BAP rockt die Luisenburg
„Verdamp“ lange gespielt

Wolfgang Niedeckens und BAP sind seit 40 Jahren im Geschäft: Am Montagabend rockten sie auf der Luisenburg. Bild: Stiegler
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Bayern
26.07.2016
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Dialekt ist für die Luisenburg-Festspiele nichts Ungewöhnliches - ganz egal, ob fränkisch, Alt-Bayerisch oder österreichisch. Dass aber auch Kölsch (nicht das Bier!) die Massen begeistern kann, wird am Montagabend deutlich: Wolfgang Niedecken und BAP rocken knapp dreieinhalb Stunden lang die Felsenbühne.

Wunsiedel. Glücklicherweise gibt es Brotkrumen. Sie "retten" den Auftritt von Wolfgang Niedecken und BAP auf der Luisenburg. Nur so finden die Musiker durch das Labyrinth im Backstage-Bereich und im Betriebsgebäude auf die Bühne. So erzählt es zumindest Wolfgang Niedecken, nicht ganz ernst gemeint, den Besuchern im seit Monaten ausverkauften Zuschauerbereich. Der Auftritt in Wunsiedel ist Teil der aktuellen "Jubiläumstour": Seit 40 Jahren gibt es BAP, seit vier Jahrzehnten erobern die Musiker mit ihrem Kölschrock die Republik. Von der Anfangsformation aus dem Jahr 1976 ist nur noch einer übrig - eben Wolfgang Niedecken. Das Gesicht und die Stimme von BAP. In Ehren ergraut, darf man wohl voller Respekt sagen, wenn der 65-jährige auf der Bühne steht. "Lebenslänglich" heißt nicht nur das aktuelle, mittlerweile 18. Studioalbum von BAP - lebenslänglich werden Niedecken und BAP wohl untrennbar miteinander verbunden sein.

Gefühlvoller Abend


Es wird ein rockiger und auch gefühlvoller Abend werden, ein Konzert mit "den besten Liedern" von BAP, wie es Niedecken nennt. "Versteht Ihr mich eigentlich? Sprech' ich zu schnell?", fragt er ins Publikum. In einen Zuschauerraum, in dem zwar auch einige Rheinländer sitzen, aber dann trotzdem die große Mehrheit des Dialekts Niedeckens im Normalfall nicht mächtig ist. Das ist bei einem BAP-Konzert aber eigentlich auch überflüssig: Entweder man kennt die Lieder und ist dementsprechend sicher in der "Fremdsprache" oder man lässt die Musik einfach auf sich wirken und versteht auch so, was Niedecken sagen will. "Aff un zo", "Unger Krahnebäume", "Jraaduss" und "Diego Paz wohr nüngzehn" sind nur einige Kostproben davon.

Oft wird der Sänger als deutschsprachiger Wiedergänger von Bruce Springsteen oder Bob Dylan charakterisiert - und das nicht nur wegen Gitarre und Mundharmonika, die Niedecken konsequent spielt. Niedecken ist ein politischer Mensch und spricht von einer Welt, in der die Populisten weltweit auf den Vormarsch sind und das "Eis der Zivilisation" immer dünner wird: und singt dann passender Weise "Absurdistan". Er erinnert an das große WAA-Konzert vor 30 Jahren ("Wirklich schon verdamp lang her!"), weist darauf hin, dass der Bürgerkriegs-Kontinent Afrika leider komplett aus den Fokus zu verschwinden droht und stellt aber gleichzeitig angesichts der aktuellen Ereignisse in Deutschland und darüber hinaus fest: "Der müsste noch geboren werden, der uns die Freude am Leben nimmt!"

Mit Niedecken auf der Bühne stehen fünf Musiker, die größenteils auch schon lange Zeit bei BAP dabei sind und an diesem Abend Akzente setzen: Werner Kopal als leidenschaftlicher Bassist, Michael Nass als Keyboarder und Pianist mit viel Tastengefühl, Ulrich Rode als rockender Gitarrist, Sönke Reich als nuanciert agierender Schlagzeuger und nicht zuletzt Multiinstrumentalistin Anne de Wolff, die an Geige, Posaune und Cello - um nur einige Instrumente zu nennen - eine außerordentlich gute Figur macht.

Eine Stunde Zugaben


Die Band singt von der Liebe zu Köln ("Ich find' es schön irgendetwas zu lieben bei all dem Hass in der Welt!", positioniert sich gegen Rechtsextremismus ("Arsch huh, Zäng ussenander", "Kristallnaach") und erinnert an die "Vision von Europa". Und mit einer Acht-Minuten-Version von "Verdamp lang her" - bei der ausnahmslos alle zumindest den Refrain mitsingen können - geht das offizielle Set nach 140 Minuten zu Ende. Und wer BAP kennt, weiß natürlich auch, dass das noch nicht alles ist: Eine Stunde lang Zugaben mit Perlen wie "Halv su wild", "Alexandra, nit nur do" und "Amerika" folgen. Kurz vor Mitternacht ist es schließlich, als "Et letzte Leed" erklingt. Ein grandioses Konzert, das viele Zuhörer zu neuen BAP-Fans gemacht hat.
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