Unappetitliche Details

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Bayern
10.08.2015
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Alte Ware, gefälschte Haltbarkeitsdaten, Salmonellen-Verdacht: Das niederbayerische Unternehmen Bayern-Ei kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt haben die Behörden Konsequenzen gezogen. Denn die Staatsanwaltschaft ist auf unappetitliche Details gestoßen.

Das unter Salmonellen-Verdacht stehende Unternehmen Bayern-Ei darf vorläufig keine Eier mehr verkaufen. Das teilte die Regierung von Niederbayern in der Nacht zum Samstag in Landshut mit. Das Verbot sei am Freitagabend von den Lebensmittelüberwachern der Landratsämter in Abstimmung mit dem Verbraucherschutzministerium in München verhängt worden.

Der Betrieb, der auch exportierte, musste zuletzt Ende Juli wegen des Verdachts auf Salmonellen Eier zurückrufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Ermittlungen, weil das Unternehmen für einen Salmonellen-Ausbruch im Sommer 2014 in Europa mit zwei Toten und Hunderten Erkrankten verantwortlich gewesen sein könnte. Betroffen von der Krankheitswelle waren besonders Großbritannien und Österreich. Nach dem Rückruf hatten SPD und Grüne die sofortige Schließung des Betriebs gefordert. Bereits zuvor war der Salmonellen-Skandal auch Thema im Landtag. Das nun ausgesprochene Verkaufsverbot gelte für die am Unternehmenssitz Aiterhofen (Kreis Straubing-Bogen) sowie in Aholming-Tabertshausen (Kreis Deggendorf) produzierten Eier, berichtete die Regierungsbehörde. Am dritten Standort Wallersdorf-Ettling (Landkreis Dingolfing-Landau) werden momentan keine Eier produziert.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen Verantwortliche des Betriebs wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Lebensmittelrecht und Tierquälerei. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass das Unternehmen zurückgegebene Ware neu verpackt habe und das Mindesthaltbarkeitsdatum verlängert worden sei, wie die Regierung weiter berichtete.

Die Landtagsfraktion der SPD verlangte am Samstag umfassende Aufklärung von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). "Die bisherigen dürren Erklärungen reichen nicht", sagte SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn. "Die Umweltministerin muss jetzt sagen, ob durch Manipulationen von Verpackungen und Mindesthaltbarkeitsdaten Salmonellen-infizierte Eier in den Umlauf gekommen sind!" Es sei zu befürchten, dass das Unternehmen in den letzten Monaten Sperren wegen Salmonellen-Belastungen missachtet haben könnte.

Scharf selbst wies hingegen erneut die Kritik einer unzureichenden Überwachung des Eier-Produzenten zurück. Die Behörden hätten "schnell und konsequent zum Schutz der Verbraucher reagiert". Die Staatsanwaltschaft werde die Vorfälle nun vollständig aufklären. Bei dem Unternehmen Bayern-Ei war am Wochenende niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. (Angemerkt)
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