Unappetitliches unter der Lupe

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Bayern
08.07.2015
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Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat 2014 zahlreiche Verstöße gegen Hygiene- und Kennzeichnungsrichtlinien bei Lebensmitteln entdeckt. Der Opposition im Landtag fehlt allerdings ein ganz spezieller Fall.

Knapp 68 000 Proben nahmen die Ermittler, davon wurden mehr als 5400 beanstandet - rund 8 Prozent. Die Zahl gesundheitsgefährdender Proben lag allerdings nur bei 182 (0,2 Prozent), die Hälfte davon betraf Fleischprodukte. Daneben gab es 4190 Beanstandungen wegen der Beschaffenheit eines Lebensmittels und mehr als 2500 wegen falscher oder irreführender Kennzeichnung. LGL-Präsident Andreas Zapf betonte allerdings, die Ergebnisse seien nicht repräsentativ für ganz Bayern, da die Proben vorwiegend verdachts- und risikoorientiert genommen würden.

"Schönwetterbericht"

Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn warf Zapf vor, brisante Testergebnisse in dem Bericht zu unterschlagen. So sei der Salmonellen-Skandal bei der Firma Bayern-Ei mit keiner Silbe erwähnt. "Der Bericht ist der gedruckte Beleg dafür, dass der Salmonellen-Fall nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollte", sagte von Brunn. Rosi Steinberger (Grüne) sprach von einem "Schönwetterbericht". Das LGL prüfe zu viel Unnötiges. So stünden 5360 Weinproben nur rund 2000 bei Fleisch gegenüber. Und statt auf die Salmonellen-Eier einzugehen, habe das LGL lieber den korrekten Schoko-Anteil in Stracciatella-Eis untersucht.

Besonders unter die Lupe genommen haben die LGL-Prüfer Biergärten und Volksfeste. Insgesamt wurden dort 127 Proben von typischen Brotzeiten wie Käse, Fisch oder Wurst genommen, nur drei davon wurden wegen "beginnendem Verderb" beanstandet.

Strahlende Reste

Weiter rückläufig ist nach den Messungen des LGL die Belastung mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln. Von 2390 entnommenen Proben überschritten 60 die geltenden Grenzwerte, bei fast 1500 konnten Rückstände in geringen Mengen nachgewiesen werden. Besonders gut schnitten Bio-Produkte ab. 90 Prozent waren völlig rückstandsfrei. Auch 30 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl seien Wildfleisch und Wildpilze weiterhin zum Teil erheblich radioaktiv belastet, heißt es im Bericht. Besonders hohe Werte wurden - regional unterschiedlich - bei Wildschweinen, Maronen und Pfifferlingen gemessen.
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