Tödliche Entscheidungen im OP

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Bayern
10.07.2015
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Am Klinikum Bayreuth haben Chirurgen in den vergangenen Jahren eine neue und vor allem teure Implantationsmethode für Herzklappen auffallend häufig angewandt. Mehrere Patienten starben. Nun muss der Chefarzt gehen.

Im Skandal um die mutmaßlichen Fehlbehandlungen am Klinikum Bayreuth muss nun auch der Chefarzt der Kardiologie seinen Hut nehmen. Aufsichtsrat und Zweckverband hatten entschieden, das Arbeitsverhältnis mit dem Mediziner zu beenden, wie das Klinikum am Donnerstag mitteilte. Aus dem Bericht einer Expertenkommission hätten sich "erhebliche Verdachtsmomente" ergeben, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr zuließen.

Keine Notwendigkeit

Den Gutachtern zufolge wurden in der Klinik zwischen Oktober 2009 und April 2013 immer wieder künstliche Herzklappen mit einer neuen und teuren Methode implantiert, obwohl eine herkömmliche Operationsmethode ausreichend gewesen wäre. Zwei dieser Patienten starben. Bei zwei anderen Patienten wurden Herzklappen implantiert, obwohl es dafür überhaupt keine medizinische Notwendigkeit gab; einer der beiden überlebte den Eingriff nicht.

In einem weiteren Fall wurde eine sogenannte TAVI-Implantation gegen den ausdrücklichen Rat der Gefäßchirurgie durchgeführt. Die Folge sei eine "schwer beherrschbare Gefäßkomplikation" gewesen. Dem Gutachten zufolge erhielten am Klinikum Bayreuth außerdem auffällig viele TAVI-Patienten einen Herzschrittmacher. Eine Klinik-Sprecherin wollte das Ergebnis des neuen Gutachtens am Donnerstag nicht kommentieren.

Zählte nur das Geld?

Ob dies alles aus reinem Profitstreben geschah, oder um die TAVI-Prothesen am Klinikum Bayreuth zu etablieren, klärt das Gutachten nicht. Die Experten betonen in ihrer Zusammenfassung ausdrücklich, dies sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich und auch nicht Teil der Analyse gewesen. Im vergangenen Sommer hatte ein "Spiegel"-Bericht mutmaßliche Mängel in dem Krankenhaus aufgelistet. Dazu gehörte auch der Vorwurf, Patienten seien länger als nötig beatmet worden, um mehr Geld einzunehmen.

Danach wurde der Krankenhaus-Geschäftsführer von seinen Aufgaben freigestellt. Später kamen Experten zu dem Ergebnis, dass es keinen Beweis für vorsätzliche und finanziell motivierte Manipulationen bei der Beatmungsdauer gegeben habe.

Das jetzt vorliegende 50-seitige Kardiologie-Gutachten bescheinigt der Klinik "erhebliche Probleme" in der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Fachabteilungen. Von mangelhaften Dokumentationen ist die Rede, wodurch sich getroffene Entscheidungen häufig nicht durchgehend nachvollziehen ließen.
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