"Die Liebe seines Lebens" mit Colin Firth und Nicole Kidman
Liebe, Leid und Pein

In "Die Lieben seines Lebens" spielt Colin Firth den Schotten Eric Lomax, Nicole Kidman mimt die Krankenschwester Patti. Bild: Koch Films GmbH/dpa
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Bayern
25.06.2015
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(dpa) "Die Liebe seines Lebens" - ein Filmtitel, der große Gefühle und Leidenschaft verspricht. Aber sicher nicht die tragische Suche eines ehemaligen britischen Soldaten nach dem Mann, der ihn während seiner Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg in Japan bis aufs Blut gepeinigt hat.

Peiniger lebt noch

Colin Firth und Nicole Kidman spielen ein ungleiches Paar. Die Ehe ist geprägt von einem großen Schweigen. Die Erlebnisse in der Gefangenschaft verfolgen Eric Lomax bis heute, aber darüber reden kann er nicht. Doch irgendwann kann er seine Ängste und verdrängten Gefühle nicht mehr ignorieren. Er fährt nach Japan, auf der Suche nach den Schrecken seiner Vergangenheit.

Viele Rückblenden erzählen, wie der britische Militärfunker Lomax in die Hände der Japaner gerät, die ihn beim Bau einer berüchtigten Todeseisenbahn durch Thailands Dschungel schuften lassen. Eine Hölle auf Erden, die viele Gefangene das Leben kostet. Mit seinen Freunden baut Lomax ein Radio, um Kontakt mit der Außenwelt zu bekommen. Doch sie fliegen auf und werden bestraft: gefoltert, geschlagen, bei Hitze und ohne Wasser in winzige Käfige eingesperrt.

Nach dem Krieg ist Lomax frei - doch das Trauma bleibt. Das merkt auch seine Frau Patti, die sein Geheimnis erforschen will. Nicole Kidman spielt die Frau in dieser distanzierten Ehe äußerst glaubhaft. Eines Tages erfährt Patti, dass der japanische Offizier, der ihn am schlimmsten gepeinigt hat, noch am Leben ist. Als Lomax nach Thailand reist, um ihn zu treffen, ist er hin- und hergerissen. Will er Rache oder Vergebung?

Der Film basiert auf der Autobiografie von Eric Lomax, in der er seine schmerzhaften Erinnerungen an seinen Einsatz als Soldat im Fernen Osten schildert. Glaubwürdig zeigt Firth, wie sich dieser traumatisierte Mann durchs Leben schlägt - ferngesteuert, überaus vorsichtig und völlig entfremdet von seinen wahren Gefühlen. Statt für Zwischenmenschliches interessiert er sich für Eisenbahnen, Fahrpläne, Streckennetze. Daher auch der Originaltitel "The Railway Man" - Der Eisenbahn-Mann. Hier ist alles genau planbar, vorgegeben, geradlinig.

Abgesehen vom missglückten deutschen Filmtitel ist "Die Liebe seines Lebens" ein spannendes und bewegendes Drama über Leid, Rache und die heilende Kraft von Vergebung. Mit gedämpften Farben und leisen Einstellungen schafft Regisseur Jonathan Teplitzky eine beklemmende Atmosphäre, nicht zuletzt wegen der eindringlichen Darstellung von Colin Firth und seinem jungen Alter Ego, hervorragend gespielt von Jeremy Irvine. Das Leben des alten Lomax ist so grau und verhalten, wie seine Gefühlswelt. Der junge Soldat dagegen steckt voller Energie, ist aber viel zu sensibel für die grausame Kriegswirklichkeit.

Am Ende kitschig

Die schwerste Entscheidung muss Lomax schließlich ganz alleine treffen - ob er seinem Peiniger vergeben kann. Teplitzky hat sich die Auflösung dieser Frage für das Ende aufgehoben - und hier wird es dann doch ein bisschen kitschig.

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Regie: Jonathan Teplitzky - Mit Colin Firth, Nicole Kidman, Jeremy Irvine, Stellan Skarsgård, Michael MacKenzie - Musik: David Hirschfelder - 116 Minuten -frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.dieliebeseineslebens-film.de
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