Zschäpe erwägt erstmals Aussage

Die im NSU-Prozess angeklagte Beate Zschäpe erwägt nach mehr als 200 Verhandlungstagen sich nun doch zur Sache zu äußern. Bild: dpa
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Bayern
23.06.2015
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Es wäre die Wende im NSU-Prozess: Will Beate Zschäpe wirklich ihr Schweigen beenden? Sie beschäftigte sich mit dem Gedanken, schreibt sie. Oder will die Hauptangeklagte nur ihre Anwältin loswerden?

Überraschende Nachricht nach zwei Jahren im Münchener NSU-Prozess: Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe erwägt nach eigenen Angaben, nun doch auszusagen. In den mehr als 200 Verhandlungstagen hatte die Hauptangeklagte bislang zur Sache geschwiegen.

In einem vierseitigen Schreiben an das Münchener Oberlandesgericht (OLG) teilte Zschäpe mit, dass sie sich "durchaus mit dem Gedanken beschäftige, etwas auszusagen". Eine weitere Zusammenarbeit mit ihrer Verteidigung sei deshalb nicht mehr möglich. In dem Schreiben an das Gericht mit Datum vom 18. Juni musste Zschäpe erneut begründen, warum sie ihre Verteidigerin Anja Sturm loswerden möchte. Zschäpe hatte vor kurzem deren Entpflichtung beantragt. Der Brief lag der Deutschen Presse-Agentur in München am Montag vor. Die Angeklagte wirft ihren drei Verteidigern Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl darin vor, diese hätten ihr mit dem Ende des Mandats gedroht, sollte sie - Zschäpe - ihre Strategie ändern und eine Aussage zu einzelnen Vorwürfen machen wollen. Sie würden dann einen Antrag formulieren mit dem Ziel, "ihre Bestellung aufzuheben". "Ich fühle mich geradezu erpresst", schrieb Zschäpe ganz am Ende. Die drei Anwälte wiesen die Vorwürfe zurück. Insbesondere widersprachen sie der Darstellung, ihrer Mandantin gedroht zu haben. Der Schriftwechsel macht auch deutlich, dass Zschäpe sich bislang offenbar nicht einmal ihren Verteidigern gegenüber umfassend anvertraut hat. Und er zeigt, wie angespannt das Verhältnis insgesamt ist.

Twitter und Internet

In einem Brief an ihre Mandantin, den Zschäpe selbst wiedergab, beschwerten sich Heer, Stahl und Sturm über deren "anmaßendes und selbstüberschätzendes Verhalten", wenn sie die Leistung ihrer Anwalte bewerte. Dieses Verhalten verbiete sich vor allem, da "Sie uns aufgrund der nur fragmentarischen Weitergabe Ihres exklusiven Wissens nicht in die Lage versetzen, Sie optimal zu verteidigen". Zschäpe wiederum erhob neue Vorwürfe gegen ihre Anwälte: Heer und Stahl surften während laufender Hauptverhandlung im Internet beziehungsweise seien bei Twitter aktiv. Und Sturm gehe es vor allem darum, "Pflichtverteidigergebühren zu kassieren". Von einem Vertrauensverhältnis könne keine Rede sein, so Zschäpe.

Auch diese Vorhaltungen wiesen die drei Rechtsanwälte klar zurück - ebenso wie Zschäpes Vorwürfe, dass derzeit "Funkstille" herrsche und jeder Gesprächsversuch auf Konfrontation anstatt Kooperation hinauslaufe. Heer hielt entgegen, Zschäpe selbst habe mehrere Gesprächsangebote zurückgewiesen. Zschäpe muss sich im NSU-Prozess als Mittäterin für sämtliche Taten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verantworten, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge.
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