"Warum soll ich klagen?"

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Bayern
28.11.2014
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Hans-Jochen Vogel macht in einem bewegenden Interview öffentlich, dass er an Parkinson erkrankt ist. Der frühere SPD-Chef ist nicht der einzige Prominente mit Schüttellähmung. Aber als einer, der offen über seine Krankheit spricht, eine Ausnahme.

Vor zwei Jahren schon hat Hans-Jochen Vogel die niederschmetternde Diagnose bekommen: Parkinson, Schüttellähmung. Seine Familie und seine Freunde wussten davon, die Öffentlichkeit nicht - bis jetzt. In einem "Stern"-Interview hat der frühere SPD-Chef sich nun geäußert.

Vielleicht, so sagt der 88-Jährige, kann sein Beispiel ja anderen Menschen helfen, die ebenfalls an der unheilbaren Nervenkrankheit leiden. Vielleicht kann er ihnen Mut machen, "indem ich ihnen zeige, dass man auch in diesem Zustand noch geraume Zeit ein selbstbestimmtes Leben führen kann".

Zittern und stolpern

In dem Münchner Altenheim, in dem der einstige Minister, SPD-Vorsitzende und Fraktionschef seit 2006 mit seiner Frau Lieselotte (87) lebt, heißt es am Donnerstag, er sei nicht zu sprechen. "Aus gesundheitlichen Gründen", wie er über eine Mitarbeiterin ausrichten lässt. Zu viele Anrufer hätten sich nach ihm erkundigt.

Im "Stern" aber gibt Vogel, Münchner Oberbürgermeister von 1960 bis 1972, einen Einblick in sein Leben mit der Krankheit. "Das Zittern habe ich noch unter Kontrolle, aber es wird wohl unvermeidlich stärker werden", sagt er in dem Interview. Andere Symptome zeigten sich schon deutlicher: "Ich fühle permanent eine leichte Benommenheit. Beim Gehen fällt es mir schwer, die Richtung zu halten." Er stolpere häufiger, sein Namensgedächtnis sei nicht mehr so gut wie früher, seine Schrift werde kleiner und unvollständiger. Wenn ihm ein Name nicht einfalle, helfe ihm seine Frau. Vogel gibt sich betont sachlich, was seine Krankheit angeht: "Warum soll ich klagen? Es würde ja doch nichts ändern." Beim Einschlafen habe er zuletzt an den Tod gedacht. "Plötzlich schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Na, wie oft wirst du wohl noch aufwachen?" Angst vor dem Tod habe er aber nicht. "Angst ändert ja nichts am Lauf der Dinge. Der Tod kommt trotzdem."

"Das macht nicht jeder"

"Das macht nicht jeder", sagt Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie über Vogels Offenheit. "Sie finden selten einen Parkinson-Patienten, der sagt, er gehe damit offen um." Weltweit sind nach Angaben der Deutschen Parkinson Gesellschaft rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt, rund 280 000 sind es in Deutschland. Studien gehen allerdings davon aus, dass sich die Zahl der Patienten bis 2050 weltweit auf 8,7 Millionen verdoppeln wird.
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