Spielwarenmesse Nürnberg
Süßigkeiten-Wächter gegen gierige Geschwister

Zahlreiche Modelle der Figur "Stormtrooper" aus dem Film "Star Wars" sind der Hingucker in Nürnberg. Bilder: gük/dpa
Freizeit
Bayern
30.01.2016
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"Dream Islands" ist ein spannendes Familienspiel, das weit mehr als Inselhopping bietet, nämlich kurzweiligen Spaß.

Bis Montag präsentieren sich bei der Spielwarenmesse in Nürnberg 2851 Aussteller aus 67 Ländern. Auf dem komplett belegten Messegelände werden über eine Million Produkte präsentiert, darunter 75 000 Neuheiten. Neben viel technischem Spielzeug wie Robotern und Quadrocoptern setzen die Unternehmen heuer wieder verstärkt auf Klassisches.

Von Günter Kusch

Andreas muss nicht lange überlegen. Was er erfinden würde, wenn er Erfinder wäre? "Ein Kuscheltier, das nachts auf mich aufpasst", sprudelt es aus dem Zehnjährigen heraus. Mit glühenden Augen könnte es Einbrecher in die Flucht schlagen. "Oder einen Süßigkeiten-Wächter, der gierige Geschwister mit Wasserspritzern abwehrt, sobald sie ihre Hand ins Bonbonglas stecken", fügt der kleine Tüftler hinzu. Er weiß natürlich, dass das längst möglich ist.

Andreas präsentiert bei der Neuheitenschau der 67. Nürnberger Spielwarenmesse den Experimentierkasten "KosmoBits", der laut Kosmos Verlag bereits dem Nachwuchs spannende Zugänge in die Computerwelt ermöglicht. Die Kinder lernen erste Programmcodes kennen und bauen letztlich eigenständige Schaltungen. Für sein "durchdachtes Gesamtkonzept" wurde "KosmoBits" mit dem Toy Award 2016 ausgezeichnet.


Blick in die Zukunft


Bis zum 1. Februar können Fachbesucher der Messe etwa 75 000 Neuheiten bestaunen. Viele ermöglichen einen Blick in die Zukunft des Spielens. Einige werden wegweisend sein für die Entwicklung einer ganzen Branche, die zum Beispiel im Bereich der Kinderspiele 2015 ein Plus von über 20 Prozent verzeichnete. Zuwächse gab es auch bei Spielen für Kinder im Vorschulalter (zwölf Prozent) und bei klassischen Familienspielen (17,8 Prozent).

Hermann Hutter, Vorsitzender des Vereins "Spieleverlage" freut sich darüber, dass sich Puzzles und Co. gegenüber elektronischen Games wieder gut behaupten: "Der deutsche Erfindergeist setzte in den vergangenen 20 Jahren weltweit eine Art Spielekulturrevolution in Gang." Diese allgemeine Begeisterung garantiere auch zukünftig eine "gleichbleibend hohe Qualität von Spielen", fügt Hutter hinzu.

Fachkundige Forscher haben für 2016 drei weltweite Trends festgestellt, die auf Englisch so lauten: Train your Brain, Everyday Hero und Design to Play. Wobei man ersten Punkt mit "Gehirnjogging für Kinder" übersetzen könnte. Schon die Kleinsten wollen die Welt begreifen und bringen fürs Lernen die besten Voraussetzungen mit: Neugier, Unvoreingenommenheit und Spaß am Entdecken. Wichtigstes Werkzeug hierfür ist das Gehirn, das trainiert werden kann wie ein Muskel. Spielwaren, die geistige Fitness auf Vordermann bringen, so genannte "Brain Builders", unterstützen diesen natürlichen Prozess. Ob Basteln, Knobeln oder kreatives Spiel - der erste Trend "Train your Brain" schafft kluge Köpfe!

An zweiter Stelle steht der Wunsch, spielend leicht zum Alltagshelden zu werden. Immer mehr Produkte unterstützen Kinder dabei, ihre Träume zu verwirklichen. Geschult werden vor allem die soziale und emotionale Intelligenz. Und drittens wird das Spielzeug zum Designobjekt. Völlig neue Ansätze in der Farb- und Formgebung erobern Kinderzimmer und -herzen.

Da ist zum Beispiel "Hörbert", der erste kindgerechte MP3-Player aus Holz oder die "Submarine Spray Station", die mit Wasser spritzt und den Kleinen die Angst vor dem Baden nimmt. Apropos Angst: Ab sofort versorgt das oberfränkische Unternehmen Nici Jungs und Mädchen mit "Schlafmützen" gegen unruhige Nächte. Eigentlich handelt es sich dabei um Kuscheltiere mit einer Bauchtasche, in die man Zettel legt mit selbst gemalten Bildern aus schlechten Träumen.

Der deutsche Erfindergeist setzte in den vergangenen 20 Jahren weltweit eine Art Spielekulturrevolution in Gang.Hermann Hutter, Vorsitzender des Vereins "Spieleverlage"

Passend zur Fußball-Europameisterschaft, die im Juni in Frankreich angepfiffen wird, schickt Playmobil eine Arena zum Mitnehmen aufs Feld. Die Spielfiguren sind mit einer Einhand-Kickfunktion ausgestattet, was ganz gut funktioniert, wie Torwart-Trainerund "Club-Legende" Andreas Köpke bei der Neuheitenschau demonstriert.

Und wenn die Kids einmal keinen Bock aufs runde Leder haben, schicken sie einfach "Chip" ins Rennen. Der schwarz-weiße Roboter-Welpe kostet rund 199 Dollar und kann sogar Fußball spielen. Versteckte Infrarot-Sensoren ermöglichen ihm eine 360-Grad-Sicht. Wenn er einmal sein Bettchen nicht finden sollte, das zugleich als Ladestation dient, schickt er dem Besitzer einfach eine Textnachricht aufs Handy, in der er um Hilfe bittet.


"Labyrinth" wird 30 Jahre


Im Bereich der Brettspiele wird heuer gefeiert: Der Ravensburger Klassiker "Das verrückte Labyrinth" wird 30 Jahre alt. Zur Feier veröffentlicht Ravensburger die Jubiläumsausgabe "Glow in the Dark", bei der auch im Dunkeln munter geschoben und gesucht werden kann. Dank einer Leuchtfarbe werden nicht nur Gänge sichtbar, sondern auch die Schätze, die im Hellen noch verborgen blieben. Drei Magier Spiele dagegen lässt flinke Fledermäuse fliegen. Bei dem abwechslungsreichen Wettlauf "Burg Flatterstein" suchen zwei bis vier Abenteurer ab sechs Jahren den magischen Pokal. Den Weg dorthin kennen aber nur die Fledermäuse - unterwegs warten morsche Brücken und wackelige Stufen.

Wer sich von all den Mühen erholen muss, dem bleibt nur ein Antrag auf vier Wochen Urlaub. Oder ein Spiel, das die ganze Familie für 30 Minuten in südliche Gefilde führt. Auf den "Dream Islands" erhält der findigste Reiseleiter für erfüllte Aufträge nicht nur Siegpunkte, sondern ein wenig Sonne im Herzen. Da der Autor Lorenz Kutschke Theologie studiert hat und seit 2005 als Pastoralreferent der katholischen Kirche in Hannover arbeitet, dürfte auch das spirituelle Bedürfnis nicht zu kurz kommen.

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Weitere Informationen:

www.spielwarenmesse.de/

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