"Uwe" völlig losgelöst

Studenten setzen im Testlabor der Uni Würzburg den Kleinsatelliten "Uwe-3" in den Auswurf-Mechanismus ein. In wenigen Monaten wird der kleine Würfel mit einer russischen Rakete ins All geschossen, wo er monatelang um die Erde kreisen und seinen Orientierungssinn beweisen soll. Bild: dpa
Archiv
Bayern
02.11.2015
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"Uwe-1" war ein wichtiger Schritt in der Weltraumforschung. Der kleine Forschungswürfel aus Würzburg war 2005 der erste deutsche Pico-Satellit im Orbit. Mittlerweile gibt es viele Mitspieler in diesem Forschungsbereich.

Ein kleiner Satellit in Würfelform schreibt seit einem Jahrzehnt Weltraumgeschichte. An der Universität Würzburg entwickelt, startete "Uwe-1" im Herbst 2005 als erster deutscher Pico-Satellit mit einer russischen Trägerrakete ins All. Seine Mission: via Internet im All zuverlässig Signale an die Würzburger Bodenstation senden und das Experimenten optimieren.

Internet im Weltraum

"Internet im Weltraum ist heute ein Riesenthema. Mit ,Uwe' waren wir vor zehn Jahren schon dort mit dabei", erklärt Projektleiter Klaus Schilling. Der Professor am Lehrstuhl für Informatik und seine Studenten haben die Grundsteine dafür mitgelegt. "Vor zehn Jahren waren das noch Studentensatelliten, heute sind es fast schon kommerzielle Produkte", sagt Schilling. "Wir sind dankbar, dass wir da mitmachen und Beiträge einbringen konnten."

Seit dem Start von "Uwe-1", das steht übrigens für "Universität-Würzburg-Experimentalsatellit", hat die Uni bereits zwei weitere Satelliten in den Orbit gebracht. Der letzte startete im November 2013 - "Uwe-3". "Der scheint das ewige Leben geschluckt zu haben, er funktioniert noch immer perfekt, obwohl wir von nur drei Monaten Betriebszeit ausgingen", sagt Schilling.

Während die erste Generation des Würfels mit einer Kantenlänge von gerade einmal zehn Zentimetern noch das Internet im All erforschte, brachte der zweite Erkenntnisse zur Lagebestimmung von Satelliten. Der Vertreter der neuen Generation verändert nun gezielt seine Lage. Ziel ist, dass künftig mehrere Satelliten im All selbstständig zusammenarbeiten.

Für die Studenten haben die kleinen Satelliten den Vorteil, dass sie im Kleinen alle wichtigen Bereiche der Satelliten-Forschung praktisch erfahren. "In den vergangenen zehn Jahren haben rund 600 Studenten im Space-Master-Programm studiert und im 'Uwe'-Projekt mitgeforscht, zwölf Doktorarbeiten sind entstanden - da stecken viel Schweiß, unbezahlte Überstunden, aber auch mehrere Millionen Euro Fördergelder drin", fasst Schilling zusammen.

Dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zufolge hat Schilling einen großen Anteil daran, dass mit den Pico-Satelliten eine aktive Lern- und Ausbildungsmethode für die Studenten geschaffen wurde. "Heute ist das ja weltweiter Trend, dass Ingenieurstudenten am praktischen Beispiel üben", sagt DLR-Kleinsatelliten-Experte Christian Nitschke. Doch in der Forschung spielen die größeren Nano-Satelliten eine wichtigere Rolle. Auch, weil sie mehr Nutzlast ins All fliegen können.

Im Weltall fliegen der DLR zufolge mehr als 100 Pico-Satelliten um die Erde. Auch "Uwe-1" kreist noch, doch er funkt längst nicht mehr. Schilling: "Seine Geschwindigkeit wird durch die Atmosphäre weiter abgebremst, in vermutlich 15 Jahren wird er als Sternschnuppe abstürzen und dabei komplett verglühen."
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