Bier und Brotzeit unter Bäumen

Biergarten
Freizeit BY
Bayern
16.04.2015
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Die heute viel besuchten Biergärten waren früher wichtige Orte für Bierbrauer. Die bayerische Brauordnung von 1539 erlaubte das Bierbrauen nur zwischen den früheren Feiertagen des heiligen Michaels am 29. September und Georgitag am 23. April. Im Sommer war das Bierbrauen verboten, weil durch das Sieden am offenen Feuer bei der Bierherstellung höchste Brandgefahr bestand.

Für die heißen Sommertage wurde daher ein Biervorrat angelegt, der kühl gelagert werden musste. Dazu legten die Brauer eigene Bierkeller an, die im Winter mit Stangen aus Eis ausgelegt wurden, die aus den umliegenden Weihern geschlagen wurden. Über die Gewölbe der Bierkeller wurden Schatten spendende Kastanien gepflanzt, um das Sommerbier, meist ein etwas stärkeres Märzen, frisch zu halten. Was lag näher, als unter den Bäumen Bänke und Tische aufzustellen und das Bier an Ort und Stelle zu kredenzen.

InfoNeben dem üblichen Kartenmaterial und dem umfangreichen Angebot der Fremdenverkehrsämter helfen zwei Bücher beim Finden der unzähligen Brauereien weiter:

Brauns Brauerei Atlas Franken
ISBN 978-3418001227

Frankens Brauereien und Brauereigaststätten
ISBN 9783-936897-80-7

Das war natürlich den Wirten ein Dorn im Auge, denn im Freien ließ sich an lauen Sommertagen gemütlicher zechen als in den Wirtsstuben. Erst als 1873 die «Kälteerzeugungsmaschine» erfunden wurde, verloren die Bierkeller nach und nach an Bedeutung.

Die echten Bierkeller mit ihren Wirtsgärten lagen meistens am Stadtrand auf einer Anhöhe über den Gewölben. Dieses Biereinlagern war in ganz Bayern üblich. Zu den Biergärten gab es Kellerwirtschaften, die zu beliebten Ausflugszielen wurden. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich dann nach dem Vorbild der Bierkeller- Gärten die beliebten Gartenwirtschaften, die heute die Mehrzahl der traditionellen Biergärten darstellen. Das Bier wird in Maßkrügen ausgeschenkt, an der Theke selbst geholt und zur mitgebrachten Brotzeit getrunken.

Immer wieder kommt es an den Schänken zu Wortgefechten, wenn ein Biergartler seinen Krug nicht richtig voll geschenkt sieht. Ein Kellner im Münchner Hirschgarten hatte einst einen besonders renitenten Gast, der partout mehrfach nachgeschenkt haben wollte. Der Schankkellner war nach kurzer Zeit so ärgerlich, dass er in den Glaskrug einen Schuss Bier ließ, dass es gewaltig schäumte. Als der Gast daraufhin protestierte, in dem Krug sei zu viel Schaum, herrschte ihn der Kellner folgendermaßen an: «Schaum is a Bier, schau dass di schleichst.»