"Heidi": Klassiker kehrt als wunderbarer, lustiger und bewegender Streifen zurück ins Kino
Herzerwärmende Neuverfilmung

Der Geißenpeter darf in der neuen "Heidi"-Verfilmung natürlich nicht fehlen. Er wird von Quirin Agrippi gespielt. Bild: Studiocanal
Freizeit BY
Bayern
10.12.2015
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"Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge" - so sangen es schon Gitti und Erika in der Kult-Animations-Serie aus den 1970er Jahren. Daran hat sich nichts geändert. Die Geschichte, in der das elternlose Mädchen zu seinem eigenbrötlerischen Großvater auf die Alm geschickt wird, mit dem Geißenpeter Ziegen hütet und dann zur feinen Klara Sesemann nach Frankfurt geschickt wird, ist hinlänglich bekannt.

Viele Male wurde der Stoff nach den Romanen der Schweizerin Johanna Spyri verfilmt. Trotzdem ist Alain Gsponers Neuauflage unbedingt sehenswert, allein wegen der Hingabe, mit der Bruno Ganz den grantigen und einsamen Alm-Öhi spielt. Star des Films ist Anuk Steffen, die als "Heidi" ebenso berührt wie verzaubert und nicht nur die Herzen des Geißenpeters und des Großvaters, sondern auch der Zuschauer erobert.

Gsponer verzichtet komplett auf jeglichen Alpen-Kitsch und hält sich lieber an historische Vorgaben. Auch die Sprache mit Anklängen an den Schweizer Dialekt ist ungekünstelt. Heidi trägt kein Dirndl, sondern grobe Leinenkleidung. Am liebsten streunt sie im Hemd oder in braunen Hosen mit Peter (Quirin Agrippi) durch die Berge.

Ein melancholischer Unterton schwingt im gesamten Film mit, auch als Heidi im fernen Frankfurt bei ihrer neuen Freundin Klara heimwehkrank die Berge vermisst und auf den höchsten Turm klettert, um die Gipfel zu sehen. Dennoch wird es nie düster, im Gegenteil, es gibt sogar viel zu lachen. Der Humor ist feinsinnig und kindgerecht, ohne platte Schenkelklopfer und den in manchen Komödien üblichen Klamauk. Dafür sorgen nicht nur die guten Dialoge, sondern auch die Darsteller.

Zu den schönsten Momenten zählt der Teil, in dem der Alm-Öhi und Heidi erst auf einem Schlitten durch tiefen Schnee ins Tal rodeln. Später, als die Sonne untergeht und der graue Winterabend heraufzieht, stapft der alte Mann mit seiner Enkelin auf dem Rücken wieder den steilen Berg hoch. Ein mühsamer Weg durch tiefen Schnee. Doch Heidi ist in diesem Moment einfach nur glücklich und schmiegt sich fest an ihn. "Gell, wir haben's gut, Großvater!"

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Regie: Alain Gsponer - Mit Bruno Ganz, Peter Lohmeyer, Anuk Steffen - 105 Minuten - ohne Altersbeschränkung - Im Internet: www.heidi.studiocanal.de
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