Speichersdorfer Maibaum geklaut
Maibaum auf Abwegen

Magdalena Hauer (links) und Kristina Littig kümmerten sich um das Schmücken des Kranzes (weiß-rot) und der Spitze (weiß-blau) mit Stoffstreifen. Bilder: hia (2)
Freizeit BY
Bayern
02.05.2016
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Bewunderung, Verstimmung, Freude - eine eher seltene Mischung bestimmte bei den Kirwamoidla und Kirwaburschen von Alt-Speichersdorf die Tage vor dem ersten Mai. Das Maibaumfest war in Gefahr.

Speichersdorf. Alles war nach Plan angelaufen. Traditionsgemäß wurde im Januar der Maibaum geschlagen und Anfang April ins Dorf geholt. Mitte April trafen sich die 30 Aktiven um ihren neuen Vorsitzenden Patrick Pfau, um Girlanden und Kränze aus Tannen-Streu zu binden. Am Freitag sollte zunächst im internen Kreis der Baum zum Dorfplatz geholt und bis Samstag bewacht werden. Hätten da nicht auswärtige Maibaumdiebe den Kirwaburschen und Kirwamoidla einen Streich gespielt.

Samstag auf Sonntag vor einer Woche war der Maibaum aus einem Fahrsilo in der Ganghofesstrasse geklaut worden. Wer dahinter steckt, war lange unklar. "Am Sonntag ging ein anonymer Anruf mit Oberpfälzer Dialekt ein, wonach der Baum gestohlen worden ist", so Vorsitzender Patrick Pfau. Konkrete Forderungen zum Auslösen wurden aber nicht gestellt, so dass eine tagelange Hängepartie begann. Zwei Nächte waren Speichersdorfer Trupps unterwegs, um im Oberpfälzer Gebiet mögliche Diebesbanden und Verstecke ausfindig zu machen.

Erst am Mittwoch wurde man auf einem Aussiedlerhof bei Neusteinreuth fündig. Die Diebe waren Bekannte aus Kemnath, Kastl, Filchendorf, Speichersdorf und Zeulenreuth. Vereinsinterne "Maulwürfe" aus Alt-Speichersdorf und Neu-Speichersdorf hatten den Tipp gegeben. Zwei Nächte lang ergab sich keine Gelegenheit, den Baum zurückzuklauen. "Unser Baum und ein weiterer waren zu gut gesichert und bewacht", berichtete Pfau.

Der Vorsitzende zollte bei den Verhandlungen den Dieben "Respekt" für deren organisatorisches Vorgehen. Während sie über die Auslöse diskutierten, wurde ein dritter geklauter Maibaum aus Kirchenthumbach angeliefert. Die Forderung von 150 Liter Bier, 30 Liter Spezi und Grillware für 40 Personen erfüllten sie nicht. Mit leeren Händen zogen die Speichersdorfer von dannen und schmiedeten Plan B. Während dem Aufbau für das Maifest verhandelten sie im Hintergrund mit den Neusteinreuthern. Man einigte sich auf 70 Liter Bier, 30 Liter Spezi und drei Stangen Leberkäs mit 40 Semmeln.

Pfau berichtete, dass bei den Kirwaleuten auch selbst das Diebes-Gen erwachte. In einer Blitzaktion ging es in den benachbarten Ortsteil. Kurzerhand ließ man dort die Baumspitze mitgehen. "Immerhin zwei Kasten Bier Auslöse - das hat sich rentiert", freute sich Pfau. Nach tagelanger Hängepartie nach dem Klau ihres Maibaums am vorangegangenen Wochenende konnte die Kirwa-Truppe um Patrick Pfau dann doch ausgelassen das Maifest feiern.
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