Tödliche Auftragsarbeit

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Bayern
27.11.2014
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Ein Mord machte im vergangenen Dezember in Coburg Schlagzeilen: Ein 66 Jahre alter Mann wurde zu Hause brutal zusammengeschlagen. Er starb an seinen schweren Verletzungen. Die Tat soll damals seine eigene Freundin eingefädelt haben.

Die 42 Jahre alte Frau muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Coburg wegen des mutmaßlichen Auftragsmordes im Rotlichtmilieu verantworten. Sie soll zwei Killer engagiert haben, um ihren Lebensgefährten aus dem Weg zu schaffen. Der 66-Jährige, der Zimmer an Prostituierte vermietete, erstickte im Dezember 2013 in seinem Haus im Coburger Stadtteil Beiersdorf am eingeatmeten Blut seiner schweren Kopfverletzungen.

Geständnis abgelegt

Die Gastwirtin legte ein Geständnis ab - bestritt aber den Mordauftrag. Es sei nur darum gegangen, ihren Lebensgefährten so zu verletzen, dass er sein Bordell für einige Zeit nicht weiterbetreiben könne. Zwei Männer, die sie aus ihrer Kneipe kannte, hätten ihr angeboten, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. "Ich habe dazu nicht Nein gesagt." Die 23 und 45 Jahre alten Männer sind ebenfalls wegen Mordes angeklagt. Auf der Anklagebank sitzt zudem der Noch-Ehemann der Angeklagten. Er soll die Tat mit geplant haben.

Der Staatsanwalt warf der Frau in seiner Anklage vor, aus Habgier und niedrigen Beweggründen einen Mordauftrag erteilt zu haben. Die Frau, die früher selbst Prostituierte war, habe das Bordell übernehmen wollen, um mit den Einnahmen ihre defizitäre Kneipe weiterbetreiben zu können. Außerdem sei es ihr um das Erbe in Höhe von 20 000 Euro gegangen. Die Angeklagte bestritt das: Von Mord sei nie die Rede gewesen.

Ihr Lebensgefährte habe ihr monatlich 1000 Euro gegeben, um die hohe Miete für ihre Kneipe bezahlen zu können. Im November 2013 habe er jedoch wegen angeblich rückläufiger Einnahmen seines Bordells diese Unterstützung eingestellt. "Er wollte, dass ich die Kneipe aufgebe und wieder als Prostituierte arbeite. Das wollte ich aber nicht", sagte die 42-Jährige.

Aus dem Biker-Milieu

Nach ihrer Darstellung sollte der 66-Jährige außer Gefecht gesetzt werden, weil sie sich selbst ein Bild von den Einnahmen des Bordells machen wollte. "Es wurde nur darüber gesprochen, ihm Arme und Beine zu verstauchen", erklärte sie.

Die mutmaßlichen Auftragsmörder wollten sich zu Beginn des Prozesses nicht zu den Vorwürfen äußern. Sie machten nur Angaben zur Person: Der 23-Jährige gehörte als Jugendlicher der rechten Szene an. Er ist in der Vorstandschaft eines Motorradclubs namens "Bad 7". Was der Club genau macht, wollte er dem Richter nicht sagen. Auch der zweite mutmaßliche Auftragsmörder ist Mitglied des Motorradclubs.

Die 42-Jährige hatte die Polizei vor gut einem Jahr noch selbst verständigt und angegeben, ihr Freund liege leblos in der Wohnung. "Es war furchtbar, wie es dort aussah", schilderte sie unter Tränen, verstrickte sich aber mehrmals in Widersprüche. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Ein Urteil wird im Dezember erwartet.
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