Ausstellung im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum
"Die lustige Spielzeugschachtel"

Die Ausstellung in Regen präsentiert eine bunte Spielzeugwelt. Dieser Bauernhof enthält Figuren aus der Zeit zwischen 1930 und 1950.
Kultur BY
Bayern
24.12.2015
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Der kerzentragende Engel ist gemeinsam mit dem Bergmann zu einem Wahrzeichen der Holzprodukte aus dem Erzgebirge geworden.

Das Erzgebirge ist bekannt für sein weihnachtlich angehauchtes Holzspielzeug. Eine Ausstellung im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum Regen entführt nun in die bunte und fantastische Welt der Nussknacker und Räuchermännchen.

Die lustige Spielzeugschachtel", so lautet der Titel der aktuellen Sonderschau des Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseums Regen. In eine Art fröhliche Spielzeugkiste hat sich dazu auch der Ausstellungsraum des Museums selbst verwandelt. Kunterbunte Holztiere, Nussknacker und Eisenbahnen aus dem Erzgebirge setzen sich hier in einer ausgelassenen Mischung über manchen Zwang hinweg.

Historische Einordnungen etwa spielen kaum eine Rolle - die kleine Holzfällerhütte von 1996 steht neben passenden Figuren aus den 50-er Jahren. Und auch der ansonsten gerne erwähnte harte Alltag der Spielzeughersteller fällt hier kaum ins Bewusstsein. Alles in allem wird die Ausstellung ihrem selbst auferlegten Ziel gerecht: Sie ist "ein Erlebnis für die ganze Familie".

Bei all der verspielten Harmlosigkeit wird in der Schau allerdings nicht versäumt, auf zeitliche Veränderungen hinzuweisen. "Längst dominiert Spielzeug aus Plastik die Kinderzimmer", heißt es hier. Dabei sei es noch gar nicht so lange her, dass Figuren, Häuser und Wägelchen fast ausschließlich aus Holz hergestellt wurden.

Dieser lieblichen Welt aus dem Naturmaterial ist die Schau gewidmet. Ihr Titel bringt es auf den Punkt: "Die lustige Spielzeugschachtel. Holzminiaturen aus dem Erzgebirge." Als eine der bekanntesten Gegenden für die Herstellung von Holzspielzeug rücken das Erzgebirge und dessen Erzeugnisse in den Fokus der Präsentation.

Gezeigt werden Stücke aus dem Besitz Norbert Kuttas. Der in Garching lebende Sammler von Holzspielzeug gilt als Spezialist auf dem Gebiet. Für das Niederbayerische Landwirtschaftsmuseum hat er eine Formation stattlicher Nussknacker, Lichter-Engel, Räuchermännchen und anderer Gesellen nach Regen gesandt.

"In Miniaturform gibt es einfach alles, was man sich vorstellen kann", so die Äußerung des Sammlers über die Holzfiguren, die bevorzugt die Welt in klein darstellen. "Und was man sich nicht vorstellen kann, das gibt es auch."

Saisonale Stimmung


Für die Besucher der Ausstellung in Regen bedeutet das: Bergmänner und Soldaten, Engel und Krippenfiguren, afrikanische Tiere, Kasperletheater, Bauernhöfe, "Paradiesgruppen" bestehend aus Adam, Eva, Baum und Schlange, sowie ein ganzer Jahrmarkt aus Holz. Weihnachtspyramiden vermitteln saisonale Stimmung. Abzeichen des Winterhilfswerks bringen leichte Kratzer ins friedliche Idyll.

"Die Spielzeuge wurden hauptsächlich zwischen den Weltkriegen hergestellt", geht Sammler Kutta dann auch auf den zeitlichen Hintergrund der meisten Ausstellungsstücke ein. Dass dieser nicht immer frisch, fromm, fröhlich war, lassen auch Hinweise auf die Produktion der Figuren erahnen.

Seit jeher werden diese nämlich in Handarbeit gedrechselt, geschnitzt, bemalt und anschließend - namensgebend für die Schau - in Spanschachteln verpackt. Die Herstellung von Reifentieren - Scheibe für Scheibe abgeschnitten von einem entsprechend profilierten Ring - ist in der Ausstellung veranschaulicht. Dass Kinderarbeit bei der zu Hause betriebenen Spielzeugmacherei "weit verbreitet war", erwähnt eine Texttafel am Rande.

Längst vergangene Missstände aufzuzeigen liegt aber eindeutig nicht im Interesse der Regener Schau, die erklärtermaßen "Groß und Klein erfreuen" will. "Die Ausstellung entführt den Betrachter in die unbeschwerte Welt der Kindheit und der Fantasie", heißt es über die Präsentation, die ebenso liebevoll gestaltet ist, wie die gezeigten Stücke selbst.

Für Adel und Bürgertum


Dass sich hier jedermann sattsehen darf an einer "unüberschaubaren Anzahl von Holzmännchen" entspricht nicht dem eigentlichen Verwendungszweck des Spielzeugs. Ursprünglich war dieses nämlich Kindern aus reichem Hause vorbehalten. Adel und Bürgertum machten die ersten Abnehmer der bunten Figuren aus. Dass das Spielzeug seit der Mitte des 18. Jahrhunderts vom Erzgebirge aus in die Kinderzimmer strömte, hatte wirtschaftliche Hintergründe: Die Spielzeugindustrie entwickelte sich im waldreichen Erzgebirge aufgrund von Krisen im dort eigentlich betriebenen Bergbau.

Auf diesen für das Erzgebirge ebenso typischen Industriezweig verweist noch heute ein traditioneller Botschafter des Erzgebirges: Kerzenhalter in Form von Bergmännern gab es schon früher in den Kirchen des Erzgebirges. Aus Holz gedrechselte Nachfahren dieser sakralen Ausstattungsstücke brachten den Bergmann über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Bald schon wurde er begleitet von einem ebenfalls als Kerzenhalter dienenden Engel.

Ein Erlebnis


Gemeinsam mit Räuchermännchen und Nussknackern bringen die Bergmänner und Engel eine weihnachtliche Atmosphäre in die Thematik, die an sich schon zur Jahreszeit passt. Denn: Zu Zeiten der DDR veränderten viele Spielzeugmacher des Erzgebirges ihre Erzeugnisse in Richtung Weihnachtsartikel. Von dieser Entwicklung profitiert nicht zuletzt die Sonderausstellung in Regen. Mit ihrer Mischung aus Spielzeug und Weihnachten ist die Schau vor allem eines: Ein Erlebnis für die ganze Familie.

ServiceAusstellung: "Die lustige Spielzeugschachtel. Holzminiaturen aus dem Erzgebirge": Bis 28. Februar 2016.

Ort: Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum, Schulgasse 2, in Regen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Am Heiligabend ist geschlossen.

Information: Die Schau wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Weitere Infos gibt es unter Telefon 09921/ 60426.

Weitere Informationen im Internet: www.nlm-regen.de
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