Wiesn-Attentat: Neue Zeugin

Das Mahnmal an der Stelle, an der die Bombe explodierte: 34 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat präsentiert der Anwalt Werner Dietrich neue Zeugenaussagen. Bild: dpa
Archiv
Bayern
12.12.2014
0
0

Ein Dutzend Tote, mehr als 200 Verletzte. Das Oktoberfest-Attentat von 1980 gilt als blutigster Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Nun wird ermittelt, wie tief die Spur in rechtsextreme Kreise führt.

Drei Jahrzehnte hat Anwalt Werner Dietrich darum gekämpft: Die Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980 werden wieder aufgenommen. Bei dem Anschlag waren 13 Menschen getötet und 200 verletzt worden. Unter den Toten ist der Attentäter Gundolf Köhler, ein ehemaliger Anhänger der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann".

Opfervertreter und Politiker, besonders der Grünen, hatten stets öffentlich angezweifelt, dass der grausame Anschlag das Werk eines Einzelnen war. Den damaligen Ermittlungen zufolge beging Köhler die Tat aus Frust, auch über eine verpatzte Prüfung. Nun sagt Generalbundesanwalt Harald Range, es sei das "schwerste rechtsextremistische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland". Eine neue Richtung.

Zeugin sah Flugblätter

Ein Grund, in dem Fall neu zu ermitteln, ist eine neue Zeugin, die Dietrich präsentierte. Die Frau gibt an, sie habe am Tag nach dem Anschlag Flugblätter mit einem Nachruf auf den Bombenleger Köhler gefunden - noch bevor dessen Name öffentlich bekannt war. Sie hatte damals als Studentin Sprachkurse in einer Aussiedler-Unterkunft gegeben und sah die Flugblätter und zwei Pistolen. Sie sei zur Polizei gegangen, aber abgewimmelt worden, sagt Dietrich.

Ebenso wie er kämpfte auch Ulrich Chaussy vom Bayerischen Rundfunk jahrzehntelang für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Chaussy enthüllte in seinem Kinofilm "Der blinde Fleck" Ungereimtheiten. "Ich war sehr skeptisch, ob es diese Wiederaufnahme geben wird", sagt der Reporter. Denn die Chancen, die Hintergründe aufzuklären, seien in den 80ern weit besser gewesen.

Doch Ermittlungen seien "von Vertuschungen geprägt" gewesen. Karlsruhe verfolgte mehr als 850 Spuren, vernahm 1700 Zeugen und erstellte mehr als 100 Sachverständigengutachten. Doch es blieb ein Wirrwarr aus Details und möglichen Verbindungen. "Neue Beweismittel aus lange zurückgehaltenen Ermittlungsakten und Zeugenaussagen, die kaum mit den bisherigen Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen sind", sagte Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize im Bundestag.

Dies habe die Zweifel noch einmal verstärkt, Für Empörung sorgte vor ein paar Jahren die Nachricht, dass amtlich verwahrte Beweismittel Ende der 90er Jahre vernichtet wurden. Schon vor Jahren gab es Berichte, dass ein Zeuge ein Rechtsradikaler gewesen sein und Verbindungen zum Verfassungsschutz gehabt haben könnte. Die Grünen vermuten, dass der mögliche Hintermann als V-Mann diente. Laut Chaussy beging er in der Zelle Selbstmord, bevor er befragt werden konnte.

Anschlag von Bologna

Spekuliert wurde auch, ob es einen Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bahnhof von Bologna im August 1980 mit 85 Toten gab, oder Verbindungen zu Geheimdiensten. Nun sind die Ermittler wieder am Zuge.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.