen: "Es gibt keine Worte, die umschreiben könnten, wie leid mir dieser Abend tut." Der 24-Jährige kennt sich aus mit Betäubungsmitteln: Mit "elf oder zwölf" Jahren hat er den ersten Alkoholrausch, wie er erzählt, später nimmt er andere Substanzen. Er lebt bei den Eltern. Im Januar 2015 hat er eine Entgiftung und eine Therapie gestartet. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft.

Bei der Schilderung der Tatnacht relativiert der Mann Vorwürfe, macht Gedächtnislücken geltend. Er habe nicht mit gesundheitlichen Problemen gerechnet. Er sei ja selbst oft nach dem Konsum eingeschlafen: "Ich war im Glauben, die Situation ist unter Kontrolle." Er irrte.
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