Alt-Abt und Bestsellerautor Odilo Lechner begeht seinen 85. Geburtstag
Leben heißt Antworten geben

Alt-Abt Odilo Lechner. Bild: dpa
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Bayern
19.01.2016
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München. (KNA) Den inoffiziellen Titel "Alt-Abt" trägt Odilo Lechner seit 2003. Damals gab er nach 39 Jahren die Leitung von Sankt Bonifaz in München und Kloster Andechs ab. Schwer sei es ihm nicht gefallen, weil man an sich gewisse Ermüdungserscheinungen verspüre. Ungewohnt war es dennoch. "Auf einmal hat man halt nichts mehr zu sagen", meinte der Benediktiner einmal. Seiner Popularität tat dies keinen Abbruch. Er nutzt die freie Zeit für Vorträge und zum Bücherschreiben.

Zu seinem 85. Geburtstag am Montag, 25. Januar, erscheint im Vier-Türme-Verlag sein neuer Titel "Wozu sind wir auf Erden?". In einem Briefwechsel mit Winfried Nonhoff spüren beide der Frage nach dem Sinn des Lebens nach, die für Lechner auch eine Bestandsaufnahme des eigenen Werdegangs gewesen sein dürfte.

Der Berufswunsch Priester und Ordensmann musste bei dem gebürtigen Münchener Hans Helmut Lechner erst reifen. Der Sohn eines Bankbeamten wuchs als Einzelkind auf. Er spielte zwar früh mit einer Pfarrerpuppe, doch schwebte ihm vor, ein "berühmter Dichter" zu werden. Doch war da auch die religiöse Sehnsucht nach den Kriegsjahren. Vieles sei damals zusammengebrochen, "doch der Gottesdienst blieb derselbe, gab Trost und Kraft". Lechner beschäftigte sich mit dem Sinn des Lebens. Wie in manchen Heiligenlegenden erwartete er, Gott würde ihm eine Weisung erteilen. "Sie blieb aus - auch wenn ich darum betete und von mir aus Zukunftsvisionen entwarf."

So machte er 1949 sein Abitur im Klostergymnasium Metten und ging zum Studium zurück nach München: "Ich merkte, dass ich selbst nach dem Willen Gottes suchen musste, um ein sinnvolles Leben zu finden." Nicht nur philosophische und theologische Vorlesungen begeisterten ihn, sondern auch solche in Psychologie, Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte.

1952 trat er in Sankt Bonifaz ein. Als Wahlspruch wählte sich Lechner "Dilatato corde - Mit weitem Herzen" aus der Regel des heiligen Benedikt. Nach dieser Maxime leitete er beide Klöster. Mit den Freiheiten, die er ließ, entstand viel Gutes. In Sankt Bonifaz gibt es heute eine Hilfe für Obdachlose. Sie erhalten warmes Essen, Kleidung und werden ambulant versorgt, wenn sie krank oder verletzt sind. In Andechs florieren Brauerei und Gastwirtschaft.

"Alle meine Aufgaben brachten neue Perspektiven", resümiert der Alt-Abt. "Und doch muss ich mich manchmal fragen, ob darin wirklich der Sinn meines Daseins erfüllt wurde." Das Wichtigste im Leben sei es, Antworten zu geben. Wenn er zurückschaue, erkenne er die vielen Anrufe, "die beantwortet zu haben ich heute als Glücksfall sehe".
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