Brodwurschd-Stadt im Broadway-Fieber

Das Musical "Singing in the Rain" inszeniert den Übergang von der stummen Ära zum "Lichttonfilm" in Nürnberg temporeich - mit rasanten und romantischen Songs sowie einem perfekt aufeinander abgestimmten Team. Bild: Jutta Missbach
Kultur BY
Bayern
04.03.2015
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Ein Musical mit Franken- Feeling. Regisseurin Melissa King bringt den Kino-Hit "Singin' in the Rain" am Staatstheater Nürnberg auf die Bühne. Mit eigenen, ausdrucksstarken Bildern.

Wer kennt ihn nicht? Den herrlichen Film aus dem Jahr 1952 mit Gene Kelly in der Hauptrolle. Energiegeladene Tanzszenen, anknüpfend an die großen Erfolge von Fred Astaire. Ohrwürmer wie "You are my lucky Star", "Make "'em Laugh" oder "Would You". Die Bilder im Kopf von Kelly, der im Regen mit einer Straßenlaterne tanzt. Es ist also nicht einfach, das Musical "Singin' in the Rain" auf die Bühne zu bringen. Der Regisseurin Melissa King gelingt dies am Staatstheater Nürnberg jedoch mit Bravour. Ihre Inszenierung verzichtet darauf, die Kino-Atmosphäre einfach zu imitieren, sondern beeindruckt mit eigenen ausdrucksstarken Bildern.

Ideenreich und tänzerisch

Anstelle von Straßenlaternen säumen sechs Palmen den Weg von Gaines Hall, der in Nürnberg die Titelpartie übernimmt und munter als Herzensbrecher Don Lockwood durch Wasserlachen steppt. An seiner Seite agieren Sophie Berner als launiges Starlet Lina Lamont und Robin Poell in der Rolle des ideenreichen und tänzerisch ebenbürtigen Komponisten Cosmo Brown.

Gemeinsam mit Filipina Henoch als Nachwuchsschauspielerin Kathy Selden sind sie an diesem Abend die "fantastischen Vier" - ein perfekt aufeinander eingestimmtes Team, das dem Publikum leicht-lockere Unterhaltung mit Witz und Poesie serviert. Überaus geschmeidig und be-swingt wird der Augen- und Ohrenschmaus von Chor und Staatsphilharmonie unter Leitung von Gábor Káli begleitet. Höhepunkte sind einerseits die aufwendigen, farbigen Kostüme, mit denen Judith Peter die 20er Jahre zum Leben erweckt, andererseits die kleinen Schwarz-Weiß-Film-Sequenzen, die eingeblendet werden. Ein toller Effekt ergibt sich, wenn Kathy aus dem Background der quietschig-stimmigen Lina ihre Stimme leiht, damit diese nicht ihren guten Ruf und all den Glamour verliert.

Bezaubernd sind die Stummfilm-Ausschnitte, die im historischen Hirsvogelsaal des Nürnberger Tucherschlosses gedreht wurden. Dadurch entsteht ein liebenswertes und munteres Musical mit Franken-Feeling. Leuchtende Augen und herzhafte Lacher sind garantiert. Und ein Wunder passiert: Eine Brodwurschd-Stadt erliegt dem Broadway-Fieber.
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