Trauer um stillen Beckenbauer

Stephan Beckenbauer war mit seiner Rolle als Jugendtrainer und Co-Trainer der U23 des FC Bayern München vollauf zufrieden. In der Nacht zum Samstag erlag er seinem Hirntumor. Bild: dpa
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Bayern
03.08.2015
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Den Vergleichen mit Fußball-Über-Vater konnte Stephan Beckenbauer nicht standhalten - nach einer mittelmäßigen Profikarriere fand er seine Nische in der Jugendarbeit beim FC Bayern. Nun ist der Sohn von "Kaiser" Franz Beckenbauer mit nur 46 Jahren gestorben.

In der Nachwuchsarbeit trainierte der kurzzeitige Bundesliga-Profi beim FC Bayern München Talente wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller - und formte damit Weltmeister. In der Nacht zum Samstag ist Stephan Beckenbauer (46) nach langer, schwerer Krankheit gestorben, wie die Familie gemeinsam mit den Bayern mitteilte. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

Blatter trauert mit

Die Nachricht vom Tod Beckenbauers sorgte für einen Schock in München - aber nicht nur dort. "Tief betroffen vom frühen Tod von Stephan Beckenbauer", schrieb Fifa-Präsident Sepp Blatter bei Twitter. "Meine Gedanken sind bei meinem Freund Franz und seiner Familie." Auch Schweinsteiger postete in den sozialen Netzwerken: "Die Nachricht über den Tod meines Jugendtrainers Stephan Beckenbauer macht mich sehr traurig. Mit meinen Gedanken bin ich bei seiner Familie."

Der FC Bayern lief beim Supercup am Samstagabend in Wolfsburg mit Trauerflor auf, "aus Respekt", wie Torwart Manuel Neuer sagte. An der Säbener Straße war Beckenbauer seit seinem Karriereende 1997 in der Nachwuchs-Ausbildung aktiv, bis 2012 leitete er die U17 - und prägte damit eine ganze Fußballer-Generation mit: Von Michael Rensing und Andreas Ottl bis zu Holger Badstuber und Mats Hummels - alle wurden von Beckenbauer trainiert.

In der Jugendarbeit fand der Familienvater sein fußballerisches Glück, vor acht Jahren kam noch ein kurzes Intermezzo als Co-Trainer von Hermann Gerland in der zweiten Bayern-Mannschaft dazu. "Ich bin absolut zufrieden und kann mir vorstellen, das noch ein paar Jahre weiter zu machen", hatte er der "Süddeutschen Zeitung" noch 2010 gesagt. Eine Karriere als Profi-Trainer strebte er nicht an - kein Wunder, dann wäre er wieder der Sohn des Trainer-Weltmeisters Franz Beckenbauer gewesen. "Ich bin froh, in die Stadt gehen zu können und nicht alle drei Meter angesprochen zu werden", sagte er.

Aktiv in zweiter Reihe

Als Aktiver war ihm eine Laufbahn wie vielen seiner Schützlinge verwehrt geblieben. Beckenbauer lief in der Bundesliga für den 1. FC Saarbrücken auf, spielte für 1860 München und die Bayern-Amateure in unteren Ligen. "Mit unseren Gedanken sind wir bei seiner Familie und seinen Freunden", schrieb der aktuelle Regionalligist aus Saarbrücken bei Facebook. Die Münchner "Löwen" zeigten vor der Zweitliga-Partie am Samstag gegen Freiburg ein Bild Beckenbauers auf den zwei Videoleinwänden der Allianz-Arena.

Er habe schon "immer nur Fußball spielen" wollen und sei bewusst "in denselben Bereich" wie sein Vater gegangen, sagte Stephan Beckenbauer der "SZ". Seine zwei Brüder Michael und Thomas wählten andere Berufe - und mussten sich daher auch nicht dem Vergleich mit dem Vater stellen.
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