Verteidigung schießt zurück

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Bayern
17.09.2015
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Dreimal soll er mit einer Waffe mutwillig auf arglose Autofahrer gefeuert haben, nun steht er vor Gericht. Zum Prozessbeginn macht der mutmaßliche Heckenschütze zwar keine Aussage, gerät aber durch ein mögliches Beweisstück in Bedrängnis.

Eine Reihe von Anträgen der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft haben den Nürnberger Heckenschützen-Prozess bereits zu Beginn ins Stocken gebracht. Schon wenige Stunden nach dem Start wurde der Prozess gegen den 50 Jahre alten Angeschuldigten am Mittwoch unterbrochen. Die Anwälte hatten mehrere "schwerwiegende" Verfahrensfehler beanstandet.

Unzureichend aufgeklärt

Ihr Mandant sei etwa bei der Festnahme und Vernehmung im Vorfeld seiner Aussagen nicht ausreichend über seine Rechte informiert worden, beklagte die Verteidigung. Auch bei der Zeugenbefragung der Lebensgefährtin sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen, sagte der Anwalt des Mannes vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Staatsanwaltschaft brachte den des dreifachen versuchten Mordes bezichtigten Mann mit Hilfe von vier Zetteln in Erklärungsnot. Laut Anklage sind diese, vor wenigen Tagen bei ihm in der Zelle gefundenen Schriftstücke ein Indiz dafür, dass er Zeugen habe beeinflussen wollen. Ob sie als Beweisstücke im Prozess dienen, muss noch entschieden werden.

Der von der Staatsanwaltschaft als Waffennarr beschriebene Angeklagte äußerte sich während des ersten Prozesstages nicht und zeigte bei der Verlesung der Anklage keinerlei Regung. "Er ist angesichts des bisherigen Verlaufes des Verfahrens sehr aufgeregt. Die Vorwürfe sind sehr mächtig. Ich bin aber weiterhin davon überzeugt, dass sie nicht zutreffend sind", sagte sein Anwalt.

Der Angeklagte soll aus seiner Nürnberger Wohnung heraus Autos in rund 100 Metern Entfernung beschossen haben. Den Tod der Insassen - so der Vorwurf - habe der Rechtsanwalt in Kauf genommen. Außerdem soll er auf Verkehrsschilder, Bordsteine, Autoreifen und parkende Autos in einem angrenzenden Wohngebiet gefeuert haben.

Motiv ungeklärt

Dem verheirateten Nürnberger droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Sein Motiv ist unklar. Weiter offen ist auch, ob er voll schuldfähig ist. Hierzu soll noch ein Gutachter befragt werden. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Insgesamt sind bislang neun weitere Prozesstage angesetzt. Das Urteil soll am 13. Oktober fallen.
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