Ungewöhnlicher Prozess in Ingolstadt: Mann erschossen, Anklage aber nur wegen versuchten ...
Schläge gegen den Kopf des Sterbenden

Ein Leichenwagen in einer Wohnsiedlung in Ingolstadt. Hier wurde im September 2013 ein Mann auf offener Straße erschossen. Archivbild: dpa
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Bayern
15.09.2015
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Das kommt nicht alle Tage vor: Ein Mann wird bei einer Rauferei auf offener Straße in Ingolstadt erschossen, doch vor Gericht verantworten muss sich der mutmaßliche Täter von Donnerstag an nur wegen versuchten Totschlags. Denn der tödliche Schuss aus der Pistole des Opfers löste sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft versehentlich. Außerdem geht die Anklagebehörde von Notwehr aus.

Warum es dennoch zum Prozess kommt: Der zur Tatzeit 45-Jährige schlug seinem bereits am Boden liegenden sterbenden Kontrahenten die Waffe nach dem unbeabsichtigten Schuss laut Anklage auch noch an den Kopf. Da der 50-Jährige dem Obduktionsergebnis nach an der Schussverletzung in den Oberkörper starb, dies seinem Kontrahenten aber nicht zur Last gelegt werden kann, lautet die Anklage vor dem Landgericht Ingolstadt lediglich auf versuchten Totschlag wegen der Schläge.

Täter und Opfer kannten sich vom Kickboxen. In der Nacht zum 3. September 2013 gerieten beide aneinander. Der Streit mündete in einer Rauferei, in deren Folge der 50-Jährige wohl die Waffe zog. Beim Versuch des Angeklagten, dem Bekannten die Pistole zu entreißen, löste sich ein Schuss. Im Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Ingolstadt werden zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört. Das Urteil soll nach elf Verhandlungstagen am 24. November verkündet werden.

Das Verbrechen an jenem Septembertag vor zwei Jahren war Teil einer Serie von Gewalttaten, die Ingolstadt in kurzer Zeit erschütterten. Im August 2013 hatte ein junger Mann im Rathaus mehrere Menschen stundenlang als Geiseln genommen. Erst ein Sondereinsatzkommando der Polizei beendete das Geiseldrama. Eine Woche nach der jetzt angeklagten Tat wurde ein junger Obdachloser erschlagen vor einem Wohnhaus gefunden. Ein 18-Jähriger wurde als Täter gefasst, ist wegen einer seelischen Krankheit aber schuldunfähig. Im Oktober 2013 erschoss ein 43-Jähriger den Ex-Mann seiner Ehefrau und erschoss sich wenig später im Ingolstädter Polizeirevier selbst.
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