'Aufführung von „Geschichte des Soldaten“
Pakt mit dem Teufel

Im Märchenspiel von Igor Strawinsky steht der Kampf zwischen Gut und Böse im Mittelpunkt, aber auch um den Wert und die Flüchtigkeit des Glücks im Leben. Bild: sbs
Kultur BY
Bayern
13.05.2016
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"Niemand kann alles haben, man muss zu wählen wissen" - mit diesen Worten liefert der Dichter Charles F. Ramuz die Moral zu Strawinskys "Geschichte des Soldaten" am Ende gleich mit. Und so hat er wohl nicht nur damals, sondern auch heute den Nerv der Zeit getroffen.

Bayreuth. In dem allegorischen Märchenspiel, das Igor Strawinsky während des Ersten Weltkrieges komponierte, geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen materiellen und ideellen Werten, aber auch um den Wert und die Flüchtigkeit des Glücks. Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass die Musica Bayreuth ausgerechnet im Jahr 2016 jenes moderne Stück präsentiert - und das an einem Ort, wie er geeigneter nicht sein könnte.

Denn die Panzerhalle mit ihrer provisorischen Bühne und der grauen Kulisse ist die ehemalige Markgrafenkaserne, wo bis vor einigen Jahren tatsächlich noch Soldaten stationiert waren. Ursprünglich hatte der Komponist sein Märchenspiel als Tourneetheater für ein kleines Ensemble, dessen Besetzung der einer zeitgenössischen Jazzband ähnelt, sowie vier Schauspieler und eine Tänzerin engagiert.

Bildliche Darstellung


Doch in der Version der Bamberger Symphoniker, die an jenem Abend auf dem Programm steht, ist alles anders: Drei der vier Schauspieler und die Tänzerin werden von einer Minute auf die andere an eine Operettenbühne berufen und der Regisseur und Darsteller des Teufels hat auch noch sämtliche Requisiten mitgenommen. Übrig bleiben nur Isabel Karajan, die mit jeweils einem Soldatenstiefel und einem "Teufelsschuh" Erzählerin, Teufel und Soldat gleichzeitig verkörpert sowie die Musiker, die ohne Probe auf die Bühne stolpern und unversehens Teil des Geschehens werden: Mayra Bdagjan (Violine), Luuk Godwaldt (Kontrabass), Alexei Tkachuk (Fagott), Christoph Müller (Klarinette), Lutz Randow (Trompete), Angelos Kritikos (Posaune) und Jens Herz (Schlagzeug).

Da steht er nun, der arme Soldat, der nach dem Krieg in sein Heimatdorf zurückkehren will, sich aber unterwegs auf einen Pakt mit dem Teufel einlässt. Um zu Reichtum zu gelangen, tauscht er seine Geige gegen ein Buch ein. Das scheint zunächst zu gelingen, aber glücklich wird er dabei nicht. Denn es sind nicht drei Tage, in denen er dem Teufel das Spielen auf der Geige beibringt, sondern drei Jahre, und so wird er in seiner Heimat nicht mehr erkannt und auch seine Braut ist schon vergeben. Bei einem Kartenspiel mit dem betrunkenen Teufel bekommt der Soldat seine Geige wieder zurück, heilt damit die Prinzessin und heiratet sie - allerdings mit einem Deal: Er darf die Heimatgrenze nicht überschreiten.

Runde Sache


Am Ende tut er es doch und soll dem Teufel in sein Reich folgen. In der Interpretation der Bamberger Symphoniker, die selbst Teil der Handlung sind, wird die teils grelle, teils melancholische Musik und nicht zuletzt der immer wieder zitierte "Marsch des Soldaten" zu einem fast wahnwitzigen, aber genialen Ganzen. Aber was wäre all das ohne die fantastische Schauspielerin Isabel Karajan, die in den einzelnen Rollen aufgeht und dabei zum Soldaten und Teufel in einer Person wird.
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