Ausstellung "Inszeniert!" in der Kunsthalle in München
Die ganze Welt als Bühne

Die Installationen "Hans", "Kacia" und "Albert" des Künstlers Schinwald sind in der Kunsthalle in München in der Ausstelllung "Inszeninert! Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst" zu sehen. Bild: Sven Hoppe/dpa
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Bayern
25.08.2016
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Im Smartphone-Zeitalter ist Selbstdarstellung zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch die zeitgenössische Kunst weiß sich zu inszenieren, wie eine neue Münchner Schau in der Kunsthalle zeigt.

München. Schon William Shakespeare wusste in "Wie es euch gefällt", dass die ganze Welt eine Bühne ist und alle Menschen bloße Spieler. Die zeitgenössische Kunst greift gern auf Spektakel und Rollenspiel zurück. "Inszeniert!" heißt deshalb die neue Schau in der Münchner Kunsthalle, die vom 19. August bis zum 6. November 90 besondere Stücke aus der Sammlung Goetz zeigt.

Die Losung gilt sogar für das Haus selbst. Während das in die Jahre gekommene Café noch umgebaut wird, ist die Haustechnik bereits modernisiert. Künftige Ausstellungen werden zudem über Bildschirme im Vorraum angekündigt. Der Besucher ist da schon fast mittendrin in der Schau. Bevor er sich auf den Parcours wagt, begrüßt ihn die Goldfigur "Tala" (2007) im Dienstmädchenlook mit weißer Schürze von Elmgreen & Dragset. Die beiden Skandinavier griffen bewusst einen gegenwärtigen soziologischen Diskurs auf, heißt es im Katalog. Denn es stellt sich die Frage: Hat es der Betrachter noch mit einer unersetzlichen Hilfskraft im Alltag zu tun, oder ist sie in ihrem aufopfernden Beruf bereits erstarrt?

Verlassene Rundbühne


Gleich im ersten Raum wagt das Künstlerduo den Blick hinter die Kulissen des Showbiz. Dazu gehört mit "Go! Go! Go!" (2005) eine verlassene Rundbühne. Statt einer Tänzerin an der Stange, liegt der Wischmop quer über dem beleuchteten Boden. Daneben stehen der Putzeimer samt Gummihandschuhen sowie das leuchtend gelbe Schild, das vor einem nassem Boden warnt. Drastischer ist die ebenfalls von den Skandinaviern stammende verlassene Künstlergarderobe: der Stuhl umgestoßen, von der Decke hängt ein Henkerseil. Die Installation korrespondiert mit den Bilderreihen der US-Fotografin Nan Goldin. Darauf zu sehen sind Dragqueens (1992), die sich in Bangkok fertig machen für den Auftritt beziehungsweise perfekt geschminkt das lockende Weib auf der Bühne verkörpern.

Mike Kelley (1954-2012) setzt sich in seiner Arbeit "Der einsame Vampir" kritisch mit dem Wertesystem der amerikanischen Kultur und dem Faible der Gesellschaft für Halloween auseinander. Im dunklen Raum vor roter Wand und rotem Vorhang dreht sich auf dem Teppichboden ein alter Stuhl, über dessen Lehne das Cape des Hauptdarstellers hängt.

Der blutrünstige Besitzer ist derweil auf zwei Fotos und in einem Videofilm zu sehen. Mit der mystischen Musik mag diese Inszenierung den einen oder anderen Schauder produzieren, sie soll aber zugleich das Laientheater persiflieren. 20 namhafte Künstler sind vertreten, darunter Matthew Barney, Stan Douglas, Candida Höfer, Ulrike Ottinger, Cindy Sherman und Jeff Wall. Ihre Exponate entstanden zwischen 1972 und 2013 und setzen sich mit Theaterarchitektur als kulturellem und gesellschaftlichem Raum sowie mit dem Illusionismus auseinander.

Rockstar und Krimskrams


Paul Pfeiffer hat für "Study for Jerusalem" (2006) Konzerte gefilmt und entsprechend digital bearbeitet. In ihnen wird der Rockstar wie ein kirchlicher Würdenträger gefeiert. Der Film mit Lightshow, Nebel und Applaus lässt sich durch ein Fenster in einem auf einem Block stehenden Holzhäuschen betrachten. Noch spielerischer geht Hans-Peter Feldmann vor.

"Schatten" heißt sein Werk von 2005. Dafür hat der Besitzer eines Trödlerladens eine Reihe seiner Schätze zusammengetragen. Ob Porzellanengel, Wasserpistole, Räuchermännchen, Vogel - den Krimskrams stellt er auf rechteckige Drehplatten.
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