Tote Babys: Mutter schweigt

Rechtsanwalt Jürgen Schmidt versucht die weinende Angeklagte zu beruhigen. Die Frau muss sich wegen zweifachen Mordes verantworten. Bild: dpa
Archiv
Bayern
30.10.2014
23
0

Im Herbst 2013 kommen bei Erdarbeiten in Oberfranken zwei verweste Babyleichen zum Vorschein. Wenig später wird die Mutter verhaftet. Sie muss sich jetzt wegen Doppelmordes vor Gericht verantworten.

Rund 25 Jahre nach dem Tod zweier Säuglinge in Bad Alexandersbad steht seit Mittwoch die Mutter vor Gericht. Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Hof äußerte sich die 53-Jährige nicht zu den Vorwürfen. Sie ist wegen zweifachen Mordes angeklagt.

Umringt von zahlreichen Fotografen betrat die Frau den Schwurgerichtssaal. Sie soll das Mädchen und den Jungen in der eigenen Wohnung auf der Toilette zur Welt gebracht und danach unversorgt im WC-Becken zurückgelassen haben. Als die Neugeborenen keine Regung mehr zeigten, habe die Frau sie zuerst in Plastiktüten gewickelt, dann in einen Schrank gelegt und später im Garten vergraben, sagte der Oberstaatsanwalt. Die stark verwesten Babyleichen waren vor einem Jahr in dem Ort im Landkreis Wunsiedel zufällig bei Bauarbeiten entdeckt worden.

Die Staatsanwaltschaft geht von niedrigen Beweggründen als Motiv aus: Die Frau, von Beruf Hauswirtschafterin, sei bereits Mutter von vier Kindern gewesen. Die 53-Jährige habe Angst vor dem Gerede der Leute gehabt und die finanzielle Mehrbelastung durch weitere Kinder nicht hinnehmen wollen. Sie sitzt seit November 2013 in Untersuchungshaft.

Vernehmung unter Druck

Verteidiger Jürgen Schmidt kritisierte die Vernehmung seiner Mandantin kurz nach der Verhaftung. Sie sei nicht ausreichend über ihre Rechte informiert worden. Das Protokoll habe die Frau nach einer langen Reise übermüdet und unter Druck unterschrieben, ohne es verstanden zu haben. Schmidt sprach von "unzulässiger psychischer Einflussnahme". Er beantragte, die Aussagen nicht zu verwerten.

Ein Sachverständiger berichtete als erster Zeuge über die "schwierige Kindheit" der Angeklagten, die dabei in Tränen ausbrach. Ihr Stiefvater trank oft. Auch zu Gewalttätigkeiten gegen sie und ihre Mutter soll es gekommen sein. Das Eheleben der Frau schilderte der Experte dagegen als normal. Die 53-Jährige und ihr Mann seien beide berufstätig gewesen. Der Familie ging es finanziell gut. Der Prozess soll am 3. November fortgesetzt werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.