Vorher wissen, wo was passiert

Leitender Kriminaldirektor Karl Geyer stellt im Polizeipräsidium in Nürnberg eine neuen Software vor, die Einbrüche vorhersagen können soll. Die bayerische Polizei testet dieses Programm seit kurzem. Bild: dpa
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Bayern
10.11.2014
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Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Mit Hilfe einer Software will die Polizei zukünftig in Bayern Einbrüche vorhersehen und verhindern. Datenschützer sind alarmiert.

Es ist vermutlich der Traum eines jeden Polizisten: Verbrechen voraussagen. Bei Wohnungseinbrüchen könnte das vielleicht sogar irgendwann klappen. Bayern testet seit kurzem als erstes deutsches Bundesland in München und Nürnberg eine Software, die Einbrüche vorhersagen können soll. In Zürich gingen mit dem Programm die Einbruchsfälle um 14 Prozent zurück. In manchen Gebieten sogar um 30 Prozent.

Zurück an den Tatort

Entwickler und Ermittler machen sich dabei eine Erkenntnis zunutze: In bestimmten Regionen häufen sich Einbrüche mit einem ganz speziellen Muster: "Zwei Einbrüche innerhalb von einem Radius von 300 bis 500 Metern und innerhalb von sieben Tagen", erklärt der leitende Kriminaldirektor in Nürnberg, Karl Geyer. Daten von mehreren tausend Einbrüchen in den vergangenen sieben Jahren wurden in die Prognosesoftware "Precobs" eingepflegt. Verzeichnet sind der genaue Tatort, die Tatzeit, Beute und Begehungsweise.

Professionelle Einbrecher gehen nach einem bestimmten Muster vor. Sie wollen schnell drin und schnell wieder weg sein. Meist klauen sie Schmuck oder Bargeld. Und: "Der Täter kehrt an Tatorte zurück, wo er sich auskennt, wo etwas zu holen ist, wo er die Fluchtwege kennt und wo er Erfolg hatte", sagt Geyer. Nur diese Einbrüche können mit Hilfe von "Precobs" vorhergesagt werden. Beziehungs- oder Gelegenheitstaten sowie Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen fallen durch. "Wir verlassen uns nicht blind auf das System", betont Geyer jedoch. Jeder Alarm werde von einem erfahrenen Beamten geprüft. Und erst wenn dieser ihn als relevant erkennt, wird entschieden, ob die Polizeipräsenz in diesem Gebiet erhöht wird.

Sechs Monate Probe

Der Probebetrieb soll sechs Monate laufen. Danach muss die Politik entscheiden, ob die Software weiter verwendet wird. Er könne sich aber kaum vorstellen, dass sie abgelehnt wird, sagte Geyer. Datenschutzrechtliche Probleme sieht er nicht: "Es werden nur anonymisierte Daten erfasst - also weder Opfer- noch Täterdaten." Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, will die Software trotzdem genauer untersuchen. Der Datenschutz-Aktivist Matthias Monroy hält diese neuen Überwachungsmethoden für sehr problematisch. "Denn wie bei einem Suchergebnis von Google hält der Anwender das Ergebnis für wahr." Die Polizei kontrolliere Menschen, "weil eine Software das bestimmt". Skepsis sei bei neuen digitalen Ermittlungswerkzeugen immer angebracht: "Die Erfahrung hat gezeigt, dass sie immer aufgebohrt und erweitert werden, wenn es sie erst einmal gibt." (Seite 19)
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