Streit und Ärger können krank machen – Weihnachten als Fest der Versöhnung
Ich verzeihe dir

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Freizeit
Bayern
18.01.2016
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Alles könnte so schön sein: Die Lichter des Christbaums strahlen, Weihnachtsmusik spielt, der Duft von Plätzchen und Glühwein liegt in der Luft, die gesamte Familie ist versammelt – und doch will keine friedliche Stimmung aufkommen. Man hat es versäumt, sich zu versöhnen, Streit und Ärger auszuräumen. Und nun die bittere Erkenntnis: Ein äußerer schöner Rahmen ist leicht herzustellen, doch innerliche Freude und Ausgeglichenheit lassen sich nicht so einfach verordnen. Das ist nicht nur schade, vor allem an Weihnachten, sondern kann auch gefährlich sein. Denn ständiger Streit und Ärger können auf lange Sicht krank machen.

Groll und Bitterkeit vermeiden


Psychologen und Mediziner wissen schon lange, dass Groll und Bitterkeit nicht gerade förderlich sind für die Gesundheit. Ein heftiger Streit von zehn Minuten beispielsweise können für Körper und Psyche so anstrengend sein, wie ein achtstündiger Arbeitstag. Wer immer wieder in lautstarke Gefühlsausbrüche verfällt, tut sich selbst nichts Gutes: Blutdruck und Puls erhöhen sich, die Atmung wird schneller und flacher, Blutgefäße verengen sich, Muskeln spannen sich an – die Nebenniere schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus. Während früher solche körperlichen Reaktionen für Menschen in Gefahrensituationen wichtig und richtig waren, führen derartige Ausbrüche heute mittel- und langfristig zu dauerhaftem Bluthochdruck, verengten Gefäßen und Herz-Kreislauf-Problemen. Entspannung in Zeiten, in denen die Anforderungen an den Einzelnen ohnehin hoch sind, ist wichtig. Das gelingt am besten, wenn man versöhnlich auf seine Mitmenschen zugeht, bereit ist, zu verzeihen, denn damit wird nicht nur das Gemüt, sondern auch der Kreislauf gestärkt.

Mensch, ärgere dich nicht


Mit Ärger gut umgehen, das ist für Seele und Körper gleichermaßen wichtig. Denn Ärger löst nachweislich Kopfschmerzen aus und verkürzt das Leben. Forscher und Psychologen sehen vor allem 20 Prozent der Bevölkerung gefährdet, die an einem „Feindseligkeitssyndrom“ leiden. Diese Menschen sind chronisch zum Ärger bereit, leicht erregbar und tendenziell aggressiv. Charakteristisch für diese Menschen ist, dass sie von einem Ärger in den nächsten stolpern, es gibt ständig Neues, über das sie sich aufregen können. Weitere 20 Prozent der Bevölkerung sind besonders gelassen, der Rest bewegt sich dazwischen. Darauf weist die Techniker Krankenkasse hin – und liefert auch gleich wertvolle Tipps, wie man mit Ärger umgehen kann.

Wie umgehen mit dem Ärger?


Erster Schritt: Lassen Sie zu, dass Sie sich ärgern. Ärger ist eine normale körperliche Reaktion. Ist sie erst einmal da, können Sie sie nicht auf Knopfdruck abstellen, weder mit guten Gedanken noch mit Entspannungstechniken und schon gar nicht mit dem Befehl an sich selbst, sich nicht zu ärgern. Nehmen Sie den Ärger also erst einmal an, wie er ist. Erlauben Sie sich, ihn zu fühlen, ohne gleich aktiv zu werden. Das hilft, Distanz zu gewinnen. Wenn Sie Ihren Ärger nicht zusätzlich füttern, etwa mit Grübeleien, Rachegedanken, Schuldgefühlen oder Schimpfen, wird er meist nach kurzer Zeit abklingen.

Sich nicht zum Handeln zwingen lassen


Ärger ist mit einem Impuls zum Handeln verbunden. Schreien, drohen oder angreifen, – das liegt nahe, wenn man sich ärgert. Aber nichts zwingt Sie, diesen Impulsen zu folgen. Sie können sich entscheiden, was Sie tun. Zum Beispiel dafür, erst einmal tief durchzuatmen und in Ruhe die Lage zu sichten.

