Aus für die «Stadlshow»
Jung und hip reicht nicht aus

Sängerin Francine Jordi und der Moderator Alexander Mazza. Bild: dpa
Freizeit
Bayern
12.01.2016
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Der «Musikantenstadl» ist Geschichte. Nun ist es auch mit der «Stadlshow» vorbei. Nur an Silvester soll es eine Neuauflage geben. Damit erfüllt sich die Prophezeiung des früheren Stadl-Moderators Andy Borg im Sommer 2015 bei seinem Abschied.

München. (dpa) Als hätte er es geahnt: «Ich glaube nicht, dass es den «Stadl» in der jetzigen Form in zehn Jahren noch geben wird», hatte Andy Borg im vergangenen Sommer erklärt. Damals war der Schlagersänger noch voller Enttäuschung über seinen Rausschmiss als Moderator des «Musikantenstadls», der zur «Stadlshow» verjüngt werden sollte. Doch der 55-Jährige sollte mit seiner Prophezeiung recht behalten. Die als «Stadl 2.0» angekündigte neue Sendung floppte. Nachdem auch an Silvester die Quoten mau geblieben waren, erklärten der Bayerische Rundfunk (BR) und seine Partnersender nun am Dienstag das Aus. Nur an Silvester sind noch Shows geplant.

Jünger, frischer, frei vom Staub aus mehr als 30 Jahren - so hatten sich die Senderverantwortlichen die neue «Stadlshow» vorgestellt. Tradition und Moderne, weniger Musikanten, aber mehr Show: dafür sollten die Sängerin Francine Jordi und der Moderator Alexander Mazza sorgen. Sie sollten das musikalische Spektrum erweitern und jüngeres Publikum anlocken. «Unser Spagat wird sein, die alten Zuschauer zu behalten und neue hinzuzugewinnen», hatte Mazza im Spätsommer erklärt. Eine schwierige Aufgabe, das war den beiden von Anfang an klar. An Silvester sollten es Heino, die Amigos, Saso Avsenik und seine Oberkrainer und viele andere richten. Doch der Plan ging nicht auf. Rund 2,8 Millionen Zuschauer schalteten ein - zwar gut 300 000 mehr als im September. Aber deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als Borg fast vier Millionen vor die Bildschirme gelockt hatte.

Dass Jordi und Mazza nun mit ihrer «Stadlshow» gescheitert sind, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie nicht so recht warm wurden mit der Sendung. Die Schweizerin Jordi kam zwar aus der Schlagerbranche. Mazza dagegen hatte sich in der Modewelt als Modell umgesehen und Sendungen wie «Brisant» (ARD), «ML Mona Lisa» (ZDF) moderiert oder vom roten Teppich bei den Filmfestspielen in Cannes berichtet.

Das war bei Karl Moik (1938-2015) anders - der «Musikantenstadl» war seine Schöpfung, seine Welt. Mit entsprechend viel Herzblut war er dabei, als er 1981 erst in Österreich, ab 1983 dann auch in Deutschland zu sehen war. Mehr als 20 Jahre lang liebten die Zuschauer ihn und seinen Stadl. 2006 übergab er das Zepter dann an Andy Borg - allerdings in einer Zeit, in der der immer mehr Shows, Filme und Serien um die Publikumsgunst buhlten. So büßte Borg Quotenpunkte ein. Doch erfolgreich war der «Musikantenstadl» immer noch.

Doch irgendwann waren die Sender nicht mehr zufrieden. «Jede große Marke braucht einen Erneuerungszyklus», hatten die Verantwortlichen im Februar 2015 das Aus für Borg begründet. Für den Schlagersänger und seine Fans ein Schock nach knapp zehn Jahren. «Jung und hip alleine, das ist kein Erfolgsrezept. Daran sollten jene, die in den Sendern Verantwortung tragen fürs Fernsehprogramm, auch denken», schimpfte Borg im vergangenen Sommer kurz vor seiner letzten Show.

Hat die Volksmusik im deutschen Fernsehen überhaupt noch einen Platz? In der neuen «Stadlshow» fühlten sich viele Fans offenbar nicht mehr so zuhause, wie im «Musikantenstadl», den Moik mehr als 20 Jahre lang mit Herzblut moderiert und immer wieder neu belebt hatte. Wütende Reaktionen bekam auch das ZDF, nachdem der Mainzer Sender 2010 den «Grand Prix der Volksmusik» abgesetzt hatte - nach 25 Jahren.

Manfred Knöpke, Vorsitzender von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager & Volksmusik in Bad Bentheim, bedauert das. Die älteren Zuschauer hätten das Nachsehen. «Für die wird alles abgeschafft», kritisiert er. Seiner Ansicht nach hatte bereits Borgs Abschied im Sommer das Stadl-Ende eingeläutet. «Andy Borg ist absolut nicht zu alt gewesen und er war beliebt», findet er. «Die Sendung hatte mehr als vier Millionen Zuschauer, warum musste man sie mit Gewalt verjüngen?»
Zumindest auf Silvester können sich Volksmusikfreunde freuen. 2016 und 2017 planen der BR, der österreichische ORF und das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) noch gemeinsame Shows nach dem altbewährten «Stadl»-Konzept.
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