Alma erfüllt Großvater in Tragikomödie "El Olivo" seinen letzten Wunsch
Entwurzelt und voll Hoffnung

Rafa (Pep Ambròs), Alma (Anna Castillo) und Alcachofa (Javier Gutiérrez) versuchen in Düsseldorf verzweifelt, den 2000 Jahre alten Olivenbaum der Familie zurück nach Spanien zu holen. Ihren Humor verlieren sie dabei nicht. Bild: Marino Scandurra/ Piffl Medien
Kultur BY
Bayern
25.08.2016
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München. Wie weit würde man gehen, um den letzten Wunsch eines geliebten Menschen zu erfüllen - das Unmögliche möglich zu machen? Dieser Frage geht die bewegende Tragikomödie "El Olivo" nach. Mal wehmütig, mal mit viel Humor erzählt Regisseur Icíar Bollaín die Geschichte der außergewöhnlichen Beziehung zwischen Alma und ihrem Großvater zu Zeiten der Finanzkrise und Hoffnungslosigkeit in der spanischen Provinz.

El Olivo - der Olivenbaum - ist 2000 Jahre alt und seit Generationen in Besitz von Almas Familie - bis eines Tages ein Bagger anrollt. Die finanzielle Situation der Familie ist schlecht, die Not groß. 30 000 Euro bekommen die Bauern für das prächtige Gewächs. Knarzend werden die Wurzeln aus dem Boden gezogen. Ein schmerzhafter Anblick, nicht nur für den Großvater. Er erstarrt, flüstert: "Dieser Baum ist mein Leben. Damit nehmt ihr mir mein Leben." Der Preis für die finanzielle Sicherheit ist hoch: Der Großvater versinkt in Schweigen, verweigert das Essen und vegetiert emotions- und regungslos vor sich hin. Auch Alma und ihr Vater entzweien sich. Die Mutter ist schon lange gegangen - weg von der Land-Tristesse.

Mutig und doch zerbrechlich


Die 20-Jährige Alma ist eine Kämpfernatur. In etlichen Szenen blitzt ihr dominanter Charakter über die Kinoleinwand - etwa, als sie dem egozentrischen, ja fast narzisstischen Chef ihres Freundes Rafa mutig die Stirn bietet und ihm rohe Eier gegen die Windschutzscheibe seines Wagens wirft. Seelisch sieht es anders aus.

Der Zustand ihres Großvaters belastet sie. Wird der Druck zu groß, reißt sie sich büschelweise Haarsträhnen aus. Auch Nähe kann sie nicht zulassen - außer zu ihrem Vertrauten - ihrem Großvater. Um dessen letzten Wunsch zu erfüllen, seinen geliebten Olivenbaum noch einmal zu sehen, fasst sie einen Entschluss. Sie will das Gewächs zurückholen. Dumm nur, dass dieses mittlerweile das Atrium eines Düsseldorfer Energiekonzerns ziert, das den Baum unter keinen Umständen herausrücken will.

Dennoch heckt sie mit ihrem immer etwas verplanten Onkel Alcachofa und Rafa einen Plan aus. Eine außergewöhnliche Reise voll Hoffnung, Rückschläge und Enttäuschungen beginnt, die in einem ungleichen Kampf um das Seelenheil von Alma und ihrem Großvater mündet. Auf ein Happy End wartet der Kinobesucher vergeblich. Doch er erhält tiefe Einblicke in eine Welt der bedingungslosen Liebe aus Sicht einer unermüdlichen Protagonistin, die getrieben durch die glücklichen Erinnerungen an ihre Kindheit das scheinbar Unmögliche wagt - und doch ein Stück weit gewinnt.

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Regie: Icíar Bollaín - Mit Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs - Musik: Pascal Gaigne - 99 Minuten - frei ab 6 Jahren - Im Netz: www.el-olivo-film.de
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