Zündende Ideen für Gaswerk

In den kommenden Jahren soll im denkmalgeschützten Industriekomplex ein offener Kulturraum entstehen. Bild: dpa
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Bayern
03.03.2015
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Seit mehr als zehn Jahren ist das Augsburger Gaswerk stillgelegt. Nun soll neues Leben in die alten Industriebauten ziehen. In einer Zukunftswerkstatt entwickeln Bürger Visionen für einen Kulturraum.

Oliver Frühschütz schreitet ein kleines Rechteck ab. Hier stand seine Werkbank, an der er bis 2001 als Elektriker arbeitete. Dann legten die Augsburger Stadtwerke das Gaswerk still. All die Jahre hatte er sich nie Gedanken gemacht über die Welt außerhalb seiner Werkstatt, über das Gelände mit den drei markanten Gaskesseln.

Dann aber begann Frühschütz, in alten Akten und Fotoalben zu wälzen. Nach und nach entstand für ihn ein ganz neues Bild von seinem früheren Arbeitsplatz. Jetzt soll ein neues Nutzungskonzept für den denkmalgeschützten Komplex entwickelt werden - Gastronomie, Ateliers und Band-Proberäume könnten im hundert Jahre alten Gaswerk entstehen.

Wer die Bundesstraße im Augsburger Westen entlangfährt, kann den größten Gaskessel schon von weitem erkennen. Mehr als 80 Meter ragt der rostrote Zylinder in den Himmel. Ein Jahr nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, 1915, hatte es die Stadt in Betrieb genommen, seitdem war das Gelände aus Sicherheitsgründen hermetisch abgeriegelt. Die Bürger kannten die Kokskasse am Eingang, hier kauften sie das Heizmaterial für den Ofen. Doch was dahinter lag, blieb unbekanntes Terrain.

Altlasten weichen Kultur

Das wollen die Augsburger ändern. Mühsam wird das Erdreich derzeit von Teerresten und andere Altlasten gereinigt. Auf dem Gelände soll ein offener Kulturraum entstehen. Ein Projekt, bei dem viele Interessen und Ideen aufeinanderprallen.

Oliver Frühschütz setzt sich dafür ein, dass die Einzigartigkeit der Gebäude erhalten bleibt. Die beiden Teleskopgasbehälter mit ihren bauchigen Wasserbecken fänden sich in ganz Europa kein weiteres Mal. Er hat den Verein der Gaswerksfreunde gegründet, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. In seiner Freizeit führt er Besucher über das Gelände. In dem Raum, in dem einst seine Werkbank stand, befindet sich nun ein kleines Museum.

Das Gaswerk war damals für die Stadt Augsburg ein Prestige-Objekt. Von außen sollte es nicht als Industrieanlage erkennbar sein. Kein einziges Gasrohr wurde offen verlegt, stattdessen verliefen die Leitungen unter der Erde oder versteckt hinter der Fassade. "Oben hui, unten pfui", scherzt Frühschütz im Apparatehaus, in dessen Keller sich ein undurchsichtiges Rohrwirrwarr befindet. Bis zu 250 Menschen arbeiteten und lebten einst auf dem Gaswerksareal.

Neues Leben sollen nun Künstler, aber auch Gewerbetreibende und die Anwohner bringen. Dafür hat die Stadt zu einer Zukunftswerkstatt aufgerufen. In sechs Workshops haben Bürger viele Visionen entwickelt - eine Schafweide auf der Wiese zwischen den Gaskesseln, eine Boule-Anlage für Turniere, ein großer Gemüsegarten. Im Frühjahr entscheiden die Stadträte, welche Visionen umsetzbar sind.
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