Landesgartenschau Bayreuth begeistert
Musik für die Augen

Wilhelmines Schoßhündchen Folichon erobert die Herzen der Besucher. Die Zwergspaniel-Skulpturen bevölkern ganze Wiesenflächen.
Freizeit BY
Bayern
20.05.2016
588
0
 
Fliegende Stühle: Bunte Arrangements ziehen den Blick an. Die Blumenhalle wartet mit 14 wechselnden Blumenschauen auf. Dazu kommen zahlreiche Ausstellungen. Der Besuch lohnt sich nicht nur an Regentagen!
 
Die Tulpen tauchen den Eingangsbereich nur noch kurze Zeit in einen Farbtopf. Im Juni übernimmt der Sommerflor die Regie.

Seit vier Wochen zieht die Landesgartenschau Bayreuth die Besucher unter dem Motto "Zu Gast bei Wilhelmine" an. 3818 Events und ein wechselnder Blumenflor lassen bis 9. Oktober keine Langeweile aufkommen. Eine magische Zahl ist bereits geknackt.

Heiterkeit und Schwermut verbinden sich bei Wagner zu großen Dramen. Bei der Landesgartenschau in der Festspielstadt sind es dann auch die weitläufigen Wagner-Beete, die ihre Ausstrahlung nicht verfehlen. Sie tragen Namen wie Liebestod, Brünhildes Erwachen oder Rheingold und bestechen durch feste Farbvorgaben. Brünhilde beispielsweise erwacht in weiß, hellgelb und rosé. Diese Inszenierung lässt aber weniger die Wagner-Enthusiasten ins Schwärmen kommen, vielmehr sind es die Gartenliebhaber, die in den kommenden Monaten die Mainauen "fluten" werden. Doch auch für Familien bietet das Gelände jede Menge Freizeitwert.

10 000 Bäume


Auf der großen Fluss- und Auenlandschaft in Bayreuth (45 Hektar) findet die bisher größte Landesgartenschau in Bayern statt. Sie kommt, so Pressesprecher Mirko Streich, "in diesen Dimensionen dem Charakter einer Bundesgartenschau nahe." Die Kosten werden mit rund 10,5 Millionen Euro beziffert. Davon kamen 2,88 Millionen Euro von der EU, ebenso viel vom bayerischen Umweltministerium und 175 000 Euro vom Landwirtschaftsministerium. Der Löwenanteil bleibt bei der Stadt, die erst im dritten Anlauf den Zuschlag erhielt.

Symbolfigur ist Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Der neue Landschaftspark wurde ihr zu Ehren "Wilhelminenaue" getauft und verbindet unter dem Motto "Musik für die Augen" die historische Innenstadt mit dem markgräflichen Hofgarten und der spätbarocken Eremitage. Diese sind mit dem Stadtbus (2 Euro) ab Gartenschau-Eingang leicht zu erreichen. Der Rote Main wurde auf 1,2 Kilometer Länge renaturiert und insgesamt 10 000 Bäume und 250 000 Frühjahrs- und Sommerblüher gepflanzt. 3700 Quadratmeter sind für den Wechselflor reserviert. Auf Tulpen und Frühjahrsblüher folgen Rosen und Stauden und im Herbst haben die Dahlien ihren großen Auftritt. Ganze Heerscharen von Gärtnern - darunter auch viele Fachbetriebe aus der nördlichen Oberpfalz - werkelten im April oft bis in die Nacht hinein.

Wiese statt Mais


Es hat sich gelohnt: Vier Wochen nach dem Start wurde am 19. Mai die 100 000. Besucherin von Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und Gartenschau-Geschäftsführerin Dagmar Voß willkommen geheißen. "Das Kernstück ist der Rote Main", sagt Voß, wenn sie angemeldete Gruppen am Eingang begrüßt. Dort, wo früher Maisfelder waren, entwickelt sich nach der Renaturierung eine artenreiche Wiesenfläche. Neu angelegt wurde der Grundwasser-Auensee ("Hammerstätter See"); das Tal dient künftig als Hochwasserschutz. Der Weg führt links und rechts des Flusses durch den Park.

