Echowald-Rundwanderweg bei Mehlmeisel ein Genuss für alle Sinne
Wenn das Fichtelgebirge zurückruft

Der Name "Echowald" ist absolut gerechtfertigt: Klarer und reiner kann der Widerhall der eigenen Worte, des Pfeifens oder des Singens gar nicht sei. Bilder: Stiegler (3)
Freizeit
Bayern
04.09.2015
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Als unberührte Natur mit ausgezeichneten Wanderwegen kennt man die Gegend um Mehlmeisel. Doch der Echowald-Rundwanderweg überrascht noch mit einem ganz anderen Erlebnis - nicht für das Auge, sondern für das Ohr.

Von Holger Stiegler

Irgendwie ist es schon eine Rückkehr in die eigene Kindheit: Gemeinsam mit dem Sohn oder der Tochter steht man in der freien Natur und ruft, pfeift, klatscht oder singt laut vor sich hin. Und wartet darauf, ob ein Echo zurückkommt. Bei Mehlmeisel wird aus dem Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" Realität. Das Fichtelgebirge hält für Wanderer bekanntlich viele Naturschätze parat, der Echowald-Rundweg ist darunter ein ganz besonderer Höhepunkt.

Die Strecke ist überschaubar, rund fünf Kilometer lang ist der Rundweg. Auf große Steigungen wird verzichtet, der Höhenunterschied beträgt gerade einmal 56 Meter. Für einen Familienausflug am Nachmittag ist der Echowald die passende Strecke, für Senioren genauso geeignet wie für Kinder. Und mit einigermaßen geländetauglichen Buggys können auch die ganz Kleinen mit.

Es geht über Asphalt, wassergebundene Oberflächen, gut ausgebaute Waldwege und eine alte Bergmannsfuhre. Der Rundwanderweg bietet dem Wandererherz alles, was es begehrt: Von unberührten Wäldern mit ihrer ganz natürlichen Flora und Fauna, über malerische Wiesen, vorbei an einem Wasserfall findet man es schließlich auf einer Waldlichtung - das unvergleichbare, klare Echo.

Los geht es in Mehlmeisel in der Dorfmitte am Rathausplatz: Dort steht auch der St. Johannes-Brunnen, gehauen aus über 250 Millionen Jahre altem Kösseinegranit. Auf dem Brunnen ist der Pfarrpatron Johannes der Täufer, sowie ein Siebenstern, in dem die einzelnen Ortsteile der Gemeinde Mehlmeisel genannt werden, dargestellt.

Von dort aus geht es durchs Dorf nordwestlich in Richtung Hüttstadl. Der Weg ist gut ausgeschildert, als Wegweiser begleitet den Wanderer eine gelbe Trompete auf weißem Grund. Bald wird die alte Bergmannsfuhre erreicht. Dort, wo früher ochsenbespannte Fuhrwagen das Eisenerz zum Hochofen nach Hüttstadl/St. Veit und das gewonnene Eisen zur Veredelung zu den großen Hammerwerken nach Mehlmeisel-Unterlind transportiert haben, lässt sich heute durch die Natur wandern.

In Hüttstadl geht es auf asphaltierter Straße weiter, vorbei an der Kapelle und am vom einheimischen Bildhauer Max Nickl in Stein gehauenen Heiligen Vitus, der schützend seine rechte Hand über die Häuser des Ortes hält und mit seiner linken Hand den Blick nach oben lenkt. Der Wanderweg führt nun der Waldgrenze zu. Auf der linken Seite ragt das Waldgebiet der Forstabteilung "Schuhbrunnen" herüber, jener Echo-Wald, der dem Wanderweg den Namen gegeben hat. Wer hier das eindrucksvolle Echo testen will, der kann sich auch etwas länger auf einer Bank niederlassen. Der Weg führt nun weiter in den Fichtenwald hinein.

Nach einer Kurve geht es über den Schnaitbach und wenig später über den Lohbach. Wer Ruhe tanken will, ist hier genau richtig. Allmählich verwandelt sich der Fichten- in einen Mischwald, nach einiger Zeit taucht auf der linken Seite eine völlig ebene Fläche auf, die den Standort eines ehemaligen Holzkohlemeilers anzeigt. Von Krone zu Krone hat der Meilerplatz eine Ausdehnung von 18 Metern: Obwohl die Meilerplatte schon vor 1900 von den Köhlern verlassen wurde, sind immer noch 30 Zentimeter Kohllösche im Erdboden versteckt.

Der Weg führt weiter in Richtung der Klausenlifte, wo im Winter reger alpiner Betrieb herrscht. In Sichtweite der Parkplätze geht es nach links und auf asphaltierter Strecke zurück nach Mehlmeisel - allerdings nicht ohne zuvor das Panorama der Erhebungen des Fichtelgebirges und des Steinwaldes genossen zu haben: Im Westen der Ochsenkopf, im Norden der Schneeberg, weiter rechts folgen noch die sattelförmige Kösseine und die Hohe Platte.

Tipps zur RouteAnfahrt:
Wer aus Richtung Weiden kommt, folgt der B 470 Richtung Eschenbach. Diese in Pressath in Richtung Kemnath/Marktredwitz verlassen und bis Kulmain auf der Straße bleiben. Dort der Landstraße nach Brand folgen und Richtung Mehlmeisel abbiegen. Dann der Beschilderung "Rathaus" folgen. Wer aus Amberg kommt, fährt über Grafenwöhr und trifft ab Pressath auf dieselbe Route. Wer den Wanderweg "Echowald" in seiner ganzen Schönheit erleben möchte, kann sich über die Touristinfo Mehlmeisel (09272/979-13) einen Trompeter bestellen.

Freizeit-Tipp:
In der Nähe finden Besucher den Wildpark Mehlmeisel. Geöffnet ist der Park täglich, von April bis Oktober, 10 bis 18 Uhr, sowie von November bis März, 10 bis 16 Uhr. Touren mit Schaufütterung um 14 Uhr und um 16.30 Uhr (nur im Sommer). Eintritt: fünf Euro. Kinder von drei bis 14 Jahren zahlen drei Euro.

Einkehrmöglichkeit:
Einkehren kann man im Berggasthof Bayreuther Haus. Öffnungszeiten sind Dienstag, 10 Uhr bis 17 Uhr, sowie Mittwoch bis Sonntag, 10 Uhr bis 20 Uhr. Im Winter ist täglich geöffnet von 9.30 Uhr bis 22 Uhr.

Broschüre zum Download


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