Allerdings nicht wegen der Inszenierung, die erneut Buh-Rufe provoziert, sondern wegen einer ...
"Tannhäuser" schreibt Festspiel-Geschichte

Nach da oben hätte in der ersten Szene des "Tannhäuser" ein Käfig hochfahren sollen, der den Venusberg darstellte. Das klappte jedoch nicht. Die Panne war das Aufsehenerregendste an der Inszenierung von Regisseur Sebastian Baumgarten zum Auftakt der Bayreuther Festspiele. Camilla Nylund (Elisabeth, Nichte des Landgrafen) durfte sich trotzdem vom Publikum feiern lassen. Bild: dpa
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Bayern
28.07.2014
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Die "Tannhäuser"-Inszenierung von Regisseur Sebastian Baumgarten wird in die Geschichte der Bayreuther Festspiele eingehen. So viel ist seit Freitagabend klar. Ärgerlich für den Regisseur ist nur, dass das mit seiner Interpretation von Richard Wagners berühmtem Sängerkrieg nur sehr bedingt zu tun hat.

Eine Stunde Unterbrechung

Weil ein Käfig, der den Venusberg darstellen soll, sich in der ersten Szene nicht hochfahren ließ, musste ausgerechnet die Eröffnungspremiere fast eine Stunde lang unterbrochen werden. Eine einzigartige Panne auf dem Grünen Hügel. Baumgartens "Tannhäuser" hatte es von Anfang an nicht leicht beim Bayreuther Publikum. Schon im Premierenjahr 2011 wurde die Inszenierung, die in einer Biogasanlage spielt, von den Zuschauern gnadenlos niedergebuht und von der Kritik verrissen. Inzwischen ist klar, dass Baumgartens Inszenierung 2015 weichen muss.

Trotz der Panne hatte das Publikum kein Mitleid mit dem Regisseur. Auch heuer musste Baumgarten nach der Aufführung ein Buh-Konzert über sich ergehen lassen.

Die Zuschauer feierten dagegen den Chor (Leitung: Eberhard Friedrich), Markus Eiche als Wolfram von Eschenbach und Camilla Nylund als Elisabeth. Der Applaus für Torsten Kerl als Tannhäuser fiel - passend zu seiner blassen Performance - deutlich gedämpfter aus.

Baumgarten hatte an seiner umstrittenen Inszenierung nicht viel geändert - bis auf die erzwungene Improvisation zu Beginn: Der defekte Venusberg in Form eines Affenkäfigs konnte nicht mehr in die Höhe gefahren werden, und Tannhäuser musste Venus (Michelle Breedt) auf dem Boden der Tatsachen klar machen, dass er sie verlassen und in die echte Welt zurückkehren will. Die Hoffnung einiger Zuschauer, die oft verspotteten Kaulquappen-und/oder-Spermien-Kostüme, in denen Statisten über die Bühne robben, könnten in Mitleidenschaft gezogen worden sein, zerschlug sich.

Schwangere Venus tanzt

Auch im vierten Jahr der Inszenierung musste sich das Publikum wieder ansehen, wie der junge Hirt (Katja Stuber) völlig betrunken über die Bühne torkelt und Usain Bolt imitiert oder wie die schwangere Venus beim Sängerwettstreit auf der Wartburg auftaucht und Balztänze vollführt. Auch die Frage, warum genau die Wartburg eine Biogasanlage sein soll, beantwortete die Inszenierung nicht.
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