Angus Young & Co. rocken Nürnberg auf Deutschlandtournee
AC/DC: Rock ’n’ Roll am obersten Limit

AC/DC
Kultur BY
Bayern
11.05.2015
12
0

AC/DC ist die ehrlichste Rockband der Welt. Einer der verlässlichsten Faktoren in der Musikwelt. Seit mehr als 40 Jahren fegen die Australier über die Bühne. 75 000 Fans feiern am Freitagabend in Nürnberg Angus Young und Co. Aber die Zuhörer ahnen – es könnte die letzte große Tour gewesen sein.

Die Kanonen feuern aus allen Rohren in den Nürnberger Abendhimmel. „For those about to rock“: Traditionell die letzte Nummer bei AC/DC-Konzerten. Um 22.45 Uhr ist am Freitag nach zwei Stunden Schluss am Zeppelinfeld. Die Band hat sich total verausgabt. Allen voran Gitarrist Angus Young. Die Schnappatmung des 60-Jährigen läuft auf Hochtouren. AC/DC – „We salute you“. Aber möglicherweise nicht mehr lange.

75.000 Tickets binnen 17 Minuten ausverkauft

Binnen 17 Minuten waren die 75 000 Tickets für den Auftakt der Deutschland-Tour von AC/DC in der Frankenmetropole ausverkauft. Rock or Bust“, so heißt das Ende 2014 erschienene neue Album und lautet das Motto der Konzertreihe in den größten Stadien. „Rocken oder Kaputtgehen“. Wie treffend. Denn AC/DC spielen am Limit. Die Päuschen zwischen den Stücken werden länger. Der 67-jährige Sänger Brian Johnson presst die Töne raus, bis er zu platzen droht. Kein großer Schnickschnack, kein aufgesetztes Entertainment, keine musikalischen Experimente. AC/DC liefern das Handwerk ab, für das sie Millionen Rockfans lieben.

Personeller Aderlass

Der Aderlass beim Personal der Band hat jedoch bereits deutlich begonnen. Der kahlköpfige Chris Slade ist am Schlagzeug ein perfekter Ersatz von Kettenraucher Phil Rudd, der sich wegen Morddrohungen und Drogenhandels in Neuseeland vor Gericht verantworten muss. Nach einem Geständnis wurde Rudd bis zur Urteilsverkündung Ende Juni gegen Kaution freigelassen. Ähnlich souverän vertritt Stevie Young seinen an Demenz erkrankten Onkel Malcom Young an der Rhythmusgitarre. Malcom war der Kopf der Band, der Schrittmacher. Sein Ende hat die Band hart getroffen. Bruder Angus ist damit das letzte verbliebene Gründungsmitglied.

Alt, aber sicher nicht leise: Die legendäre Hardrockband AC/DC dreht auch nach mehr als 40 Jahren im Showgeschäft noch voll auf. Zwei Stunden lang rocken die Australier zum Auftakt ihrer Deutschlandtournee am Freitagabend in Nürnberg die Menge - und 75 000 Fans jubeln ihnen auf dem Zeppelinfeld begeistert zu.

Angus Young der unumstrittene Star von AC/DC

Der Gitarrist ist der unumstrittene Star. Die Schuljungen-Uniform bleibt sein Markenzeichen. In rotem Cordsamt-Jackett, kurzer Hose, schwarzer Krawatte, weißen Strümpfen und einem dicken Pflaster auf dem linken Knie hüpft der 1,56 Meter kleine Musiker von links nach rechts über die XXL-Bühne und zurück. Er spielt seine Soli wie von Sinnen und zappelnd auf dem Rücken liegend. Kann das noch ewig gut gehen, ohne dass es peinlich wirkt? Zweifel sind angebracht. Die treuen Fans genießen den Moment und feiern Young euphorisch, als er bei „Let there be rock“ als letzte Nummer vor den zwei Zugaben mehr als zehn Minuten alleine in die Saiten haut.

Der Zahn der Zeit

Die neuen Songs unterscheiden sich mit ihren knallharten Riffs und den Grundakkorden um keinen Millimeter vom alten Material. Es ist der unverwechselbare und unsterbliche Rock ’n’ Roll von AC/DC. Bei „Hells Bells“ läutet die Mega-Glocke, bei „Whole lotta Rosie“ wird die Riesenpuppe aufgeblasen, bei „Highway to hell“ leuchtet das Höllenfeuer. Da ist kein Platz für Experimente. Aber ein Blick in die Gesichter von Young und Johnson auf den riesigen Leinwänden verrät: Diese Band ist an ihren Grenzen angelangt. Der Zahn der Zeit nagt auch an dieser schier unendlichen Rock ’n’ Roll-Party. Aber für diesen Abend reicht die Energie von AC/DC noch. 75 000facher Jubel kann nicht lügen.