Die Lage sichten


Worüber ärgere ich mich genau? Was am Verhalten des anderen stört mich? Was denke ich über seine Gründe? Wir ärgern uns über das Verhalten eines anderen Menschen vor allem, wenn wir ihm unterstellen, dass er uns mit Absicht oder purer Nachlässigkeit behindern, schaden oder herabsetzen will. Der Kollege, der uns herablassend behandelt hat. Der Autofahrer, der trotz grüner Ampel nicht über die Kreuzung fährt. Der Partner, der den Müll nicht hinausgetragen hat, obwohl er es versprochen hat. In all diesen Fällen kann das Verhalten des anderen ganz andere Gründe haben als schlechte Absichten oder Nachlässigkeit. Der Kollege hat es vielleicht eilig, der Autofahrer lässt Fußgänger passieren und der Partner ist noch nicht dazu gekommen, den Müll herunterzutragen, weil er für das Abendessen eingekauft hat. Und selbst wenn jemand uns mit Absicht schaden will, hilft es uns vermutlich nicht, wütend zu reagieren. Es würde lediglich dem anderen die Befriedigung geben, uns leiden zu sehen.

Bewusst handeln


Was ist Ihr Ziel? Wollen Sie erreichen, dass der andere sein Verhalten ändert, dann suchen Sie am besten das Gespräch mit ihm. Oder sagen Sie sich: Die Mühe muss ich mir nicht machen, den sehe ich sowieso nicht wieder? Dann ist auch Ablenkung eine gute Strategie. Sie werden Ihren Ärger auch reduzieren, wenn Sie die komische Seite der Situation sehen oder sich sagen können, dass sie es gar nicht wert ist, sich darüber aufzuregen.

Das Gespräch suchen


Wollen Sie, dass der andere sich anders verhält, sagen Sie es ihm. Am besten ohne Drohungen, Vorwürfe oder Unterstellungen. Erklären Sie ihm, was Sie gern anders hätten und warum das für Sie wichtig ist. Gelingt Ihnen ein solch sachliches Feedback, haben Sie eine gute Chance, dass der andere Ihre Wünsche in Zukunft berücksichtigt und Ihr Ärger sich sogar zum Positiven wendet. Denn in der Regel sind unsere Mitmenschen nicht auf Krawall gebürstet, sondern durchaus bereit, Kompromisse einzugehen und ein gutes Miteinander zu pflegen.

Sich ablenken


Ein rasches Abklingen des Ärgers erreichen Sie auch, wenn Sie sich ablenken und voll und ganz einer anderen Tätigkeit widmen, zum Beispiel Sport, Gartenarbeit, Musizieren oder einer anderen Aufgabe. Das hilft, schnell wieder gut drauf zu sein, und auch der Blutdruck sinkt. Wer allerdings beim Joggen ständig weiter innerlich gegen seinen Chef wettert, hat davon nichts. Er muss schon mit allen Sinnen beim Joggen sein.

Das ist der Mühe nicht wert


Ist die Situation es wirklich wert, dass Sie sich darüber aufregen? Wenn nicht, lassen Sie Ihren Ärger vorüberziehen und vergessen Sie die Situation. Diese Strategie hilft wie die Ablenkung, emotional schnell wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Lachen Sie darüber


Glücklich diejenigen, die in der Lage sind, die komische Seite der Situation zu sehen. Humor ist nicht nur sehr effektiv, um Ärger zu bewältigen, er bringt auch die gute Laune schnell zurück.

Was nicht hilft: Grübeln


Wer endlos über den Ärgeranlass grübelt und ihn sich immer wieder vor Augen führt, verlängert seinen Ärger. Dazu gehört auch, sich selbst Vorwürfe zu machen, weil man sich ärgert. Wenn Sie merken, dass Sie gerade wieder von Neuem anfangen, sich über den anderen oder sich selbst aufzuregen, können Sie sich innerlich „Stopp“ sagen und Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, sich Ihren Ärger zu erlauben und ihn ganz zu akzeptieren als natürliches, vorübergehendes Gefühl. Wenn Sie aufhören, sich selbst wegen des Ärgers unter Druck zu setzen, wird er schneller von selbst verschwinden, als wenn Sie sich oder anderen dauerhaft
Vorwürfe machen.

Schreien, Schimpfen, Schlagen


„Lass deinen Ärger raus!“ war früher eine viel propagierte Methode, um Ärger loszuwerden. Dann stellte man fest: Wer dauernd seinem Ärger unkontrolliert Luft macht, baut ihn nicht etwa ab, sondern bleibt auf einem hohen Ärgerniveau. Auf Punching-Bälle einzuschlagen, eine Schlägerei anzufangen oder ungehemmt brüllen ist deshalb nicht nützlich, wenn man seinen Ärger auf gesunde Art loswerden will.

Sich ständig unterordnen


Der Klügere gibt nach, sagt man. Das kann ab und zu sinnvoll sein. Wenn Sie jedoch dauernd nachgeben und nicht einmal versuchen, Ihre Wünsche geltend zu machen, werden Sie in der Regel nicht damit glücklich werden. Ihr Ärger bleibt und macht sich anderweitig bemerkbar.
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