Ausstellung des FC Bayern München "Juden im deutschen Fußball" - Ex-Präsident Kurt Landauer ...
Erinnerung an vergessene Helden

Uri Siegel, der Neffe des früheren FC Bayern-Präsidenten Landauer (von links), die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, und der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge eröffneten die Ausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München". Bild: dpa
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Bayern
27.01.2015
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In seinen ersten zehn Jahren beim FC Bayern hatte Karl-Heinz Rummenigge noch nie von Kurt Landauer gehört. Von dem Mann, der den Verein 1932 zum ersten Meistertitel geführt und ihn nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hatte. Der Grund, warum Landauer vielen bis heute nicht bekannt ist, liegt in einem dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit: Landauer war Jude und wurde von den Nationalsozialisten 30 Tage im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, bevor er in die Schweiz flüchtete.

Kicker, Kämpfer, Legenden

Das Schicksal Landauers ist nur eine der Geschichten, die seit Montag in der Sonderausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern" in der FC Bayern Erlebniswelt in München erzählt wird. Auf den Stellwänden finden sich auch die Biografien von anderen Größen des Sports wie Walther Bensemann, Gründer des Magazins "Kicker", und des ehemaligen Nationalspielers Julius Hirsch. Die Geschichte jüdischer Fußballclubs sowie Diskriminierung und Rassismus im Fußball werden bei der Ausstellung, die bis 12. April zu sehen ist, ebenfalls thematisiert.

Mit der Sonderausstellung will sich der Verein mit einem Aspekt des deutschen Fußballs auseinandersetzen, über den ansonsten gerne geschwiegen wird. "Wir haben etwas korrigiert, was beim FC Bayern in Vergessenheit geraten ist", sagte Rummenigge bei der Eröffnung der Ausstellung. Auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, lobte den Beitrag des Vereins zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Die gesellschaftliche Bedeutung des Sports ermögliche das gerade im Fußball. "Viele wollen nicht in Dokumentationszentren oder Museen gehen, aber sie gehen hierher - weil sie mit dem Sport verbunden sind."

Die Wanderausstellung über Juden im deutschen Fußball wurde 2006 anlässlich der Weltmeisterschaft im eigenen Land ins Leben gerufen. In der FC Bayern Erlebniswelt wurde sie in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem Stadtarchiv München um mehrere Exponate ergänzt. So können Besucher beispielsweise einen Blick auf das Zugangsbuch des Konzentrationslagers werfen, in dem unter dem Datum 10. November 1938 der Name Landauer eingetragen ist.

Ehrenpräsident Landauer

Aber die Ausstellung berichtet nicht nur von Opfern des NS-Regimes. Sie erzählt auch von mehreren "Dietwarten", die die Einhaltung "nationalsozialistischer Standards" beim FC Bayern sicherstellen sollten. Das hatte auch Rummenigge vor seinem Rundgang durch die Ausstellung nicht gewusst: "Wir haben immer geglaubt, dass wir anders waren. Aber wir stellen uns unserer Vergangenheit."

Zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte gehört auch die Ernennung Landauers zum Ehrenpräsidenten 2013, 52 Jahre nach seinem Tod. "Wir können ihm nur posthum danken", sagte Rummenigge. Der Vorplatz der Allianz-Arena soll nach dem früheren Präsidenten benannt werden.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.fcb-erlebniswelt.de/de
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