Vom Bayerwald zur Donau
Wanderung den Regen flussabwärts

Freizeit BY
Bayern
23.09.2016
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Die ersten Sonnenstrahlen treffen die Wallfahrtskirche Heilbrünnl über dem Steilufer des Regen, wo man vor Jahren schon eine Sichtschneise geschlagen hat. In den Wäldern zeigen sich erste Spuren des Herbstes, der Fluss dampft nach einer kühlen Nacht.
 
Mitarbeiter der Flussmeisterstelle Roding entfernen gerade größere Treibholzstücke vom Wehr. Im Hintergrund die zwei Mühlräder von Sägewerk und Mühle bei Wiesing.

"Ein schwarzes, langsam strömendes Wasser, von sanft schwermütiger Art", so begann Bärbel Kleindorfer-Marx, die Einführung des Buches "Der Regen", das im Buch & Kunstverlag Oberpfalz erschienen war und schon lange vergriffen ist. Diesem so einfühlsam beschriebenen Fluss folgen wir ein Stück auf seinem Weg vom Bayerwald zur Donau.

Der Abgabetermin für diesen Beitrag war unerbittlich näher gerückt. So mussten wir uns in der Hitze der vorletzten Woche auf den Weg machen. Da gab es nur eins: früh aufstehen. Schon kurz nach sechs Uhr waren wir in Roding. Der Turm der Pfarrkirche St. Pankratius leuchtete in den nachtblauen Himmel und spiegelte sich im Wasser des Flusses. Vom Parkplatz am Festplatz ging es zunächst über die Regenbrücke. Gleich nach dem Haus Hauptstraße 1, zweigt links ein nicht markierter Pfad ab. Durch eine Flutmulde führt er hinüber zu den Sportplätzen.

Hochgenuss der Sinne


Feldwege und Wiesenpfade leiten weiter bis zur Straße unter der Wallfahrtskirche Heilbrünnl. Diese eineinhalb Kilometer durch die Untere Au, vorbei an den Totenbrettern und dem Bildstock der Rodinger Patrioten, waren ein Hochgenuss der Sinne. Dunstschleier hingen über den Wiesen, das Wasser des Flusses dampfte, das kalte blaue Licht wich langsam dem goldenen Licht des Morgens.

Jetzt nicht den Kreuzweg hinauf zur Kirche, sondern auf der Straße weiter nach Pollenried. Der Wegweiser tröstet uns, dass es nur 900 Meter Teerstraße wären. Zum Trost: Es ist eine Sackgasse, kaum Verkehr. Breit ist das Tal hier, auf einem Felsblock im Wasser sitzt ein Graureiher und am Gegenhang erscheint die Burg Regenpeilstein, überragt vom wuchtigen Bergfried. Jetzt kurz steil bergan, das Wasser des Flusses glitzert durchs Laub. Im Dorf, wo noch Hühner auf einem Misthaufen herumscharren, rechts ab und dem Wanderweg 56 folgen. Wenige Meter geteert, dann ein Schotterweg, der in einen Pfad im Wald übergeht.

Dieser führt am Steilufer des Regen entlang. Bald unten am Fluss, wo die Felsen ans Ufer drängen, dann wieder weiter oben. An manchen Stellen sichert ein Geländer den Pfad. Auf diesem Wegstück hielten wir oft inne. Es hat schon geherbstelt, das Laub war leicht gefärbt und dazu die Spiegelungen im Wasser. Das waren Bilder voller Harmonie, die uns in der Nachbetrachtung sagen ließen, dass dies der schönste Wegabschnitt war.

Drüben am anderen Ufer ist kurz vor Wiesing eine riesige Fensterfabrik ins Tal geklotzt worden. In einer Beschreibung der Kanutouren am Regen ist dazu angemerkt: "Wer das genehmigt hat, sollte den Bau, nur mit Hammer und Meißel ausgerüstet, wieder einreissen müssen. Doch nach 500 Metern ist der Schandfleck des Tales vorbei". Angekommen am Wiesinger Flusswehr, sehen wir die zwei Wasserräder von Mühle und Sägewerk. Hier rauscht der Fluss erstmals, für Bootswanderer ist eine Durchfahrt angelegt. Wir sind direkt am Fluss weitermarschiert, bis der Wald endet. Hier zweigt nach rechts der Weg ab, wo kurz danach ein Pavillon mit Infotafeln steht.

