"Uran muss in der Erde bleiben"

Hans Schuierer. Bild: Orla Connolly
Archiv
Bayern
20.10.2014
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Sie stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, Japan, Kamerun oder aus der Oberpfalz. Doch so unterschiedlich die Preisträger des "Nuclear-Free Future Award" auch sind, ihr Engagement und ihre Botschaft sind gleich.

"Uran muss in der Erde bleiben. Nur so wird der Atomwirtschaft weltweit die Grundlage entzogen." Gemäß diesem Motto sind in München unter anderem zwei Oberpfälzer für ihr Lebenswerk mit dem "Anti-Atom-Preis" geehrt worden. Der Preis ging an den Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer (83) und an den in Weiden geborenen Strahlenmediziner Professor Edmund Lengfelder (71).

Wertefeste Preisträger

Die Auszeichnungen werden von der seit 1998 bestehenden Franz-Moll-Stiftung weltweit vergeben. Als Laudator hatte die Stiftung mit dem Journalisten und Autor Dr. Heribert Prantl einen Mann eingeladen, der in seiner Rede die beiden neuen Preisträger sehr subtil beschrieb. Der Ressortleiter Innenpolitik der "Süddeutschen Zeitung" sagte: "Sie sind traditionsverwurzelte, wertefeste und also atomkritische Männer."

"Sturheit sagt man den Oberpfälzern nach", sagte Prantl, selbst ein Oberpfälzer, in seiner Laudatio. "Das ist nicht ganz richtig - sie sind nachhaltig." Der SZ-Journalist erinnerte im Alten Münchener Rathaus daran, wie sich Schuierer seinerzeit gegen den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage bei Wackersdorf stemmte und ließ tiefen Respekt erkennen vor dessen Unbeugsamkeit, als er unterstrich: "Man versuchte, diesen Mann mit Klagen zu disziplinieren, wollte ihn als Landrat politisch entmündigen." Während seines WAA-Widerstands hatte Schwandorfs Altlandrat nicht selten zu markigen Formulierungen gegriffen, als es um die damals von Franz Josef Strauß geführte Staatsregierung ging.

Der Politiker sprach von "Ein-Mann-Demokratie straußscher Prägung" und von "Großmannssucht der CSU-Demokratur". Das wurde ihm tief verübelt. Richter hielten das später zwar für "ehrverletzend", sie sahen jedoch von jeglicher Ahndung ab und legten die "ansonsten untadelige Amtsführung" des SPD-Politikers zugrunde. Schließlich sei sogar mit der heute noch so genannten "Lex Schuierer" eine Grundlage für das "Selbsteintrittsrecht" des Staates geschaffen worden. Doch Schuierer habe seinen Widerstand bis zum Baustopp für die WAA im Jahr 1989 unerschüttert fortgesetzt.

100 000 Menschen behandelt

Auch Professor Edmund Lengfelder sei ein "Pionier des Ausstiegs aus der Atomkraft", würdigte Prantl die Arbeit des 71-Jährigen. Lengfelder habe einen deutschen Verband der Tschernobyl-Hilfe gegründet, habe sich in Gomel, der Hauptstadt der am meisten kontaminierten Region in Weißrussland, mit örtlichen Ärzten um weit über 100 000 Kinder und Erwachsene gekümmert, die nach der Reaktorkatastrophe an der Schilddrüse erkrankten. "An den Atomausstieg in Deutschland glaubt er erst, wenn das letzte Kraftwerk abgeschaltet ist", fügte Prantl hinzu und zitierte einen Satz des Strahlenbiologen: "Die Stimme zu erheben, das halte ich für die wichtigste Aufgabe meines Daseins." Aus eigener Sicht ergänzte der aus Nittenau stammende Laudator: "Selig sind die Unruhegeister und die Widerständler. Denn sie werden uns die Heimat erhalten."
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