Ausstellung
Terrakotta-Armee in Nürnberg

Insgesamt 250 Exponate, darunter 150 künstlerisch meisterhafte und originalgetreue Repliken der Terrakottafiguren, präsentieren sich in beeindruckender Armeeformation.
Kultur BY
Bayern
23.01.2016
905
0
 
Der Blick dieses knienden Bogenschützen ist höchst konzentriert. Ein Schuppenpanzer mit Schulterklappen schützt ihn vor feindlichen Angriffen. Bilder: gük (12)

Die Armee des ersten Kaisers von China hält Einzug in Nürnberg. Bis zum 3. April gastieren originalgetreue Repliken der legendären Soldaten in der Halle 20 auf AEG. Die Ausstellung über das "8. Weltwunder" präsentiert neben den Nachbildungen von lebensgroßen Terrakotta-Figuren auch Soldaten und Waffen aus der Zeit des großen Kaisers Qin Shi Huang Di.

Die Sonne strahlt erbarmungslos vom Himmel. Die rote Erde ist von der wochenlangen Dürre steinhart geworden. Der Bauer Yang Zhifa aber gibt nicht auf. Schwitzend bearbeitet er den Boden auf der Suche nach Wasser. Es ist der 29. März 1974, als seine Hacke auf ein Hindernis trifft. Ein tönernes Gefäß mit einer Öffnung - ob es sich um einen alten Wasserkrug handelt? Nein, nach längerem Buddeln liegt vor ihm das Schulterteil einer Figur mit einer Öffnung für den Kopf in der Mitte. In vier Meter Tiefe entdecken Zhifa und noch ein paar weitere Bauern dann Pfeilspitzen, Waffenteile, lebensgroße Figuren und damit eine der größten archäologischen Sensationen des 20. Jahrhunderts.

Kostbare Schätze


Die fleißigen Landwirte schleppen ihre Fundstücke ins nächste Museum. Fachleute fahren zur Fundstätte und erkennen sofort, dass es sich um kostbare Schätze aus der Qin-Dynastie handeln muss - die 2200 Jahre alte Terrakotta-Armee. Schon zu Lebzeiten hatte der erste chinesische Kaiser Qin Shi Huangdi (259 bis 210 v. Chr.) wie ein Wahnsinniger an seiner Unsterblichkeit gebaut. 700 000 Zwangsarbeiter hoben einst mehr als 30 Jahre lang Gruben aus. Ursprünglich waren es wohl 7000 bis 8000 Ton-Soldaten, die dem Kaiser ins Jenseits folgen und ihn bewachen sollten.



KartenverlosungDas Onetz verlost 4x2 Tickets für die Ausstellung. Wer an der Verlosung teilnehmen will, ruft unter der Nummer 0137808401627 an und spricht das Stichwort „Terrakottaarmee“, Name, Adresse und Telefonnummer aufs Band. Jeder Anruf aus dem Festnetz kostet 0,50 Euro (Mobilfunkpreise können abweichen). Der Anschluss ist bis 7. März 2016 geschaltet.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter des Medienhauses und ihre Angehörigen dürfen nicht teilnehmen. Die Gewinner erklären sich mit der Veröffentlichung ihrer Namen einverstanden. Viel Glück bei der Verlosung!
Unter dem Titel "Die Terrakotta-Armee & das Vermächtnis des ewigen Kaisers" sind nun aufwendig gestaltete Repliken in Nürnberg zu bewundern. Die Tonkrieger sehen ihren Vorbildern täuschend ähnlich. Laut Burkhard Pfrenzinger, von Beruf Schmuckhändler, wurden sie aus der gleichen Tonerde geformt und in der Nähe des kaiserlichen Mausoleums bei Xian in uralten Öfen gebrannt. "Es sind hochwertige Kopien", betont der gebürtige Franke, der die Präsentation seit 2002 europaweit zur Schau stellt. Sein Ziel: "Die Menschen sollen eine Ahnung von dieser fantastischen Kultur erhaschen."

Individuell gestaltet


Und sie sollen in die Gesichter der Terrakotta-Soldaten blicken, von denen keines dem anderen gleicht. Jeder ist individuell gestaltet. Bei einigen sind die Haare zum Knoten geschlungen. Generäle erkennt man an Federn, die sie als Kopfschmuck tragen. Auch die Waffen und Rüstungen sind fein ausgearbeitet. In der Schau kann man auf 2000 Quadratmetern zudem acht große Tonpferde, einen Streitwagen und einige lebensgroße Figuren in zeitgenössischen, zivilen Gewändern bewundern.

Ein Frauenkleid stellt die typische Mode zwischen 713 und 756 nach Christus dar. Seine Besonderheit ist der Kragenaufschlag. Es ist in der Mitte geknöpft, besitzt schmale Ärmel und wurde mit einem "Diexie-Gürtel" getragen. Das chinesische Wort "Die" wird im Deutschen mit "Schmetterling" übersetzt.

So wie ein Schmetterling zwei Flügel besitzt, so hat auch die Leistung von Qin Shi Huangdi zwei Seiten. Einerseits gelang es ihm, die sieben zerstrittenen Reiche zu einem riesigen Staat zusammenzufassen. Gemeinsam mit seinem Kanzler Li Si, der den Legalismus vorbehaltlos befürwortete, baute er einen riesigen Beamtenapparat auf, mit dem er das Reich kontrollierte.

Verlust des Farbüberzugs


Auf der anderen Seite schuf sich der Herrscher mit seinen Unterwerfungs-Feldzügen viele Feinde. "Er war verhasst", verdeutlicht Ausstellungs-Kuratorin Jaana Klumpp, "so dass nach seinem Tod ein Teil der Grabanlage in Brand gesteckt wurde." Aktuell hat man ganz andere Probleme: Bei Kontakt mit Sauerstoff verlieren die gebrannten Tonfiguren in kürzester Zeit ihren ursprünglichen Farbüberzug aus Weiß, Schwarz, Rot, Grün, Violett, Gelb oder Braun. Die Uni München erhielt deshalb einen Forschungsauftrag, um zu erkunden, wie man die Zerstörung aufhalten kann.

Bleibt die Frage, was eigentlich aus dem Entdecker der überdimensionalen Grabanlage wurde, die seit 1987 als Weltkulturerbe gilt. Für ihren Fund erhielten die Bauern einst 30 Yuan. Nach heutiger Umrechnung entspricht das vier Euro. Eine Zeit lang war Yang Zhifa für 120 Euro im Monat beim Museum angestellt. Inzwischen ist er über 80 Jahre alt und längst pensioniert. Sein Name taucht kaum mehr auf. Die interessante Schau auf AEG setzt also auch ihm ein kleines Denkmal. Er wäre wohl verblüfft über die geschickte Lichttechnik und die musikalische Untermalung, mit der die tönernen Krieger in Szene gesetzt werden.

ServiceAusstellung:
"Die Terrakottaarmee & das Vermächtnis des Ewigen Kaisers". Bis 3. April.

Ort: Auf AEG, Muggenhofer Straße 135, 90429 Nürnberg.

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag: 10-18 Uhr

Schulklassen- und Gruppentickets sowie Gruppenführungen sind nur telefonisch im Vorverkauf unter 0911/99 47 99 91 (Montag bis Freitag 9-16 Uhr) buchbar.

Infos im Internet unter www.terrakottaarmee.de

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.