Jetzt geht es steil auf einem Teersträßchen bergan. Aber nur 500 Meter. Wo die Schotterstraße beginnt, rechts abbiegen. Ein Hinweisschild fordert hier die Radler zum Absteigen auf, denn 15 Prozent betrug die Steigung, die wir gerade heraufgeschwitzt haben. In leichtem Auf und Ab folgen wir eineinhalb Kilometer einer Forststraße bis zu einer großen Lichtung.

Eine Bank lädt zur Rast und die Aussicht ist zu loben. Dies merken wir eingeschränkt an, weil wir an diesem Tag gerade noch den Hohen Bogen mit seinen Türmen mehr erahnen als erkennen konnten. An klaren Herbsttagen muss dies ein wunderschönes Plätzchen mit Blick zu den Bayerwaldbergen sein. Am Waldrand entlang senkt sich nun der Weg hinunter zur Wallfahrtskirche Heilbrünnl, die wir nach etwa 600 Metern erreichen. Kirche und Wirtshaus gehören zusammen. Zuerst die Mess'und dann die Mass. Verdächtig still war es um die Wallfahrer-Gaststätte. Und dann entdeckten wir das Schild: Wegen Pächterwechsel geschlossen. Durstiger Frust. An so einem schönen Tag im Biergarten überm Regental sitzen zu können, das wäre eine längere Angelegenheit geworden. Ein Telefonat mit dem zukünftigen Wirt ergab die Info, dass es am 1. Oktober wieder losgeht.

Heilende Wirkung


Dann also in die Kirche zu "Unserer lieben Frau", wo an der Orgelempore die Entstehung der Wallfahrt erzählt wird. In ein Rotmarmorbecken vor dem Hauptaltar plätschert unablässig Wasser aus der Quelle hinter der Kirche, dem man heilende Wirkung besonders bei Augenleiden bescheinigt. Der Altar stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Engel und Putten präsentieren das Gnadenbild. Es ist eine Kopie der Marienikone "Salus populi Romani" aus Santa Maria Maggiore in Rom.

Nachdem wir noch die Totenbretter neben der Kirche gewürdigt haben, kühlten wir im Kneippbecken die Füße, tauchten die Arme ein und traten dann den Abstieg über den Kreuzweg, vorbei an einer Mariengrotte, hinunter zur Straße an. Von hier wanderten wir in der Talaue wieder auf Roding zu. Dies in der Hoffnung, möglichst bald einen schönen Wirtsgarten zu finden.

Tipps zur RouteAnfahrt: Von Amberg aus über die B 85 nach Roding, etwa 65 Kilometer. Von Weiden aus über die A 93 und die B 85, etwa 80 Kilometer. Momentan wird in Roding viel auf- und umgegraben. Parkmöglichkeiten Nähe Regenstraße am Fluss.
Sehenswertes: Zahlreiche schöne alte Bürgerhäuser, Partie am Regen, St. Anna Kapelle mit Totentanzfresko. Auf dem Weg nach Roding in Neubäu neoromanische Kirche des Architekten Johann Baptist Schott, der auch St. Josef in Weiden geplant hat. Regen abwärts ist es nicht weit zu den Klöstern Walderbach und Reichenbach. Von Roding in Richtung Cham sind es nur sechs Kilometer nach Untertraubenbach. Von dort Wanderung zu den Rötelseen unter Schloss Thierlstein.
Strecke: Knapp sieben Kilometer ist die hier beschriebene Strecke. Die Karte ATK 25/15 des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation ist eine gute Informationsquelle. Hinweis: Das erste Wegstück durch die Untere Au ist in der Karte nicht markiert.
Einkehr: Wallfahrtsgaststätte bei der Kirche, in Roding viele Wirtshäuser und Cafes.
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