Bizets Oper "Die Perlenfischer"
Gesangskultur in exotisch anmutender Tonwelt

Als Nadir bei den Perlenfischern auf Ceylon Leila begegnet, flammen alte Gefühle wieder auf. Passend zum exotischen Spielort komponierte Bizet 1863 eine schillernde und lyrisch-expressive Musik voller Exotik und Feuer. Das Staatstheater Nürnberg bringt erstmals seit der Uraufführung wieder die Originalfassung der Oper konzertant zur Aufführung. Im Bild: Ilker Arcayürek (Nadir) und Leah Gordon (Leila). Bild: Jutta Missbach
Kultur BY
Bayern
30.04.2016
33
0

Von Günter Kusch

Nürnberg. Gerade einmal vier Solisten, Chor und Orchester braucht es, um die Besucher des Opernhauses an diesem Premierenabend auf die Insel Ceylon zu entführen. Dort verfallen die beiden Freunde Nadir und Zurga immer wieder den Liebesreizen der attraktiven Priesterin Leila. Schon zu Jugendzeiten schworen sich die Männer, ihre Kameradschaft niemals durch die Rivalität um diese Frau aufs Spiel zu setzen.

Doch mitunter werden Versprechen zu Versprechern: Nadir bricht den Schwur, gewinnt Leilas Zuneigung und Großpriester Nourabad verurteilt das Paar zum Tode. In Nürnberg endet Georges Bizets Oper "Die Perlenfischer" dann ganz originalgetreu: Zurga lässt die Liebenden ziehen.

Große Sänger


Die einfache Dreiecksgeschichte, im Staatstheater ganz konzertant, braucht keine riesengroße Bühne, aber große Sänger. In Höchstform präsentiert sich die Sopranistin Leah Gordon, die seit 2008 im Haus für fulminante Auftritte sorgt. Ohne Höhenangst bei hohen Tönen, sicher und makellos Koloraturketten knüpfend, stattet sie ihre verschleierte Leila mit unverschleiertem Schönklang aus.

Bariton Levent Bakirci, wohl timbriert und mitunter etwas angestrengt, zeigt sich an ihrer Seite nicht immer ebenbürtig, wartet aber mit intensiver Spielfreude auf. Der sonore Bassist Alexey Birkus fügt sich nuancenreich mit ein. Zweiter Star des Abends ist aber Tenor Ilker Arcayürek, der seinen Nadir mit voller Kopfstimme und beseeltem Schmelz zu einem Herzenserlebnis werden lässt. Der von Tarmo Vaask präzise einstudierte Chor und die bestens disponierte Staatsphilharmonie unter Gábor Káli verwandeln diese Oper in einen nachwirkenden Ohren-Schmaus.

Keine "echte" Folklore


Leicht angeschrägte Flötenfiguren, feine Schlagwerknuancen, die exotische Tonwelt - Bizet stand wie viele französische Komponisten seiner Zeit unter dem Eindruck und im Bann der Exotismus-Bewegung, die in Werken verschiedenster Gattungen außereuropäisches Lokalkolorit lebendig werden ließen. Bizets fremdartigen Tonleitern, die hie und da aufklingen, sind allerdings keine "echte" Folklore, sondern entspringen ganz der Fantasie des Komponisten.

Das Gleiche gilt für seine ungewöhnlichen Instrumentierungen - wie zum Beispiel die Verwendung von Pikkolo und Tamburin im Eingangschor des zweiten Aktes. Nach dem wunderschönen Duett "Au fond du temple saint" von Nadir und Zurga im ersten Akt reihen sich vielen andere Arien-Hits zu einer prächtigen Perlenkette aneinander und man wünscht sich nur noch eins: Da capo - natürlich konzertant! Langanhaltender Beifall!
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.