Ausstellung "Marktredwitz und seine Tradition der Landschaftskrippe"
Staunen und schmunzeln

Traditionell spielt sich das Marktredwitzer Krippengeschehen vor einer alpinen Kulisse ab. Diese "Alpensehnsucht" entstand bereits im 19. Jahrhundert im Zuge der Entdeckung des Hochgebirges durch Adlige und wohlhabende Bürger, klärt Museumsleiter Volker Dittmar auf. Bild: hfz
Kultur BY
Bayern
30.11.2016
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Eine Blockkrippe von Norbert Roth. Das Egerland-Museum zeigt sieben sehr aufwendig geschnitzte Krippen aus der Tiroler Partnerstadt. Rund 600 Krippen hat der Künstler im Laufe seines Lebens gefertigt. Jede einzelne ist ein Unikat, das mit theologischen und tiefgründigen Ansätzen interpretiert werden kann. Norbert Roth wurde 1913 in Vils geboren und starb im Jahr 2012. Bild: hfz

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit öffnen Marktredwitzer Familien ihre Türen. Besucher von nah und fern kommen zum "Krippenschauen". Nun widmet sich eine neue Abteilung des Egerland-Museums der Tradition der Landschaftskrippe.

Marktredwitz. "Schon seit 1988 zeigt der weit über die Grenzen des Landkreises Wunsiedel hinaus bekannte ,Marktredwitzer Krippenweg' die schönsten und größten Landschaftskrippen", freute sich dritter Bürgermeister Heinz Dreher bei der Eröffnung der Dauerausstellung "Marktredwitz und seine Tradition der Landschaftskrippen". Herzstück der Ausstellung seien die vielen Krippenfiguren aus Ton, die bis zu 150 Jahre alt seien. "Fundstücke aus den alten Töpferwerkstätten machen die Ausstellung lebendig und regen die Fantasie zu einer spannenden Zeitreise in die Vergangenheit an." Der Bundesvüarstäiha der Egerländer Gmoin, Volker Jobst, sagte: "Ich freue mich sehr über diese Ausstellung, in der auch Tonfiguren zu finden sind, die zum Beispiel die Egerländer Dudelsackmusik in ihrer typischen Besetzung darstellen."

"Die Krippenleidenschaft in Marktredwitz überrascht", erläutert Volker Dittmar. Denn Marktredwitz sei seit 1560 überwiegend evangelisch. "Das Krippenaufstellen ist eigentlich ein katholischer Brauch", informiert der Leiter des Egerland-Museums. Im evangelischen Marktredwitz habe sich in puncto Krippen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht viel getan. "Dann jedoch wurden im Fichtelgebirge und eben auch in Marktredwitz als evangelische Antwort auf die katholische Krippe sogenannte Schäfer- oder Jägergärten aufgestellt. Viele Figuren aus Ton oder Holz bevölkerten diese Miniaturlandschaften, die geschickte Hände aus Moosen, Wurzeln, Rinden, Steinen und vielem mehr geschaffen haben." Dittmar verweist im Gespräch mit unserer Zeitung auf die enge Verwandtschaft zu den Weihnachtsgärten und -bergen anderer protestantischer Gebiete, die sich wie ein Band vom angrenzenden Ascher Ländchen über die Höhenzüge des Erzgebirges erstreckten. "Insofern fand hier schon vor langer Zeit ein reger grenzüberschreitender bayerisch-böhmisch-sächsischer Kulturaustausch statt." Bei den Darstellungen wurde größtenteils die Geburt Christi nicht thematisiert, weiß der Museumsleiter. "Stattdessen erfreuten sich Alltagsszenen aus dem kleinbürgerlichen Milieu großer Beliebtheit."

Formenreich


Um 1850 gelang in Marktredwitz mit den "Dammhafnern" (Töpferfamilie Meyer) und ihrem reichen Figurenprogramm der Durchbruch vom einfachen Schäfergarten zur Landschaftskrippe, berichtet Volker Dittmar. "Ab dieser Zeit fertigten die Dammhafner in Marktredwitz weltliche und biblische Tonfiguren. Zeitversetzt ist auch die Familie Patz in diese Produktnische eingestiegen." Die Krippenfiguren aus Ton gestalteten sie so reizvoll und formenreich, dass Marktredwitzer Bürger damit eigene Landschaftskrippen bestückten. "Sie zeigen am Rand die Geburt Christi, im Gesamten aber die ganze Welt des Volkslebens." Die neue Ausstellung beschäftigt sich mit dem Marktredwitzer Töpferhandwerk und der Figurenvielfalt, die im Laufe von 150 Jahren enorme Ausmaße annahm. Inszenierungen und Medienstationen geben Einblicke in die Arbeitswelt der Töpferfamilie Meyer.

Unter dem Motto "orientalische Landschaft mit Geburtsstall" trifft "bayerisches Volksleben" sind typische Marktredwitzer Krippenszenen und kuriose "Stickla" zusammengestellt. Ein Herzstück dieser Abteilung ist die große Tonfigurensammlung des Sammlers Karl Schenkl, die von der Oberfrankenstiftung dem Egerland-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung steht. Gezeigt werden viele Dioramen mit figürlichen Szenen. Einbezogen werden auch Marktredwitzer Kuriositäten und stadtbekannte Persönlichkeiten. Für viele Marktredwitzer gehört der Aufbau der Krippe zu den schönsten Kindheitserinnerungen. So entstanden über Generationen große Sammlungen von Marktredwitzer Tonfiguren, die heute noch den Krippenweg bereichern. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Wohnhäusern, Turnhallen oder Vereinslokalen große Landschaftskrippen zur Schau gestellt. Um 1900 soll es bereits mehr als 100 Krippen in Marktredwitz, den heutigen Ortsteilen Brand, Dörflas und Lorenzreuth sowie im benachbarten Waldershof gegeben haben. Die kleinste Krippe passte auf einen Stubentisch, die größte umfasste über 100 Quadratmeter, weiß Volker Dittmar.

Begeistern


Die Ausstellung "Marktredwitz und seine Tradition der Landschaftskrippe" versteht sich als kulturhistorischer Beitrag zum Marktredwitzer Krippenweg sowie zur regionalen Handwerksgeschichte, so der Leiter des Egerland-Museums. Er lädt zum Staunen, Schmunzeln und Genießen ein. "Unseren Krippenweg in Zukunft aufrecht zu erhalten, den Nachwuchs in den Familien für diese Tradition der Marktredwitzer Landschaftkrippe zu sensibilisieren und zu begeistern, sollte allen Bürgern und auch politischen Entscheidungsträgern eine Herzensangelegenheit sein. Wir wollen mit unserer Dauerausstellung ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber dieser einzigartigen Marktredwitzer Handwerkskultur und dem Krippenweg-Brauch setzen."
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