Einflug von Seidenschwänzen in Deutschland
Exotische Gäste aus dem hohen Norden

Seidenschwanztrupp auf Baum (Foto: Werner Borok, LBV)
Freizeit BY
Bayern
21.11.2016
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Seidenschwanz auf Apfelbaum (Foto: Dr. Christoph Moning, LBV)

Hilpoltstein. Bayern erwartet in Kürze ein seltenes Naturschauspiel, denn Scharen des exotisch anmutenden Seidenschwanzes sind auf dem Weg in den Freistaat. Zahlreiche Trupps der im Norden Eurasiens beheimateten Vögel ziehen zurzeit aufgrund der dortigen Nahrungsknappheit in den Süden.

„Da erste Vögel schon in Thüringen und Nordrhein-Westfalen gesichtet wurden, erwarten wir die baldige Ankunft der Seidenschwänze“, so die LBV-Biologin Christiane Geidel. Beeren oder Knospen tragende Hecken und Gehölze können dann zu einem spektakulären Schauplatz oder sogar zu einem Überwinterungsquartier werden. Die bunten Seidenschwänze sind mit etwas Aufmerksamkeit leicht an ihrer unverkennbaren Federhaube und den auffällig gefärbten Flügelspitzen zu erkennen. Wer den nordischen Vogel entdeckt, kann ihn gerne dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) unter vogelzaehlung@lbv.de melden.

Besonderes Naturschauspiel bald auch in Bayern zu beobachten


Hauptauslöser des massenhaften Einflugs der Seidenschwänze während der Wintermonate ist die Nahrungsknappheit in seinem eigentlichen Verbreitungsgebiet. „Da sie nicht mehr genügend zu fressen finden, verlassen sie in Schwärmen ihre Heimat und ziehen in Gebiete, die ausreichend Nahrung bieten“, erklärt Christiane Geidel. Weil derartige Abwanderungen aus den Brutgebieten sehr unregelmäßig sind und nur alle paar Jahre vorkommen, gilt der Seidenschwanz auch als so genannter „Invasionsvogel“. Dies war in Bayern zuletzt im Winter 2012/13 zu beobachten. Anders als in durchschnittlichen Jahren wurden seit Oktober deutschlandweit bereits mehr als zehnmal so viele Seidenschwänze gezählt wie im Vorjahr. „Diese Entwicklung ist ein gutes Zeichen, dass auch viele Seidenschwänze zu uns nach Bayern kommen“, so Geidel. Die seltenen Gäste können dann wahrscheinlich bis in den März hinein beobachtet werden.

Auffällige Federhaube auf dem Kopf


Den Seidenschwanz zu erkennen gelingt selbst dem ungeübten Vogelbetrachter mit etwas Aufmerksamkeit: „Er hat ein beige-braunes Gefieder, trägt eine auffällige Federhaube auf dem Kopf und hat einen kurzen, rotbraunen Schwanz mit einer leuchtend gelben Spitze“, beschreibt Geidel. „Seine dunklen Flügel zieren auffällige weiße und gelbe Zeichnungen und die Spitze der Armschwinge ist scharlachrot gefärbt“, ergänzt sie. Außerdem hat der er etwa starengroße Vogel einen hohen, trillernden Ruf.

Beobachten kann man die exotisch anmutenden Vögel vor allem in Gärten und Parks, in denen Rosengewächse mit Hagebutten, Ebereschen und Ligusterhecken wachsen. „Die Seidenschwänze haben es im Winter auf Früchte und Beeren abgesehen, vor allem die weißen Früchte der Mistel sind besonders begehrt“, erzählt die LBV-Expertin. Wie viele Tiere an einem Ort zu sehen sind, hängt vom Nahrungsangebot ab: „Je reichhaltiger das Beerenbuffet in den Garten und Parks, desto größer sind auch die Trupps“ so Geidel weiter.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Seidenschwänze liegt in den Wäldern der nördlichen Hemisphäre und reicht von Skandinavien bis Sibirien. Auf ihrem Zug in den Süden haben die auffälligen Vögel bereits das Vereinigte Königreich, die Niederlande und die deutsche Nord- und Ostseeküste passiert.
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