17 abwechslungsreiche Kilometer durch den Veldensteiner Forst
Paradiesische Feuchtgebiete und Nürnberger Wasser

Zwischen den bemoosten Bäumen im Veldensteiner Forst zeigt der Hühnerfelsen die typischen Formen der ausgewaschenen Gesteine der Fränkischen Schweiz samt Höhle. Bei Regen oder großer Hitze ist hier ein schönes Plätzchen zum Rasten Bild: ui
Freizeit
Bayern
30.05.2015
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Neuhaus an der Pegnitz: Bahnhof | Von Uwe Ibl

Zu den Trinkwasserquellen der Stadt Nürnberg, in ein Sumpfgebiet im Pegnitztal und zu imposanten Felsformationen führt eine abwechslungsreiche Runde durch den Veldensteiner Forst. Die Wegbeschreibung fußt auf der östlichsten Tour eines neuen Wanderführers der aus Weiden stammenden Autorin Angela Nitsche für die fränkische Schweiz.

Startpunkt ist der Bahnhof in Neuhaus an der Pegnitz. Wir halten uns mit dem gelben Balken rechts, Das Mühlgässlein bringt uns in das charmant unrestaurierte Neuhauser Scheunenviertel. Rechts treibt uns die Pegnitz entgegen. Links droht fast die steilere Seite der Veldensteiner Burg. Hier krachten 2013 mehrere Tonnen Gestein auf die Fahrbahn. Im Vorort Ziegelhütte zweigt ein Sträßlein nach rechts oben ab.

Selbst wenn der Weg sich auf der Karte als Gerade abbildet: Er ist mit bemoosten Felsgebilden und alten Fichten alles andere als langweilig. Ein erster Gipfelpunkt ist bei einer großen Forstwegkreuzung erreicht. Wir folgen weiter dem gelben Balken - erst leicht, dann entschieden abwärts. Mit derselben Markierung biegen wir 10 Minuten später an der Wegspinne rechts ab. Auf der Teerstraße rechts und bei erster Gelegenheit wieder links in den Wald.

Nach weiteren 10 Minuten steht der Teufelspredigtstuhl auf einer kleinen Waldlichtung. Ein paar Meter weiter folgt noch eine kleinere Version. Sanft führt der blaue Punkt weiter nach oben. Nach einer Waldwegkreuzung geht es richtig bergab. Unten sieht man rechts im Wald die Gruppe der Hühnerfelsen. Wir folgen dem Weg des Wassers Richtung Pegnitz und biegen rechts ab, folgen der Markierung blaues Kreuz, "Fischstein".

Nach 20 Minuten unten im Tal ist die Pegnitzau zwischen Ranna und Michelfeld erreicht. Wenige Minuten weiter stoßen wir auf den Bahndamm mit einer Naturschutzgebiet -Infotafel. Rechts lockt die sonnenbeschienene offene Flur. Doch der Abstecher nach links den Bahndamm entlang ist Pflicht. Erstens sind es bis zum nördlichen Ende und zurück gerade einmal 20 Minuten und zweitens laufen wir dabei an der Schauseite der Pegnitzau entlang.

Natürliche Kontraste

Paradiesisch, fotogen, idyllisch. Zu jeder Jahreszeit, selbst bei strengem Frost, ist dieses Fleckchen von großer Schönheit - ästhetische Kontraste aus stehendem Wasser, den dahinter aufragenden Felsen und der wilden Botanik tun sich auf. Der von einem Biber angenagte Baum wirkt wie ein Kunstobjekt.

Zurück an der Infotafel setzen wir auf einem eigentlich unbefahrenen, mit Marterln und alten Obstbäumen verbrämten Teersträßlein den Weg fort. Wir wandern vorbei an der kleinen Antoniuskapelle, dem einzigen, was vom geschäftigen Eisenhammer Fischstein übrig geblieben ist. Danach vorbei am fast verlandeten Hasensee und auf der Höhe am Gedenkstein für die aufgelassenen Weiler Ober- und Unterbrand. An der Gabelung danach halten wir mit dem roten Punkt nach links auf die Pegnitz zu. Unmittelbar vor der Brücke über die Bahnlinie schlagen wir uns nach rechts auf den Feldweg.

