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Trotz der Sichtung eines Wolfes in Niederbayern gehen Naturschützer nicht von einer Ansiedlung des Tieres im Freistaat aus. Archivbild: dpa
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Bayern
05.03.2015
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Wieder streift ein einsamer Wolf durch Bayern. Und schon schlagen die Wogen hoch. Während sich Almbauern um ihre Schafe sorgen, fordern Naturschützer mehr Akzeptanz für das Raubtier.

Fast reglos steht der Wolf auf dem Feld in Niederbayern. Nur wenige 100 Meter von einem Wohnhaus in Unterdietfurt (Kreis Rottal-Inn) entfernt, verharrt das scheue Raubtier und zieht dann weiter. Die Anwohnerin machte am vergangenen Wochenende ein Foto - und das Bayerische Landesamt für Umwelt bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt.

220 Tiere in Deutschland

Sofort sind die Almbauern aufgeschreckt. "Bei einer Wolfsmeldung sind wir sofort in Alarmbereitschaft", sagte am Mittwoch der Vorsitzende der Schafhaltervereinigung Rosenheim, Roland Kirr. Mitte April bringt er seine Herden auf die Weiden und schützt sie mit einem Elektrozaun. "Aber der Wolf ist ein schlaues Tier. Er kriecht entweder drunter her oder springt drüber", sagt der 38-Jährige. Höhere Zäune seien für die bergigen Almen nicht praktisch. Von Ansiedlungsanreizen für das Raubtier hält er nichts. "Wir können ganz gut ohne den Wolf, müssen uns aber mit ihm arrangieren, wenn er kommt."

Der Bayerische Jagdverband (BJV) rechnet damit, dass immer wieder Wölfe in Bayern auftauchen. Auf der Suche nach einem neuen Revier legten sie oft nachweislich mehrere 100 Kilometern zurück, erläutert der Naturschutzbeauftragte des BJV, Eric Imm. "Ihr Weg ins Blaue führt sie unter anderen auch nach Bayern. Sie können auf der Durchreise überall auftauchen." Den Jägern sind aber die Hände gebunden: Der Wolf ist in Europa streng geschützt. Er darf nicht abgeschossen werden, und sogar Umsiedeln oder Verjagen ist in aller Regel nicht erlaubt.

Etwa 220 Wölfe leben nach Angaben von Naturschützern inzwischen in Deutschland, zumeist in Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dass es seit mehr als zehn Jahren keine gesicherten Wolfsnachweise etwa im Bayerischen Wald gibt, liege auch an dem Wanderverhalten der Wölfe, erläutert Wildtierexperte Marco Heurich vom Nationalpark Bayerischer Wald. "Wölfe aus Osteuropa bevorzugen eher das flache Land. Und von Italien aus ist die Strecke in den Bayerischen Wald wohl zu weit." Zudem gebe es dort eine geringe Wilddichte, was die Region für sie weniger attraktiv mache. "Der Wolf meidet den direkten Kontakt mit dem Menschen", erklärt der Wildtierexperte, "Begegnungen sind daher ausgesprochen selten und, wenn man die Tiere nicht reizt und sich ruhig zurückzieht, in aller Regel ungefährlich."

"Lobby gegen den Wolf"

Vor Jahren hatte Bayern einen Wolfs-Management-Plan auf den Weg gebracht, der Schutzmaßnahmen für Schafe und Entschädigungen für Bauern regeln soll. Viele Almbauern und Schafbesitzer sind aber der Meinung, dass der Wolf nicht nach Bayern gehört. "Die Lobby gegen den Wolf in Bayern ist groß, es gibt keine Akzeptanz für das Tier", sagt die Artenschutzbeauftragte vom Bund für Naturschutz in Bayern, Christine Margraf. Dabei sei Bayern grundsätzlich "Wolfserwartungsland". "Die bayerischen Almbauern lehnen aber Vorsorgemaßnahmen wie speziell ausgebildete Herdenschutzhunde ab", betont Margraf.

Solche Herdenschutzhunde stellen für Schafhalter Kirr aber eine Gefahr für Spaziergänger und Anwohner dar. "Ein Jogger oder Wanderer, der der Herde zu nahe kommt, ist ein Eindringling für den Hund", betont er.
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