Zehn Jahre hinter Gitter

Der Tatort: Hier wurde im Dezember 2014 ein 61-jähriger Mitarbeiter des Jobcenters erstochen. Jetzt wurde der Täter zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. Archivbild: dpa
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Bayern
29.10.2015
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Die Tat versetzte dem malerischen Touristenstädtchen Rothenburg ob der Tauber vor knapp einem Jahr einen Schock: Im Jobcenter ersticht ein Mann einen Psychologen. Nun wurde der psychisch kranke 29 Jahre alte Täter verurteilt.

Es begann als Routine-Besprechung, doch es endete in der Katastrophe. Vor knapp einem Jahr wollen im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber eine Jobvermittlerin und ein Psychologe einem 29-Jährigen ein Gutachten über ihn erläutern. Demnach leidet der Mann an einer psychischen Störung und ist nur unterdurchschnittlich intelligent. Daher könne er nicht ohne weiteres in eine normale Arbeit vermittelt werden. Doch dazu kommt es nicht.

Messer im Laden gekauft

Der junge Mann hat sich schon gedacht, dass die Begutachtung nicht gerade zu seinen Gunsten ausgefallen ist. Darüber ist er so empört und verärgert, dass er während des Gesprächs eine Todesdrohung ausspricht und verschwindet. In einem Supermarkt in der Nähe kauft er sich ein Küchenmesser und ist keine zehn Minuten später wieder im Jobcenter. Er müsse das jetzt zu Ende bringen, sagt der 29-Jährige sinngemäß und sticht auf den Psychologen ein. Der 61-Jährige stirbt kurz darauf an einem Stich ins Herz.

Wegen Totschlags wurde der 29-Jährige am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Das Landgericht Ansbach ordnete zudem seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Und der Mann muss 10 000 Euro Schmerzensgeld an die Familie des Opfers zahlen. "Eine Tat derartigen Ausmaßes ist nicht zu entschuldigen", betonte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Zur Unterbringung in der Psychiatrie sagte er, ohne Behandlung müsse man damit rechnen, dass der Mann erneut schwere Verbrechen begeht. "Die Unterbringung wird mit Sicherheit viele Jahre dauern." Ein Sachverständiger hatte bei dem Mann eine schizophrene Psychose diagnostiziert und ihn als gefährlich für die Allgemeinheit eingeschätzt. Der Prozess mit knapp 20 Zeugen verlief wegen der Erkrankung des Mannes in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Angst vor der Psychiatrie

Das Motiv des Täters sei Verärgerung über das Ergebnis der psychologischen Begutachtung gewesen. Er habe zudem Angst gehabt, stationär in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, sagte der Richter. Noch dazu hatte er am Morgen eine Pfeife Haschisch geraucht.

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne sichtbare Regung auf. Ähnlich unbeeindruckt hatte er zuvor schon den Prozess verfolgt. Meist bewegte er nur seine Augen, unter denen dunkle Schatten lagen. Doch viel Bewegungsspielraum hatte er auch nicht, denn unter seinem roten Anorak trug er einen Bauchgurt, an dem seine Handschellen befestigt waren. Als letztes Wort sagte er - wenn auch nur schwer verständlich: "Ich kann nur erklären: Es tut mir leid."
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