Diesen erkunden wir zusammen mit Margot und Klaus Hübner. Das Ehepaar wohnt gleich nebenan und freut sich auf viele Gruppenführungen. Start ist am Eingang Süd in der "Ouvertüre". Im Gartenmarkt in den weißen Pavillons gibt es auch die Fossi-Boys (Urzeit-Fossilien) zu kaufen. Sie heißen Glotzaugengerch, Spritzfritz und Schuppenschubi. Hobbygärtner interessieren sich jedoch eher für Formgehölze, Stauden-Neuheiten, Obst- und Ziergehölze. Interessant sind die sieben gestalteten Hausgärten (wie der "Best Age Wellness-Garten" mit Kunstrasen) und die Ausstellungen der Baumschulen. In der Halle sind bis Oktober 14 wechselnde Blumenschauen geplant.

Auen-Promenade


Die bis zu acht Meter über dem Bodenniveau liegende Auen-Promenade (blumengesäumter Hauptweg) verknüpft die Eingänge Süd und Nord und bietet einen besonderen Blick über das Gelände. Hier trifft man erstmals auf Folichon, den Lieblingshund von Wilhelmine, der als bunte Skulptur ganze Wiesenhänge bevölkert. Ansonsten gilt: "Keine Hunde auf der Landesgartenschau!" Die zahlreichen Wagner-Beete am Hauptweg sind ein toller Hingucker. "Tristan und Isolde" erblühen in dunklen Lila-Tönen - in Anlehnung an Isoldes Todestrunk und die Blumen-Oper "Rheingold" erstrahlt in orange-golden Tulpenvariationen. Nebel steigt aus einem blauen Glassplit-Beet empor, einem Arrangement der französischen Partnerstadt Annecy. Die riesigen Metallblüten in Pastelltönen stecken auf gewundenen Stielen aus Stahl. Sie wachsen aus Beeten, die in Blütenform angelegt sind.

Der Blick wandert ins Tal hinab zum Hammerstädter See. Zwei Schwäne ("Lohengrin lässt grüßen") ziehen ihre Runden. Das neu geschaffene Gewässer mit seinen zwei Inseln ist zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder und eine Seebühne mit Rasentribüne. Heute (Samstag, 21. Mai) tritt ab 18 Uhr das italienische Pop-Trio "Ganes" auf. Zum Kulturkabinett gehört aber auch ein Biergarten mit Kleinkinderspielplatz und zwei angrenzenden Beachvolleyballfeldern.

Das Gartenkabinett - ähnlich einer barocken Bühnenkulisse - wird von gestalteten Hopfenelementen geprägt. Weitere Hingucker sind eine Pergola mit Wiege-Schaukeln und Staudenanpflanzungen. Das Gourmetkabinett beherbergt die Haupt-Gastronomie und garantiert einen weiten Blick in die Landschaft. Das Sportkabinett wartet mit Superlativen auf: Das 400 Quadratmeter große Kletternetz ist eine sportliche Herausforderung für alle Besucher und eine in dieser Dimension in Deutschland einmalige Anlage. Am Eingang Nord (Eremitagestraße) befindet sich das Grüne Quartett mit dem idyllischen Mainauenhof. Hier haben sich die Beiträge des Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, des Forstes, des Landwirtschaftsministeriums sowie der Stadt und des Landkreises Bayreuth angesiedelt.

Über die 1786 erbaute Mainbrücke geht es zur "Melodie der Natur", wo der Bund Naturschutz, die Fischer und Imker informieren. Am Platz der "Jungen Landesgartenschau" wartet eine große Erlebnisfläche mit täglichen Attraktionen und einem tollen Wasserspielplatz auf Kinder und Jugendliche. Direkt am Eingang West (Albrecht-Dürer-Straße) schiebt sich das Panoramakabinett wie ein Balkon in die Landschaft. Es gibt 48 Mustergräber zu bestaunen die "Melodie des Lebens" als Beitrag der Kirchen. 750 000 Besucher wünscht sich die Stadt Bayreuth bis zum 9. Oktober. "Das ist zu schaffen!", meint Margot Hübner. Sie ist wie viele Einwohner ein absoluter Fan der Landesgartenschau.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.