Plötzlich ein Zaun: schier endlos und rätselhaft. Wir laufen auf der engen Spur zwischen Bahndamm und Gitter durch das manchmal sehr hohe Gras. Spätestens bei den 30er-Jahre-Bauten mit dem sehr weiblich wirkenden Wappentier wird klar, dass hier mit dem größten Trinkwasserreservoir der N-Ergie einer der Schätze der Stadt Nürnberg liegt.

Mit dem Zaun knickt unser Fußpfad nach rechts ab, und wir machen uns zusammen mit dem roten Punkt an die Ortsumgehung von Mosenberg: die Straße queren, noch vor dem Ortschild rechts, gleich wieder links, ein paar Meter Schotterstraße, dann wieder links hinauf in den Wald. "Ich mag dieses verwachsene, duftende Stück auf weichem Waldboden, auch wenn die Brombeeren an den Hosen zupfen", bekennt Autorin Nitsche in ihrem Wanderführer.

Der Burg entgegen

Nach etwa 20 Minuten stoßen wir am Waldrand auf einen zivilisierten Wirtschaftsweg. Dem folgen wir rechts zur letzten Waldpassage: hinauf, hinab, wieder hinauf und hinab. Es scheint hellgrün hinter den Bäumen, kurz darauf fällt ein erster Blick auf Burg Veldenstein. An der Lichtung dann eine Kreuzung: Der rote Punkt führt uns erst am Wald entlang, dann durch die Felder auf Neuhaus zu. Bald stoßen wir an den Bahndamm, an der folgenden Gabelung verabschiedet sich der Punkt.

Das Kapellensymbol führt unter der Bahnlinie hindurch, am alten Industrievorort Hammerschrott vorbei - die Einkehr im Landgasthof "Zur Kunstschmiede" ist empfehlenswert - und über die Pegnitz und an der örtlichen Zufahrtsstraße rechts. Am Feuerwehrhaus vorbei, steuern wir auf die Kaiser Bräu zu. An der großen Kreuzung (links Richtung Krottensee) nicht durch die Bahnunterführung, sondern den Markierungen am Bahndamm folgen. Ein kurzes, aber schönes Stück an der Pegnitz bringt uns zur Kreuzung gegenüber der evangelischen Kirche, von wo es links zurück zum Bahnhof geht.

Tipps zur RouteStatistik
17 Kilometer, Gehzeit etwas über 4 Stunden, Auf- und Abstiege je 280 Meter, höchster Punkt 475 Meter, tiefster Punkt 379 Meter.

Anfahrt
Aus Richtung Weiden auf der B 470 bis Auerbach und dann über Ranna nach Neuhaus an der Pegnitz. Aus Richtung Schwandorf und Amberg die B 85 bis Königstein, links abbiegen nach Neuhaus an der Pegnitz. Am Bahnhof gegenüber der Kaiser Bräu ist ein großer Parkplatz.

Verpflegung
Viel Wasser und ausreichend Essen mitnehmen, da unterwegs keine Einkehrmöglichkeit besteht. Mehrere Lokale und Metzger gibt es in Neuhaus. Ein Tipp ist gegen Ende der Tour in Hammerschrott der Landgasthof "Zur Kunstschmiede", Hausschlachtung, Brotzeiten, von Donnerstag bis Montag täglich ab 11 Uhr geöffnet, Telefon 09156/1331. In Neuhaus an der Pegnitz schenken drei Kommunbrauer im Wechsel ungespundetes Bier aus.

Charakter
Einsame, wald- und wasserreiche Tour voller Kultur und Landschaftserlebnisse. Wald und Flur halten sich in etwa die Waage. Höhepunkt ist die Pegnitzau zwischen Ranna und Michelfeld, die unter Naturschutz steht. Die Tour erfordert eine gewisse Kondition, ist aber einfach zu gehen. Gute Wirtschaftswege, teilweise abenteuerlich verwachsene Waldpfade, Teer nur in den Ortschaften sowie auf einem etwa eineinhalb Kilometer langen Stück im Pegnitztal.

Ausrüstung
Angela Nitsche empfiehlt (wasser-)festes, höheres Schuhwerk und unbedingt lange Hosen, da der Weg passagenweise stark zugewachsen ist.

Literatur
Angela Nitsche, "Fränkische Schweiz" aus der Reihe MM-Wandern, Michael Müller Verlag, 228 Seiten und Karte, 1. Auflage 2015, ISBN 978-3-89953-666-9
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