Vorwurf versuchter Mord: Fußballfan wegen Randale in Nürnberger U-Bahn vor Gericht
Feuerlöscher als gefährliches Geschoss

Der wegen versuchten Mordes angeklagte Fußballfan zu Prozessbeginn zwischen seinen Verteidigern. Bild: dpa
Archiv
Bayern
08.07.2015
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Mit hochgezogenen Schultern, das Gesicht hinter einer blauen Aktenmappe versteckt, betritt der 24-Jährige den Gerichtssaal. Der Fußball-Fan soll einen Feuerlöscher auf eine entgegenkommende U-Bahn geworfen haben - dessen Fahrerin erlitt dabei durch die zersplitternde Frontscheibe schwere Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten deshalb versuchten Mord vor.

Blass und zusammengesunken sitzt der junge Mann am Dienstag zwischen seinen Rechtsanwälten im Saal 600 des Landgerichts Nürnberg-Fürth, in dem einst Nazi-Kriegsverbrechern der Prozess gemacht wurde. Fragen zu seiner Person beantwortet der 24-Jährige brav. Zu den Vorwürfen sagt er nichts. Dafür spricht sein Verteidiger Iñigo Schmitt-Reinholtz. "Das war keine glorreiche Aktion." Für den Anwalt steht fest: Der Angeklagte habe den Feuerlöscher nicht gezielt auf die U-Bahn geworfen. Von versuchtem Mord könne keine Rede sein. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Der 24-Jährige sei sich bewusst gewesen, dass der Feuerlöscher die Frontscheibe durchschlagen und die Fahrerin tödlich verletzen könne. "Er hat das billigend in Kauf genommen", sagt der Staatsanwalt.

Über die Vorgänge bis zum Zeitpunkt des Wurfes sind sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung noch weitgehend einig. Anhänger des 1. FC Nürnberg waren im vergangenen August mit der U-Bahn auf dem Weg zum Derby gegen die SpVgg Greuther Fürth. Der Zug war proppenvoll, die Luft heiß und stickig. Fans begannen zu randalieren, auch der Angeklagte beteiligte sich. Zum Wurf des Löschers sagt Schmitt-Reinholtz: "Er stand mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und hat den Feuerlöscher einfach weggeworfen." Selbst wenn der 24-Jährige nach vorne geblickt hätte, sei der behauptete Blickkontakt mit der Fahrerin wegen der hohen Geschwindigkeiten der Züge unmöglich gewesen. Schmitt-Reinholtz fordert deshalb einen neuen Sachverständigen. Der Psychologe Rudolf Sponsel solle überprüfen, ob die Aussage der U-Bahn-Fahrerin glaubwürdig sei.
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