64. ION in Nürnberg gedenkt an Kriegsende vor 70 Jahren - Dresdner Kammerchor und Elektro-Beat
Freiheit in allen Facetten zum Klingen bringen

"Freiheit des Übergangs": In der Kartäuserkirche im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg bringen Margret Köll (Harfe) und Guillermo Pérez (Organetto) am 21. Juni Improvisationen und Kompositionen zwischen Gotik und Renaissance zu Gehör. Bild: ION
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Bayern
18.03.2015
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Eigentlich eine ganz einfach Frage: "Wann fühlen Sie sich frei?" Eine Antwort darauf zu finden, fällt jedoch schwer. Jeder definiert den Begriff "Freiheit" anders. Die Sehnsucht nach ihr setzt aber ungeahnte Kräfte frei. Auch bei der 64. Internationalen Orgelwoche Nürnberg (ION), die sich vom 19. bis 28. Juni diesem facettenreichen Thema widmet. Die klanglichen Anregungen intonieren dabei Themen wie "Regelübertretungen, persönliche Freiheit im Denken und Tun, Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, musikalische Improvisation und natürlich die Befreiung von Krieg und Diktatur im Gedenkjahr 2015", unterstreicht der künstlerische Leiter Folkert Uhde.

Zentrale Konflikte

Für einen befreienden Auftakt sorgt bereits am 19. Juni eine außergewöhnliche Konzert-Perspektive auf Bachs Johannes-Passion in der Lorenzkirche. Chor und Solisten sind Teil des Publikums und reflektieren stellvertretend das Geschehen. In der Mitte des Gotteshauses entsteht ein "Spannungsfeld, in dem die zentralen menschlichen Konflikte und Fragen nach Schuld, Verantwortung Wahrheit und Glauben verhandelt werden", sagt Uhde. Beteiligt an diesem Diskurs sind Concerto Köln, der Chor des Bayerischen Rundfunks und Maximilian Schmidt als Evangelist. Die Leitung hat Peter Dijkstra.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs reflektiert das Konzert "Über Wunden" am 25. Juni in St. Egidien Familiengeschichten, deren Kriegswunden bis zum Ersten Weltkrieg zurückreichen. Begleitet vom Concerto Köln stellt Folkert Uhde Erzählungen der Orchestermusiker, Farbfotografien und alte Familienfotos, pazifistische Texte aus 500 Jahren und seine eigene Biografie in den Kontext von Mozarts Jupiter-Sinfonie, die in diesem Zusammenhang wie eine musikalische Utopie wirkt. Auch die "Ideengeschichte in Klängen und Texten", die bereits am 22. Juni im Memorium Nürnberger Prozesse, Schwurgerichtssaal 600, über die Bühne geht, widmet sich diesen Themen. Texte aus dem Alten Testament und aus der UN-Menschenrechts-Charta treffen hier auf elektronische Sound-Collagen.

Natürlich dürfen auch die großen Orchesterkonzerte bei der 64. ION nicht fehlen. Den ersten symphonischen Schwerpunkt setzt am 20. Juni die Staatsphilharmonie Nürnberg unter Marcus Bosch mit der Aufführung von Bruckners Symphonie Nr. 9 in d-Moll und dem Te Deum in der Lorenzkirche. Mit den Bamberger Symphonikern ist am 24. Juni eines der besten deutschen Orchester in St. Sebald zu Gast. Zu hören ist "Tod und Verklärung" von Richard Strauss und Schuberts "Unvollendete". Den Auftakt bildet György Ligetis spektakuläres Stück für 100 Metronome, die die Orchestermusiker ersetzen.

Familienorientiert

Veranstaltungen wie "Pachelbel für Alle" oder "Orgel zum Anfassen", aber auch das Renaissance-Fest im historischen Tucherschloss richten sich gezielt an Familien. Die ION-Party am 26. Juni in der Tafelhalle mit DJ Letizia Renzini aus Florenz darf nicht fehlen. So dass der Abschlussabend am 28. Juni in der Sebalduskirche schneller kommt als es einem lieb ist. Der Dresdner Kammerchor unter Leitung von Hans-Christoph Rademann präsentiert die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz und "Figure humaine" von Francis Poulenc, das 1943 während der deutschen Besatzung in Frankreich entstand und ein sehnsüchtiger Schrei nach Menschlichkeit und Freiheit ist. Karten gibt es unter Telefon 01801/2144488.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.ion-musica-sacra.de/
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